Trauer um Obdachlosen

Trauer um den Obdachlosen: Wo ist Jürgens Einkaufswagen?

Ende Juli konnten Passanten in der Innenstadt beobachten, wie ein Einkaufswagen, vermutlich mit den Habseligkeiten eines Obdachlosen, abgeschleppt wurde.

Ende Juli konnten Passanten in der Innenstadt beobachten, wie ein Einkaufswagen, vermutlich mit den Habseligkeiten eines Obdachlosen, abgeschleppt wurde.

Foto: KDF / Stephan Witte

Essen-Huttrop/Südostviertel.  Die Menschen in Huttrop trauern weiter um den Obdachlosen Jürgen: In der Innenstadt wurde ein Einkaufswagen voller Kleidung abgeschleppt.

Der Obdachlose, den Anwohner und Geschäftsleute in Huttrop und dem Südostviertel seit Jahren als „Jürgen“ kannten und um den sie nun trauern, beschäftigt die Menschen im Stadtteil weiter. Viele fragen sich, wo wohl die Habseligkeiten von Jürgen geblieben seien, die der Obdachlose immer in einem Einkaufswagen dabei hatte. Als jetzt Bilder von einem bepackten Einkaufswagen auf einem Abschleppwagen in der Nähe des Hauptbahnhofs auftauchten, gab es Spekulationen, ob es sich dabei wohl um Jürgens Einkaufswagen handeln könnte.

Eine Frage, die weder die Polizei, noch das Abschleppunternehmen beantworten. Lediglich seitens der Stadt gibt es eine allgemeinere Stellungnahme. Laut Stadtpresseamt beauftragt das Ordnungsamt die Bestattung von Obdachlosen, wenn keine Angehörigen ermittelt werden können oder sich diese weigern, die Bestattung durchführen zu lassen. „Das Ordnungsamt ist ausschließlich für die Bestattung des Verstorbenen zuständig, die Habseligkeiten werden nicht dem Ordnungsamt übergeben“, so Katharina Steffens vom Presseamt.

Den Menschen vor Ort ist der Obdachlose weiter in guter Erinnerung

Es sei denkbar, dass persönliche Gegenstände an Ort und Stelle verblieben, wenn ein Obdachloser zum Beispiel in einer hilflosen Lage gefunden werde. Möglicherweise würden die Sachen als illegal abgelegter Müll gemeldet und dann entsorgt. Was mit Habseligkeiten geschehe, die mit einem verstorbenen Obdachlosen in Verbindung gebracht werden können, könne die Stadt nicht beantworten.

In Huttrop trauern die Menschen noch immer um Jürgen. Immer wieder bleiben Passanten an der Gedenkstelle an der Ecke Steeler Straße/Herwarthstraße stehen. Einige fragen nach der Bedeutung der Blumen und Kerzen. Andere erinnern sich noch gut an Jürgen, der oft vor dem Ein-Euro-Shop saß und in der Gegend sehr bekannt war.

Steinmetz Michael Müller beispielsweise, der den Obdachlosen oft am Ostfriedhof und am Parkfriedhof getroffen hat, war ganz schockiert, als er von Jürgens Schicksal hörte. „Ich hätte gern Abschied genommen“, bedauert er. Der Jürgen, den er unter dem Namen Elvis kannte, sei ein feiner Kerl gewesen, so Müller. Er habe ihm immer mal fünf Euro zugesteckt. „Mal hat er sich eine Cola gekauft, Alkohol hat er ja nicht getrunken“, so der Steinmetz. Warum genau der Obdachlose Elvis genannt wurde, wisse er nicht. Aber man habe viel gemeinsam gelacht, auch noch vor rund drei Wochen, als man sich das letzte Mal getroffen habe und Elvis seine Mütze mal kurz gelüftet habe. Elvis habe offenbar damals schon eine ungute Vorahnung gehabt, erinnert sich Müller rückblickend an einige Bemerkungen.

Vielleicht taucht ja Jürgens Name in der nächsten Liste für den Gottesdienst für die Unbedachten auf, den die Stadt, die evangelische und die katholische Kirche in Essen einmal im Monat veranstalten. An jedem zweiten Dienstag im Monat wird der Verstorbenen, die von Amts wegen bestattet wurden, in einem ökumenischen Gottesdienst gedacht.

Das Ordnungsamt stellt die Liste für den Gottesdienst zusammen

Laut Presseamt wird die Namensliste für diesen Gottesdienst vom Ordnungsamt erstellt. Sie beinhalte ausschließlich die Namen derer, die durch das Ordnungsamt bestattet würden. Diese würden von verschiedenen Stellen – Krankenhäuser, Altenheime und Bestatter – gemeldet. „Sofern die Bestattung des kürzlich verstorbenen Obdachlosen in Huttrop durch das Ordnungsamt veranlasst wurde, wird auch sein Name dort genannt“, so Katharina Steffens. Ob eine mögliche Bestattung in diesem speziellen Fall durch das Ordnungsamt durchgeführt worden sei, könne ohne den vollständigen Namen nicht geprüft werden, so Katharina Steffens.

Unbeantwortet bleibt indes, was mit Jürgens Einkaufswagen geschehen ist.

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