Krätze

Uniklinik Essen zählt mehr Krätzefälle – oft eine Tortur

Die Hautklinik des Uniklinikums Essen verzeichnet in den vergangenen drei Jahren eine steigende Zahl von Krätzefällen

Die Hautklinik des Uniklinikums Essen verzeichnet in den vergangenen drei Jahren eine steigende Zahl von Krätzefällen

Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

Essen.  Seit 2016 sei die Zahl der Krätze-Fälle um 30 % gestiegen, so der Chef der Essener Hautklinik. Krätze sei nicht gefährlich, aber oft eine Tortur.

In den vergangenen drei Jahren beobachtet der Direktor der Klinik für Dermatologie am Essener Uniklinikum eine Zunahme der Krätze. „Die Zahl der Fälle ist um etwa 30 Prozent gestiegen“, sagt Prof. Dr. Dirk Schadendorf. Die sogenannte Skabies sei nicht gefährlich, doch der durch die Krätzemilben verursachte Juckreiz „kann für den Betroffenen zu einer Tortur werden“.

Eine ausgeprägte Krätze ähnele einer heftigen Neurodermitis, auch darum wenden sich wohl viele Betroffene oder die verzweifelten Eltern von erkrankten Kleinkindern an die Spezialisten der Hautklinik. „Wir sehen in unserer Ambulanz jede Woche Patienten mit Skabies“, sagt Prof. Schadendorf. Stationär aufgenommen würden aber nur die allerwenigsten von ihnen, denn Krätze könne eigentlich von niedergelassenen Hautärzten gut behandelt werden. Vorausgesetzt, der Patient bekomme zeitnah einen Termin. Unbehandelt nämlich vermehren sich die Krätzemilben munter weiter: „Der Juckreiz ist dann zum Verrücktwerden, die Patienten kratzen sich die Haut blutig.“

Hautklinik kann nur die wenigsten Krätze-Patienten aufnehmen

In der Regel werde dem Betroffenen eine Salbe verschrieben, die er gründlich und von oben bis unten auf die Haut auftragen müsse. Greife dies nicht, könne man ein Medikament zum Einnehmen verschreiben. Es gebe aber Patienten, die die Salbe nicht sorgfältig genug anwenden – oder auf die herkömmlichen Mittel nicht gut ansprechen. Denn einige Milben seien offenbar gegen die Wirkstoffe resistent.

Nach ein, zwei erfolglosen Behandlungsversuchen werde mancher Hautarzt unsicher und überweise seinen Patienten an die Hautklinik. „So werden wir teils zum Verschiebebahnhof für die niedergelassenen Kollegen“, sagt Schadendorf. Tatsächlich sei die Behandlung in der Klinik leichter durchzuführen. Da die Essener Hautklinik aber ein großes Behandlungsspektrum vom Tumor bis zum Offenen Bein habe und ihr Einzugsgebiet auch Bottrop, Gelsenkirchen und Mülheim umfasse, könne man Krätze-Patienten nur in Ausnahmefällen aufnehmen.

Krätze verbreitet sich am schnellsten in der Familie oder in Gemeinschaftseinrichtungen

Hinzu kommt, dass dafür in der Regel nicht nur eins der 58 Betten frei sein muss. Denn Krätze ist zwar nicht hochinfektiös, verbreitet sich aber vor allem dort, wo es zu engerem und längerem Hautkontakt kommt – bevorzugt in der Familie. Für eine erfolgreiche Behandlung brauche man demnach schon mal fünf oder sechs freie Betten.

Dass die Zunahme der Krätze mit der Flüchtlingskrise zusammenhänge, sieht Schadendorf nicht. Die Krankheit tauche schon immer in Wellenbewegungen auf und bevorzugt dort, wo Menschen eng zusammenleben. „Da wo die sozialen Verhältnisse beengt sind, etwa in Großfamilien, aber auch in Seniorenheimen oder Kasernen, seltener in Kitas. Oft lasse sich nicht genau sagen, wer der Auslöser sei, daher würden mögliche Kontaktpersonen abgestuft mitbehandelt, „um einen Schneeballeffekt zu vermeiden“.

Masern sind gefährlicher, aber Krätze ist extrem lästig

Tritt die Krätze in einer Gemeinschaftseinrichtung auf, muss das Gesundheitsamt benachrichtigt werden. „Wir beobachten hier insgesamt keine Zunahme der Fälle“, sagt Mikrobiologin Marina Lorsch. „In Kitas und Schulen sind in der Regel nur einzelne Kinder oder Geschwister betroffen. Das ist dort meist schnell im Griff.“ In einigen Seniorenheimen sei die Krätze jedoch sehr hartnäckig, auch weil sich das Pflegepersonal schon mal bei Patienten anstecke, deren Skabies noch unentdeckt sei.

Grundsätzlich sei die Krätze übrigens nicht meldepflichtig, daher lasse sich über ihre Verbreitung wenig Genaues sagen, betont Marina Lorsch. Das Bohei darum sei womöglich größer als die Fallzahlen: „Skabies ist nicht so schlimm wie eine Maserninfektion, es ist nur extrem lästig.“

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