Bildung

Und plötzlich war man Uni-Klinik

Klaus-Eugen Bonzel (70), Friedrich-Wilhelm Eigler (80) und Günter Brittinger (81) begleiteten entscheidend den Wandel der Uni-Klinik.

Klaus-Eugen Bonzel (70), Friedrich-Wilhelm Eigler (80) und Günter Brittinger (81) begleiteten entscheidend den Wandel der Uni-Klinik.

Foto: WAZ Fotopool

Essen.   Drei Männer der frühen Jahre erinnern sich an die Anfänge: 1963 kamen die ersten Medizin-Studenten nach Holsterhausen

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Die „Städtischen Krankenanstalten“ in Holsterhausen waren schon 50 Jahre alt, als man um 1959 in Düsseldorf befand, landesweit müssten neue medizinische Akademien her. Das Essener Krankenhaus bot sich an – auch, weil Unis in Bochum und Dortmund geplant waren, noch nicht aber hier. Und so ging es, in der Rückschau, einigermaßen schnell: 1963 kamen die ersten 70 Medizin-Studenten nach Holsterhausen. Es entstand die zweite medizinische Fakultät der Uni Münster. Ab 1967 fiel die Zuständigkeit an die neue Bochumer Uni.

Im gleichen Jahr kam Günter Brittinger, der die neu geschaffene Abteilung für Hämatologie leitete. Brittinger, heute 81 Jahre alt, erinnert sich: „Man hatte in der Verwaltung noch keine große Erfahrung mit Wissenschaftlern. Wir hatten großteils mit kommunalen Verwaltungsmitarbeitern zu tun. Ich musste zum Beispiel recht lange argumentieren, um ein neuartiges und ziemlich teures Blutkörperchen-Zählgerät anzuschaffen. Doch insgesamt hat sich das nicht-medizinische Personal als sehr lernfähig erwiesen.“

Neubau kam erst 1989

1972 wechselte dann die Zuständigkeit erneut, jetzt gehörte man zur neu geschaffenen „Universität Gesamthochschule Essen“, die „Städtischen Krankenanstalten“ waren fortan komplett in der Hand des Landes NRW. Was nicht immer alles vereinfachte, denn in Düsseldorf wurde manches auf die lange Bank geschoben: „Wir hatten Neubau-Pläne für eine Chirurgische Klinik, die schon sehr weit gediehen waren“, erzählt Friedrich-Wilhelm Eigler, der ab 1971 den Lehrstuhl für Allgemeine Chirurgie innehatte.

„Und wissen Sie, wann der Neubau dann gekommen ist?“, fragt Eigler, der heute 80 Jahre alt ist. „Es war 1989. Vor jeder Landtagswahl wurde erzählt: Der Neubau kommt. Und nach jeder Wahl hieß es dann, es ist kein Geld da. Zeitweise hatten uns drei Ministerien gleichzeitig versichert, der Neubau kommt.“

Rasante Entwicklung

Das waren die Schattenseiten des Landesbetriebs. Denn „das Haus war von der Stadt immer gut behandelt worden“, sagen Eigler und Brittinger. Doch dass es gut war, eine Uni-Klinik zu werden, daran hegte kaum jemand Zweifel.

Wie sehr die Umwandlung Tempo aufnahm, erlebte auch Klaus-Eugen Bonzel, der langjährige Leiter des Nierenzentrums für Kinder und Jugendliche. Bonzel ist heute 70 Jahre, wurde 2008 verabschiedet. „Zwischen meinen ersten Erfahrungen in diesem Haus um 1970 und meiner Wiederkehr im Jahr 1986 liegen Welten“, sagt Bonzel. „Das Haus hat eine rasante Entwicklung zu einer vollwertigen, wissenschaftlichen Einrichtung gemacht.“ Davon profitierten am Ende immer auch die Patienten.

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