Prozess

Vergewaltigungsprozess: Verteidiger zeigt überraschend Video

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Ein Essener soll seine Ex-Freundin nach einem Besuch im Schwimmbad vergewaltigt haben. Verteidiger zeigt Video, das Freispruch bringen soll.

Der Angeklagte schweigt. Sagt nichts dazu, dass er seine frühere Lebensgefährtin in der Nacht zum 9. Februar 2019 in ihrer Wohnung vergewaltigt und gebissen haben soll. Doch am Ende der Vernehmung der 42 Jahre alten Frau präsentiert Verteidiger Seyhan Okcu der XVI. Essener Strafkammer überraschend ein Video, das aus seiner Sicht den Freispruch für den 49 Jahre alten Kettwiger bringen soll.

Eine klassische Beziehung war es nicht, die die beiden verband. Mehrfach, so heißt es in der Anklage, habe die Frau sich zwar von dem Angeklagten getrennt. Sie hätten sich danach aber immer wieder getroffen, auch Sex miteinander gehabt.

Nachts wollte er Sex

Am Abend des 28. Februar fuhren sie gemeinsam nach Dorsten ins Schwimmbad, kehrten gegen Mitternacht zurück nach Essen in die Wohnung der Frau. Dort habe er mit ihr Sex gewollt. Sie habe ihn aber abgewehrt, weil sie schlafen wollte. Er soll aber nicht abgelassen haben.

Schließlich habe sie ihn in den Oberschenkel gekniffen. Prompt soll er mit einem Biss in ihre Schulter reagiert haben. Danach sei es dann zu der Vergewaltigung gekommen. Am nächsten Vormittag sei sie zur Polizei in Rüttenscheid gegangen, ärztlich untersucht wurde sie ebenfalls.

Angeklagter schweigt vor Gericht

Vor Gericht zieht der Angeklagte, der in der Security-Branche arbeitet, es vor, keine Angaben zu machen. Vorbestraft ist er nur geringfügig. Es geht um eine Körperverletzung, die 2018 mit einer niedrigen Geldstrafe geahndet wurde. Auch da war seine frühere Freundin das Opfer. Es soll auch noch andere Strafverfahren wegen Gewaltdelikte gegeben haben, doch in diesen Fällen soll die Frau ihre Anzeigen zurückgezogen haben.

Richter Martin Hahnemann vernimmt die 42-Jährige. Sie schildert die Ereignisse in der Nacht zum 9. Februar so, wie sie auch in der Anklage niedergelegt sind. Dann bekommt Verteidiger Okcu das Fragerecht. Er fragt, ob es in jener Nacht auch mal einvernehmlichen Sex gegeben habe. Sie verneint. Da präsentiert er ein auf die Tatnacht datiertes Video vom Handy des Angeklagten, das genau diesen einvernehmlichen Sex zeigt.

Zeugin weist Vorwurf der Lüge zurück

Die Zeugin weist das zurück. Das könne nur zu einem anderen Zeitpunkt gedreht worden sein, betont sie.

Dieses Video war für das Gericht neu. Bisher hatte der Anwalt nur ein Selfie aus dem Dorstener Schwimmbad zu den Akten gereicht. Darauf lächelt das Paar. Das Gericht geht dem neuen Beweismittel, das die Aussage der Frau in ein anderes Licht stellt, nach. Es lässt jetzt von Kriminaltechnikern prüfen, ob das Videodatum manipuliert wurde.

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