Verschwommene Zukunft

Was ihm am Grugabad fehlt? Da musste der junge Mann am Zuhörer-Mikro nicht lange überlegen: „Gar nichts!“ sagte er kurzerhand, „denn wenn wir was fehlte, würde ich ja nicht hingehen.“

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Was ihm am Grugabad fehlt? Da musste der junge Mann am Zuhörer-Mikro nicht lange überlegen: „Gar nichts!“ sagte er kurzerhand, „denn wenn wir was fehlte, würde ich ja nicht hingehen.“

Man kann es sich natürlich auch so einfach machen mit Essens Planschbecken Nr. 1, aber ach, da sind ja dann noch die 15 Millionen Euro, die es über kurz oder lang braucht, um das Grugabad nur auf dem jetzigen Niveau zu halten. Und wo so viel Geld ausgegeben wird, wüsste man doch gerne, ob nicht auch mehr möglich ist als ein extrem wetterabhängiges Freibad, das in seinen vier Betriebsmonaten im Jahr auch schon mal ein Vielfaches jener Besucher gezählt hat, die sich anno 2017 in die Fluten stürzten.

Immerhin, so viel durften knapp 80 Gäste beim Diskussionsabend in der Volkshochschule mitnehmen: Ein Auslaufmodell ist das Grugabad keineswegs, es hat Zukunft „als Bad und für weiteres“, wie Planungsdezernent Hans-Jürgen Best sagte, „und was das Weitere ist, das werden wir demnächst vorlegen.“ Ein Hotel auf dem Areal, so wie beim jüngsten Workshop vorgeschlagen, hält Best zum Beispiel für eine Schnapsidee – und fand sich in dieser Frage genauso kritisch beäugt wie bei seiner Zwischenbilanz der bisherigen Debatten: „Ich hätte mir da etwas mehr Fantasie gewünscht.“

Nicht nur manche Bürger sahen das anders, priesen die Vielfalt und dachten profaner, wünschten sich eine bessere Ausschilderung und mehr Werbung, Kooperationen mit großen Firmen und mehr Tempo bei der Sanierung.

Es ist, so viel scheint klar, viel Misstrauen in der Welt, nicht zuletzt vor dem Schicksal des Hauptbades, das Stadt und Politik so lange verkommen ließen, bis es hieß: Abriss ist die beste Lösung. Dabei wollen ja alle ein neues Wir-Gefühl fürs Grugabad entwickeln.

Linken-Ratsherr Wolfgang Freye hofft auf Europa-Mittel und will das Bad in seiner Großzügigkeit erhalten wissen. Klaus Diekmann von der CDU kann der Idee einer (Teil-)Überdachung einiges abgewinnen und warnt vor Investitionen, bevor das Schlusskonzept steht. Und irgendwie möchte man auch nicht nur vertrösten, weil es gut und gerne drei bis fünf Jahre dauern kann, bis das Bad auf Vordermann gebracht ist.

Wie, bleibt, unklar, aus dem verschwommenen Zukunftsbild wird man in den nächsten Monaten das neue Grugabad skizzieren, und wichtiger noch als neue Toiletten und mehr Sichtbarkeit für jene, die dran vorbeifahren, sei das Gefühl derer, die am Bad hängen, ernstgenommen zu werden. Landschaftsarchitekt Peter Davids brachte diese Skepsis auf den Punkt: Er habe an diesem Abend „Zukunft gehört und Vertrauen gespürt: Ich bitte darum, dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen.“

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