Kriminalität

Überfall auf Teestube: Streit um Party womöglich Auslöser

Polizei und Feuerwehr waren nach dem gewaltsamen Überfall auf die arabische Teestube an der Ecke Franziskaner-/Burggrafenstraße im Großeinsatz. Foto:KDF-TV & Picture

Polizei und Feuerwehr waren nach dem gewaltsamen Überfall auf die arabische Teestube an der Ecke Franziskaner-/Burggrafenstraße im Großeinsatz. Foto:KDF-TV & Picture

Essen.   Nach dem Überfall auf eine Teestube in Essen laufen die Ermittlungen. Gemeldete Zusammenrottung in der City war wohl falscher Alarm.

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Ein zerstörerischer Angriff auf eine arabische Teestube im Südostviertel und eine angebliche Zusammenrottung von bis zu 100 gewaltbereiten Männern Stunden später in der Innenstadt hat am späten Dienstagabend für zwei Großeinsätze der Polizei und viele Vermutungen gesorgt. Am Mittwochabend dann der dritte Großeinsatz der Polizei: Beamte sperrten gegen 20 Uhr in Höhe der Serlostraße die komplette Altendorfer Straße, weil die Ermittler offenbar Hinweise darauf bekommen hatten, dass dort bewaffnete verfeindete Gruppen aufeinander treffen könnten. Die Besatzung von fast 20 Streifenwagen und die Einsatzhundertschaft waren vor Ort, bis es Entwarnung gab und die Sperrung gegen 20.35 Uhr wieder aufgehoben wurde. Der Einsatz hatte allerdings für die Besatzung eines Streifenwagens üble Folgen: Der Fahrer war bei der Alarmfahrt von der Straße abgekommen und mit einer Hauswand kollidiert. Neben Blechschaden hatte sich auch ein Polizist dabei verletzt.

Die Einsatzkräfte patrouillierten nach dem Großeinsatz am Mittwochabend noch durch die angrenzenden Straßen, um die Lage abzusichern. Informationen, wonach es sich bei all den Auseinandersetzungen um eine Art Verteilungskampf zwischen irakischen und libanesischen Gruppen handeln könnte, wollte die Polizei nicht kommentieren. Der Verdacht eines Zusammenhangs zwischen den Vorfällen stand allerdings schnell im Raum. Von Vergeltungsschlägen und Racheakten zwischen verfeindeten Gruppen aus dem arabischen Raum war bereits die Rede.

Doch nach intensiven Fahndungen, die bis nach Duisburg reichten, insgesamt 13 Festnahmen von vermeintlich Beteiligten unterschiedlichster Nationalität und intensiven Ermittlungen der Kriminalpolizei stellte sich im Laufe des Mittwochs dann doch etwas anderes heraus.

„Nach jetzigem Kenntnisstand handelt es sich bei den beiden Vorfällen am Dienstag um zwei eigenständige Sachverhalte“, sagte Polizeisprecher Christoph Wickhorst. Mehr noch: Bei den Ermittlern ist der Verdacht längst aufgekommen, dass es die „größere Menschenansammlung, die sich in einer Shisha-Bar an der I.Weberstraße drohend aufgebaut haben soll“, so nie gegeben hat. Denn als die Polizei eintraf, saßen Gäste friedlich rauchend in dem Lokal und von Randalierern fehlte jede Spur.

Auf dem Weg ins Bordell an der Stahlstraße

Zwar zog die Polizei mit der Unterstützung von Kräften aus Duisburg, Bochum und Oberhausen elf irakische, syrische, libanesische und türkische Männer in der Innenstadt vorübergehend aus dem Verkehr. Doch die konnten offenbar glaubhaft versichern, auf dem Weg ins Bordell an der Stahlstraße zu sein. „Nach ihrer Vernehmung durften die Festgenommenen die Wachen verlassen“, so der Polizeibericht: „Ein Tatverdacht konnte sich nicht erhärten.“

„Da hat uns wohl jemand wild machen wollen“, heißt es inzwischen in Polizeikreisen. Was in diesem Fall besonders gut gelang, weil die Behörde die womöglich irreführenden Aussagen von vor allem arabischstämmigen Zeugen, die jene 40 bis 100 Männer meldeten, die durch die Innenstadt ziehen sollten, nach dem Gewaltausbruch an der Burggrafen-/Ecke Franziskanerstraße „sofort ernst genommen“ hat. Denn der hatte es durchaus in sich.

Bis zu 20 Männer stürmten das Lokal

Um kurz nach 20 Uhr hielten „vier bis fünf Autos“ vor den Räumlichkeiten des früheren Restaurants „Olympia“. Bis zu 20 Männer stürmten das Lokal, zerlegten das Inventar zum Teil mit Knüppeln, zerstörten Scheiben, und flüchteten so schnell, wie sie gekommen waren. Drei Anwesende erlitten leichte Verletzungen durch Reizgas. Wer den Schuss aus einer Gaspistole abgegeben hat, ist unklar.

Sieben mutmaßliche Randalierer wurden wenig später von der Polizei in Duisburg gestellt, zwei von ihnen, ein Türke und ein Libanese, erkennungsdienstlich behandelt. Beamten stellten diverse Stich- und Schlagwaffen sicher. Doch auch diese Männer kamen wieder auf freien Fuß, während sich erste Hinweise verdichteten, dass Streitigkeiten um eine Party, die in der Teestube stattfinden sollten, der Grund für die Übergriffe gewesen sein könnten. Es werde weiter ermittelt, so Wickhorst.

Oberbürgermeister Thomas Kufen zeigte sich „bestürzt“ über die Ereignisse: „Ich habe volles Vertrauen in Polizei und Staatsanwalt, dass die Täter gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden.“

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