Schulgewalt

Vater beschuldigt Lehrerin nach Prügelei an Essener Grundschule

Thomas Göhler macht den Lehrern der Bergmühlenschule Vorwürfe, hier wurde seine Tochter vom Mitschülern verprügelt.

Thomas Göhler macht den Lehrern der Bergmühlenschule Vorwürfe, hier wurde seine Tochter vom Mitschülern verprügelt.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.   Vor vier Wochen wurde ein 11-jähriges Mädchen von Klassenkameraden an einer Grundschule in Essen-Bochold krankenhausreif verprügelt. Nun wurde das Verfahren gegen die vier Haupttäter von der Staatsanwaltschaft eingestellt, weil die Kinder minderjährig sind. Der Vater des Opfers erhebt schwere Vorwürfe gegen die Lehrerin und will nun vor ein Zivilgericht ziehen.

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Gewalt in der Grundschule: Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen die Viertklässler eingestellt, die ihre Klassenkameradin verprügelt haben. Die Vorwürfe des Vater richten sich nun gegen die Lehrerin.

„Wir kämpfen weiter“, so fasst Thomas Göhler seine Situation heute zusammen. Vor genau vier Wochen ist seine Tochter Anna-Maria (11) an der Bergmühlenschule in Bochold von Mitschülern so heftig verprügelt worden, dass sie im Krankenhaus behandelt werden musste. „Kopfprellung, Gehirnerschütterung, Mageninnenwand-Prellung, eine Nierenquetschung konnte nicht ausgeschlossen werden, weil Blut im Urin war“, zählt der 38-Jährige die Verletzungen auf.

„Das erste, was ich jetzt bekam, war ein Schreiben der Staatsanwaltschaft“, sagt der Vater. Das Verfahren gegen die vier Haupttäter ist eingestellt worden, weil sie minderjährig sind. Es sind Anna-Marias Schulkameraden gewesen, die sie nach Schulschluss verprügelt haben. Angefangen hat ihr Streit im Klassenzimmer, eine Kabbelei darum, wer die Tafel besser putzt, erzählt der Vater. Anna-Maria wischte noch mal nach und lief der Gruppe auf dem Schulhof in die Arme.

Vater wirft Lehrerin unterlassene Hilfeleistung vor

„Die Lehrerin hat mich nicht angerufen“, sagt der Vater, obwohl Anna-Maria mehrfach darum gebeten haben soll, stattdessen habe sie das Kind nach Hause geschickt. Sein Vorwurf: Verletzung der Aufsichtspflicht und unterlassene Hilfeleistung. Mit Hilfe eines Anwalts will der 38-Jährige nun zivilrechtlich vorgehen: „Ich finde keine Ruhe.“ Aus Sicht der Schulbehörde habe die Lehrerin angemessen gehandelt: „Nach unserer Erkenntnis ist ihr kein Vorwurf zu machen“, sagt Marielle Erb von der Bezirksregierung Düsseldorf.

Schuldezernent Peter Renzel, der die Schule nach dem Vorfall besucht hat, zweifelt nicht an den Aussagen der jungen Lehrerin, nach denen Anna-Maria augenscheinlich keine Verletzungen gehabt und nicht darum gebeten haben soll, ihren Vater zu rufen. Was keinesfalls heißt, dass sie den Fall nicht ernst nehmen: „Es ist nicht akzeptabel, dass Kinder sich verabreden, um einer Mitschülerin aufzulauern.“ Über die vier Haupttäter habe die Polizei das Jugendamt informiert, das kümmere sich nun.

Gewalt unter Schülern kein Einzelfall

Renzel habe einen positiven Eindruck von der Zusammenarbeit der Lehrer mit außerschulischen Partnern wie Jugendamt, Erziehungsberatungsstellen oder Polizei. Der Bezirksdienstbeamte und sein Kollege vom Kommissariat Vorbeugung waren in der Klasse. Zur Netzwerkarbeit an der Bergmühlenschule zählen auch Sozialkompetenztraining in Kooperation mit der Jugendhilfe oder Fortbildungen für die Lehrer. Renzel rät: „Alle Beteiligten sollten nun gemeinsam überlegen, wo nachgesteuert werden muss.“

Das hält auch Mutter Regina Marx (Name geändert) für erforderlich. Nicht nur, weil es trotzt aller Maßnahmen zu Übergriffen an der Schule gekommen sei, sondern weil ihre Tochter Lea in drei Schuljahren nie etwas von diesen Maßnahmen mitbekommen habe. Letztes Jahr hat Regina Marx ihre Tochter an der Bergmühlenschule abgemeldet, hat Anzeige erstattet, weil auch ihr Kind Gewalt erfahren habe. Auch damals kam die Polizei in den Unterricht. Für sie ist das, was Anna-Maria erlebt hat, kein Einzelfall. Ihr habe damals eine Lehrerin gesagt: „Ich würde überreagieren, das war nur ein dummer Jungenstreich.“ Regina Marx fragt sich zudem, warum die Grundschule keine Leitung habe.

Opfer hat die Schule gewechselt

„Derzeit wird sie kommissarisch von mehreren Personen geleitet“, sagt Marielle Erb. Das Besetzungsverfahren laufe. Offenbar noch länger: „Wir sind zuversichtlich, dass die Stelle im August besetzt wird.“ Thomas Göhler indes ist enttäuscht und wütend, weil er das Gefühl hat, an der Bergmühlenschule laufe der Alltag einfach weiter. Anna-Maria besucht inzwischen eine andere Grundschule.

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