U.V.O. will bei Essens Wählern landen

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„Fast größenwahnsinnig.“ Mit diesem Attribut hatte Udo Bayer vor zehn Monaten ihren Plan verrissen. Aber die drei ehemaligen Mitstreiter des 69-jährigen Frontmanns im Essener Bürger Bündnis (EBB) haben sich durch das vernichtende Urteil des einstigen Mentors nicht abhalten lassen. Und starten in diesen Tagen mit einer politischen Konkurrenz-Formation. Der Name: U.V.O.

U.V.O., das steht für „unabhängig, vernunftorientiert und offen“, und empfiehlt sich als Bürgerbewegung, die dort weitermacht, wo das EBB nach ihrer Überzeugung irgendwann aufgehört hat: als Anwalt der Bürger, parteipolitisch ungebunden und „ohne ideologische Scheuklappen“. Joachim Kluft und Klaus Gutke, einst gut platzierte Ratsanwärter des EBB, sowie Holger Ackermann, der in der Bezirksvertretung IX sogar noch ein Mandat aus einstigen EBB-Tagen ausübt, sie alle ahnen, dass der Grat zwischen Polit-Programmatik und Phrasendrescherei schmal ist.

Und wissen auch, dass sie von vielen belächelt werden, nicht zuletzt, weil man mit „U.V.O.“ so schöne Scherze machen kann. Aber das tun sie auch selbst, reden davon, dass sie „das Beste aus allen politischen Welten suchen“ wollen – und sind überzeugt, unter einem einprägsamen Namen hohen Wiedererkennungswert zu erlangen.

Denn das Ziel ist klar: Bei der Kommunalwahl 2020 will die im Vereinsregister unter der Nummer 5689 offiziell registrierte U.V.O. -Formation im Stadtrat landen. Die eben erst eingeführte 2,5-Prozent-Hürde schreckt sie dabei nicht: „Wir müssen Kandidaten für jeden der 41 Kommunalwahlbezirke finden, wir müssen Unterschriften sammeln, eine Struktur aufbauen, Mitglieder gewinnen“, zählt Gutke auf. „Da sollen wir uns von der 2,5-Prozent-Hürde schrecken lassen?“

Zwei Dutzend Mitglieder zählt man derzeit, kein schlechter Anfang, aber auch nicht wirklich viel, zumal, da die Aktiven keine Rentner sind, sondern berufstätig, „mitten im Leben“, wie Kluft sagt: „Wir sind keine Spinner. Wir wissen, dass da viel Arbeit auf uns wartet.“

Zum Beispiel die, ein Programm auszuarbeiten. Das steht im Rohentwurf bereits, soll aber fortentwickelt werden: als „atmendes Gebilde“ – der gern gewählte Satz des Kämmerers über den Essener Etat hat es ihnen angetan.

„Wir haben aus den Fehlern des Essener Bürger Bündnisses gelernt“, sagen sie bei U.V.O. und prophezeien den Kollegen von einst absehbar Grabenkämpfe: „Das EBB wird mit sich genug zu tun haben.“ Und die eigene Zukunft? Auf allen Kanälen wollen sie loslegen, die Webseite www.uvo.ruhr, ist schon am Start, ein regelmäßiges Treffpunkt in Vorbereitung.

Vier Jahre Anlauf haben sie bis zur Kommunalwahl 2020. „Wenn wir da mit gut zwei Prozent scheitern, wäre das nur erneuter Ansporn für uns“, sagt Jachim Kluft. „Wenn wir bei 0,2 Prozent landen – okay, dann lassen wir’s besser.“

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