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Über 30 Grad: So reagiert Essen auf die Hitzewelle

Erfrischung gibt’s beim Sprung in den Baldeneysee.

Erfrischung gibt’s beim Sprung in den Baldeneysee.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Essen.   Schlossquelle arbeitet im Drei-Schicht-Betrieb, im Tierheim gibt es Eisleberwurst und Schüler haben Hitzefrei. Was die Wärme mit Essenern macht.

Essen in den heißen Tagen – wie sieht’s aus am Wasser, in den Schulen, in den Geschäften? Essen schwitzt bei 34 Grad – so heiß soll’s am Dienstag werden. Eine Übersicht.

Schwimmen im See

Gut vorbereitet auf die Hitzewelle ist das Strandbad Seaside Beach am Baldeneysee. „Wir werden in den nächsten Tagen bis 23 Uhr geöffnet haben“, kündigt Inhaber Holger Walterscheid an. Los geht’s morgens um 10 Uhr, Baden in der Ruhr ist ab 11 Uhr möglich. Am Dienstag ist das Schwimmen bis 18 Uhr, an den darauffolgenden Tagen bis 20 Uhr möglich. „Die Wassertemperatur im Baldeneysee liegt bei fast 21 Grad“, fügt Walterscheid hinzu. Schüler und Studenten zahlen 3,50 Euro Eintritt, Erwachsene vier.

Freibäder: Mehr Personal durch Schichtverteilung

Durch Schichtverteilung steht im Grugabad sowie in den Bädern Oststadt und Kettwig mehr Personal für die besuchsstarke Zeit am Nachmittag zur Verfügung, sagt eine Stadtsprecherin. Die Öffnungszeiten: Alle Freibäder haben durchgehend geöffnet (ohne Pause am Mittag). Sicherheit: Das Security-Personal im Grugabad und den Bädern Oststadt und Kettwig wird im erforderlichen Umfang bereitgestellt und bei Bedarf aufgestockt. Wassertemperatur: unverändert bei 24 Grad.

Schulen lassen Unterricht ausfallen

Die Essener Schulen haben auf die Hitze bereits reagiert – viele Grundschulen kündigten für die gesamte Woche Kurzunterricht an, der schon am Vormittag endet. Ansonsten bleibt es den Schulen überlassen, ob sie Hitzefrei geben oder nicht – die Raumtemperatur muss 27 Grad übersteigen, sagt das Gesetz. In Mitleidenschaft gezogen werden in dieser Woche jene Schüler, die mündliche Abiprüfung oder Nachprüfung haben - die fallen wegen der Wärme kaum aus. Auch Klassenausflüge, Spendenläufe und Sportveranstaltungen, die in dieser Woche zahlreich angesetzt sind, finden in der Regel statt oder zumindest in verkürzten Versionen – wie immer warnen Lehrer und Schulleiter die Eltern: „Achten Sie auf eine Kopfbedeckung bei Ihrem Kind, und geben Sie ihm genügend Getränke mit.“

Sonnenstudios auch jetzt bevölkert

Geht eigentlich jemand ins Sonnenstudio bei dem Wetter? „Eindeutig ja“, sagt die Mitarbeiterin von „Future Sun“, einem Studio in Schonnebeck. „Entweder, um die Haut schonend an die Sonne draußen zu gewöhnen, oder um die Bräune von draußen zu halten.“ Und geht eigentlich jemand in die Sauna bei dem Wetter? „Echte Saunagänger gehen immer“, heißt es in der Gruga-Therme. „Die sind ja nicht nur in der Sauna, die sind ja auch in den Abkühl-Becken und auf der Terrasse.“ Wer trainiert ist, den schocken Temperaturen über 30 Grad nicht, sondern den beleben die regelmäßigen Kälte-Schocks erst so richtig.

Wasserverbrauch steigt deutlich

Die Stadtwerke stellen sich auf einen deutlich höheren Wasserverbrauch in der Stadt ein. „Rein technisch ist das aber kein Problem. Die Anlagen und die Rohre schaffen das“, sagte Stadtwerkesprecher Dirk Pomplun. Nach den Erfahrungen im Hitzesommer des vergangenen Jahres verbrauchen die Essener an heißen Tagen, wenn das Thermometer über 30 Grad zeigt, bis zu 130.000 Kubikmeter Wasser am Tag. Das sind fast 20.000 Kubikmeter - also 20 Millionen Liter – mehr als an durchschnittlichen Sommertagen. Die Menge in Badewannen umgerechnet sind über 130.000 Badewannen. Und weil Trinken gerade an solch heißen Tagen enorm wichtig ist, verweisen die Stadtwerke auf das Refill-Netzwerk, das es in der Stadt gibt. Das sind 22 Stationen, an denen sich Bürger kostenlos Trinkwasser zapfen können. Zu erkennen sind sie am Symbol mit einem blauen Tropfen und dem Wort Refill. Eine davon befindet sich im Stadtwerkehaus an der Rüttenscheider Straße 27-37. Gezapft werden kann hier montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr.

Schlossquelle erhöht Kapazitäten

Der Mineralbrunnen Schlossquelle in Borbeck hat sich schon in der vergangenen Woche auf die angekündigte Hitzewelle vorbereitet. „Wir füllen mittlerweile in drei Schichten ab“, sagte Geschäftsführer Jörg Mellis. Die Bestellungen hätten in den vergangenen Tagen um 50 Prozent zugenommen. Bange, dass das Wasser ausgeht, hat Mellis dennoch nicht: Das Lager des Unternehmens ist gut gefüllt. Schon seit April ist Schlossquelle dabei, die Bestände hochzufahren. Und durch den Ausbau des Standortes in Borbeck können die Bestellungen nunmehr auch deutlich schneller abgefertigt werden. Einzige Sorge, die aber alle Brunnen umtreibe: Bei der Belieferung des Handels könne es zu Engpässen kommen, weil es bei Speditionen an Fahrern fehle. „Das ist derzeit die größte Achillesferse in unserer Branche“, so Mellis.

Leberwurst-Eis für die Tierheim-Hunde

Das Gassigehen für die Tierheim-Hunde fällt in den nächsten Tagen aus. Normalerweise führen Ehrenamtliche die Tiere immer nachmittags aus. „Doch dafür ist es jetzt zu heiß“, sagt eine Mitarbeiterin. Die Hunde bekommen zur Abkühlung in den nächsten Tagen kleine Pools oder Kühlmatten in ihre Zwinger. Auch Leberwurst-Eis hat das Tierheim vorbereitet.

An der Heißener Straße stand eine Hecke bei Gartenarbeiten in Flammen

Die Feuerwehr bittet um Vorsicht bei Spaziergängen in den Essener Forsten. Die Waldbrandgefahr hat in Essen bereits die zweithöchste Stufe erreicht. Doch Wachabteilungsleiter Bernd Weichert fügt Beruhigendes hinzu: „Die Essener Feuerwehr ist in puncto Waldbrandbekämpfung gut aufgestellt.“ Ein Brandereignis an der Heißener Straße vom Montag dokumentiere allerdings, wie schnell ein Feuer ausbrechen kann. „Bei Gartenarbeiten stand dort aus Versehen eine Hecke in Flammen.“ Weichert mahnt zu allergrößter Vorsicht beim Flämmen von Unkraut. „Zur Not sollte man ganz drauf verzichten.“

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