Gesundheit

U-Untersuchung Essen: Fast 5000 versäumte Kinderarzttermine

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Im gelben Kinder-Untersuchungsheft werden die Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt festgehalten.

Im gelben Kinder-Untersuchungsheft werden die Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt festgehalten.

Foto: Frank May / dpa

Essen.  2020 haben Essener Kinder fast 5000 Vorsorgetermine beim Kinderarzt versäumt. Die Stadt nennt mögliche Gründe und will Eltern wieder anschreiben.

Die Zahl der versäumten Vorsorgeuntersuchungen für Babys und Kleinkinder ist in Essen erheblich gestiegen: Lag sie lange Zeit bei etwa 2500 versäumten Terminen pro Jahr, hat sie sich zuletzt fast verdoppelt. Wie das Jugendamt mitteilt, haben im Jahr 2019 rund 4890 Familien die Frist für die Durchführung der Untersuchungen U5 bis U9 für Kinder von 6 Monaten bis etwa 5,5 Jahren versäumt. Im vergangenen Jahr waren es dann 4730 versäumte Untersuchungen.

Zugewanderte Familien in Essen kennen das Vorsorgesystem oft nicht

„Den Anstieg der versäumten Vorsorgeuntersuchungen nehmen wir auch in benachbarten Kommunen wahr“, erklärt dazu Jugendamtsleiter Carsten Bluhm. In Essen hänge dieser zum einen mit steigenden Geburtenzahlen zusammen, zum anderen wohl damit, „dass seit 2015/2016 auch viele Menschen hier leben, die kein gesundheitliches Vorsorgesystem für Kinder kennen und darüber aufgeklärt werden müssten“, erklärt die Stadt mit Blick auf die zahlreichen Flüchtlinge, die damals nach Essen kamen.

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Aktuell leben 35.638 Kinder von null Jahren bis zur Schulpflicht in Essen: Ihre Entwicklung halten die Kinderärzte bei den kostenlosen Vorsorgeterminen im Blick. Die Untersuchungen sind nicht zwingend vorgeschrieben, aus Gründen des Kinderschutzes melden die Praxen die versäumten Termine jedoch. Daraufhin hatte die Stadt die betroffenen Eltern bisher angeschrieben. Dieses Vorgehen wurde – wie berichtet – im Jahr 2020 eingestellt. Es habe keine Hinweise auf Kindeswohlgefährdungen geliefert, dafür aber eine hohe Zahl an Fehlmeldungen. „In der Regel haben ca. 70 Prozent der Angeschriebenen auf unsere Briefe reagiert – viele mit Unverständnis, weil die Untersuchung ja nicht verpflichtend ist oder weil es Gründe gab, warum die Untersuchung nicht im vorgesehenen Zeitfenster stattgefunden hat“, erklärte Jugendamtssprecherin Stefanie Kutschker dazu.

Erinnerungen überschnitten sich mit den Terminen

Auch bei den nun veröffentlichen Zahlen müsse man davon ausgehen, dass es sich nicht in jedem Fall um einen versäumten Termin handele. „Teilweise gibt es eine Verzögerung beim Versand.“ Oder es werde eine Erinnerung an die Eltern geschickt, dass sich das Zeitfenster für den U-Termin bald schließe; in der Zwischenzeit hätten diese aber einen Termin vereinbart. Neben solchen Überschneidungen gebe es medizinische, organisatorische und auch pandemiebedingte Gründe, die Termine nicht oder zu spät wahrzunehmen: So waren die starren Zeitfenster für einige der U-Termine zuletzt aufgehoben worden, um die Kinderarztpraxen in Corona-Zeiten zu entlasten.

Tatsächlich sehen die Essener Kinderärzte aktuell keine dramatischen Versäumnisse bei den Vorsorgeuntersuchungen. Sie hatten sich dagegen mehrfach besorgt über die Entwicklung von Vor- und Schulkindern geäußert, die wegen der Lockdowns unter Bewegungsmangel, motorischen Defiziten und Gewichtszunahmen litten.

Jugendamt Essen schreibt bald wieder Erinnerungen an die Familien

Jugendamtsleiter Carsten Bluhm appelliert nun an alle Familien, die Vorsorgetermine für die Kleinsten wahrzunehmen und verpasste Termine möglichst nachzuholen. „Kinderärztinnen und Kinderärzte sollten Fehlentwicklungen möglichst frühzeitig entgegenwirken können. Es werden die körperliche, geistige und soziale Entwicklung des Kindes untersucht.“ Im Fall der Fälle könnten die Ärzte den Eltern wichtige Tipps geben.

Bis Ende des Jahres will das Jugendamt die Erinnerungsschreiben an säumige Eltern wieder aufnehmen – in neuer Form: Künftig sollen die Familien mit dem Brief nicht nur an den verpassten Termin erinnert werden, sondern auch eine – möglichst mehrsprachige – Broschüre erhalten, die über den Nutzen der U-Untersuchungen aufklärt.

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