Wälder

Umweltschützer fordern: Wälder sich selbst überlassen

Sie fordern eine Wende im Wald (v.l.): Anna Waterkotte (Transition Town), Initiatorin Sabina Rothe, Julian Junghanns (Greenpeace), Wolfgang Jägemann (Waldschutz Essen) und Matthias Görgen (Waldschutz Essen).

Sie fordern eine Wende im Wald (v.l.): Anna Waterkotte (Transition Town), Initiatorin Sabina Rothe, Julian Junghanns (Greenpeace), Wolfgang Jägemann (Waldschutz Essen) und Matthias Görgen (Waldschutz Essen).

Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi

Essen.  Mehrere Umweltinitiativen fordern ein Ende der bisher vom städtischen Eigenbetrieb Grün & Gruga praktizierten Forstwirtschaft.

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In einer gemeinsamen Erklärung machen sich mehrere Naturschutzinitiativen für eine radikale Wende im Umgang mit Essens Wäldern durch den städtischen Eigenbetrieb Grün und Gruga stark. Nach „Ela“, dem verhängnisvollen Pfingststurm von 2014 biete sich die Chance innezuhalten und einen neuen Weg einzuschlagen. Es wäre nichts anderes als die Abkehr vom Konzept des so genannten naturnahen Erholungswaldes, das Grün & Gruga seit Jahren verfolgt und in den städtischen Wäldern umsetzt.

Aus Sicht der Initiativen ist es der falsche Weg. Als Beleg dafür gilt den Kritikern unter anderem der Wald an der Margarethenhöhe. Auch dort hat „Ela“ verheerende Schäden angerichtet. Selbst massive Stämme sind unter der Windlast eingeknickt. Noch bevor der Sturm hereinbrach, hatten Anwohner nach massiven Protesten einen Fällstopp durchgesetzt. Weil Grün & Gruga einen Teil des Waldes bereits durchforstet hatte, standen die verbliebenen Bäume schutzlos da. Nach Überzeugung der Kritiker wären die Schäden weniger massiv ausgefallen, hätte der Eigenbetrieb den Wald sich selbst überlassen. „Man muss der Natur ein bisschen mehr vertrauen“, sagt Wolfgang Jägemann von „Waldschutz Essen“.

Mehr auf Qualität achten

Der Schutz des Waldes kommt den Initiativen zu kurz. Dass der städtische Forstbetrieb jedes Jahr mehrere tausend Kubikmeter Holz schlägt, ist ihnen ein Dorn im Auge. Dahinter steht der Verdacht, dass dabei doch wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen könnten. Laut Grün & Gruga übersteigen die Kosten den Ertrag. Aus Sicht der Initiativen wäre auch das ein Grund mehr, den Holzschlag auf die Verkehrssicherung entlang der Spazierwege zu beschränken und auf das Fällen nicht heimischer Arten.

Dass jedes Jahr rechnerisch mehr Kubikmeter nachwachsen als geschlagen werden, überzeugt nicht: Man dürfe nicht allein die Menge betrachten, sondern die Qualität des Waldbestandes, entgegnet Wolfgang Jägemann.

Vorschläge für Forstbetriebswerk berücksichtigt

Nach dem Konzept des naturnahen Erholungswaldes fällt der Forstbetrieb Bäume, um die Artenvielfalt zu sichern und zu fördern. Andernfalls setzten sich im Wettbewerb der Arten auf Dauer allein die Buchen durch, denn sie gedeihen auch im Schatten. Es wäre der natürliche Lauf der Dinge und aus Sicht der Initiativen nicht der schlechteste Weg. „Der Wald verjüngt sich und erhält sich auch selber“, sagt Sabina Rothe, Mitglied im Bund für Umwelt- und Naturschutz und Initiatorin des gemeinsamen Aufrufes für eine Wende der bisherigen Waldbewirtschaftung.

Laut Eckhart Spengler, Sprecher von Grün & Gruga, sollen die Vorschläge sehr wohl in das neue Forstbetriebswerk Eingang finden. Geplant sei, den Anteil von Waldflächen, die sich selbst überlassen werden, zu erhöhen von derzeit sechs auf zehn Prozent.

Den Initiativen geht das nicht weit genug. Vom bisherigen Verlauf des Beteiligungsverfahrens, das Grün & Gruga mit Blick auf die Erarbeitung des Forstbetriebswerkes initiiert hat, zeigen sie sich enttäuscht. Auch deshalb machen sie ihr Wort – gemeinsam.

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