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Verein Flügel will alleinerziehende Mütter in Essen stärken

Der Verein Flügel e.V. konnte für sein Projekt verschiedene Sponsoren gewinnen. Mergin Hoxha (l.) von Concept-Wohnungsbau ist einer davon. Vereinsvorsitzende Nanna Singer (Mitte) und Anne Czekan (r.) hoffen, dass die einwöchige Auszeit für die Frauen auch tatsächlich in den Herbstferien stattfinden kann.

Der Verein Flügel e.V. konnte für sein Projekt verschiedene Sponsoren gewinnen. Mergin Hoxha (l.) von Concept-Wohnungsbau ist einer davon. Vereinsvorsitzende Nanna Singer (Mitte) und Anne Czekan (r.) hoffen, dass die einwöchige Auszeit für die Frauen auch tatsächlich in den Herbstferien stattfinden kann.

Foto: Vladimir Wegener / FFS

Essen.  Mit dem Projekt „Protection – Auszeit für Alleinerziehende“ will der Verein Flügel Müttern in der Krise helfen. Corona erschwert die Arbeit.

„Protection – Auszeit für Alleinerziehende“ heißt ein Projekt, mit dem der Verein Flügel e.V. Müttern in Essen gerade während der Corona-Pandemie in Form von individuellem Coaching und dem Aufbau eines ganz praktischen Netzwerks unter die Arme greifen möchte. Es startet in den Herbstferien.

„Wer den Boden unter den Füßen verliert, braucht Flügel, unter die er schlüpfen kann“, sagt Nanna Singer. Sie gründete vor zwei Jahren den Essener Verein, der für alleinerziehende Frauen in kritischen Lebenssituationen, zum Beispiel bei Gewalterfahrung, Ansprechpartner sein will.

„Es gibt Situationen im Leben, in denen man sprichwörtlich die Flügel hängen lässt. Bei uns bekommen die Betroffenen Zeit und Raum, sich zu finden und neuen Lebensmut zu schöpfen.“ Den Weg aus der Krise bewältigen, eine positive Einstellung – und damit selbst neue Flügel – zu gewinnen, das ist das Ziel.

Präsenz-Schule ist spezialisiert auf die Bewältigung von akuten Krisen

Nanna Singer weiß, wovon sie spricht. Während ihres Jurastudiums vor zehn Jahren habe sie ein Burnout völlig aus der Bahn geworfen. „Es war ein richtig gehender körperlicher Schwächeanfall, so dass mir sogar das Laufen schwer fiel. Ich kam kaum noch aus dem Bett raus.“ Was ihr half? Sie nahm an einem Coaching der Präsenz-Schule in Essen-Fischlaken teil.

Die 2008 am Baldeneysee eröffnete Einrichtung ist spezialisiert sowohl auf die Prävention von psychosomatischen Erkrankungen, als auch auf die Bewältigung von akuten Krisen wie Depressionen, Burnout, Angststörungen oder auch familiären oder beruflichen Ausnahmesituationen. In die therapeutische Arbeit sind unter anderem Pferde als Co-Trainer mit eingebunden.

Das Ziel: Netzwerken und räumlichen Abstand gewinnen

In Anne Czekan, die ebenfalls ein solches Coaching mitgemacht hatte, fand Nanna Singer eine engagierte Mitstreiterin. Der Gedanke, ihre eigenen positiven Erfahrungen weiterzutragen und anderen zu helfen, nahm Gestalt an. „Insbesondere jenen Frauen, die Gewalt erlebt haben und allein ihren Alltag mit Kindern meistern müssen, oft ohne jegliche Hilfe, wollen wir zur Seite stehen“, so Anne Czekan.

Netzwerken ist dabei ein wichtiger Punkt. Über Facebook knüpfte der Verein in den vergangenen Monaten Kontakt zu betroffenen Essenerinnen. „Der Zuspruch war enorm“, so die Vereinsvorsitzende Nanna Singer. Dabei wurde schnell klar: „Am besten ist es, für eine gewisse Zeit räumlichen Abstand von zuhause zu gewinnen“, sagt Anne Czeka. So nahm die Idee von „Protection – Auszeit für Alleinerziehende“ schnell Gestalt an.

Frauen bekommen ein gezieltes Coaching zur Konfliktlösung

Die eigene Würde wiederzufinden, unter diesem Aspekt steht nun die einwöchige Auszeit von vier ausgewählten Frauen mit ihren Kindern in einem Ort an der Ostsee. Ein Urlaub, der nicht nur der Erholung dient.

In verschiedenen Seminaren und Workshops, die von der Fischlaker Präsenz-Schule durchgeführt werden, lernen die Frauen unter anderem den Aufbau einer starken Kommunikation, Souveränität im Umgang mit Behörden zu zeigen, Konfliktlösungen anzugehen und auch gezielte Entspannungstechniken.

Betreuung geht nach dem einwöchigen Aufenthalt weiter

„Danach werden die Frauen weiter von der Präsenz-Schule betreut. Wir als Verein bieten zudem eine Plattform, um sich auszutauschen“, führt Nanna Singer aus. „Zum Beispiel könnte es um Hilfen bei der Kinderbetreuung oder bei einem Umzug gehen.“ Monatliche Treffen seien geplant – sobald keine Einschränkungen mehr durch die Pandemie vorliegen.

Doch gerade Corona erschwert momentan alles. „Wir müssen schauen, dass wir für alle Beteiligten rechtzeitig negative Tests vorlegen können, bevor wir in der zweiten Herbstferienwoche starten“, sagt Anne Czeka. Dass die Stadt Essen gerade zum Risikogebiet erklärt wurde, mache es nicht einfacher. „Aber wir hoffen, dass es klappt.“ Ansonsten müsste die Auszeit, die ursprünglich schon im Frühjahr stattfinden sollte, nochmals verschoben werden.

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