Tradition und Moderne unterm Himmelsdach

Über Moschee-Bauten im Morgenland weiß Oylar Saguner viel zu erzählen. Wer dem Architekten und Erbauer der Merkez-Moschee dabei zuhörte, für den klang es zuweilen nach Geschichten aus 1000 und einer Nacht angesichts des gewaltigen Runds, das sich da über Monate auftat im Dach des ehemaligen Schuhlagers im Gewerbegebiet In der Hagenbeck. Nun ist der Deckel drauf. Aber was heißt schon Deckel? Die futuristisch anmutende Konstruktion erinnert von außen betrachtet an ein Raumschiff, das sich nach Altendorf verirrt hat.

Wer an der Außenwand die Wendeltreppe hinaufsteigt, die einmal zum Minarett werden soll, und hineinschlüpft in das aluminiumfarbene Etwas, der kommt aus dem Staunen nicht heraus. Spontan werden Kindheitserinnerungen wach: Sah es so nicht im Stock von Biene Maja aus? Aber diese Konstruktion aus Balken und Paneelen ist sehr real. Ganz zufällig war Oylar Saguner darauf gestoßen, bei einer Firma, die sich auf Abdeckungen für Öltanks spezialisiert hat, erzählt der Architekt und sorgt einmal mehr für Verwunderung. „Als sie hörten, was wir damit vor haben, winkten sie erst einmal ab“ - um sich dann doch an die Arbeit zu machen.

300 Teile ließ Saguner für die Zentrums-Moschee der Altendorfer Ditib-Gemeinde fertigen und nach dem Baukastensystem an Ort und Stelle montieren. Das Ergebnis entfaltet für Saguner auch symbolische Kraft: „Wir leben in NRW in einem Industrieland und sind stolz darauf.“ Die fast 13 Meter hohe Kuppel aus Aluminium stehe damit bildhaft für den Übergang ins 21. Jahrhundert. Historische Symbolik kommt dabei nicht zu kurz. Vier Fenster erinnern an die vier Kalifen. Praktisch: Im Falle eines Brandes öffnen sie sich automatisch, damit der Rauch abziehen kann.

Die Kuppel wird nun gegen Wind und Wetter provisorisch geschlossen. Dann geht es an den Innenausbau. Saguner schwebt auch dabei eine eher minimalistisch gehaltene Sprache vor, etwa Koranverse in arabischer, türkischer und deutscher Sprache an den Wänden. Frei nach dem Motto seines Lehrers an der Universität Ankara, Fritz Janeba, einem emigrierten deutschen Juden und Bauhausschüler: Don’t do to much - Mache nicht zu viel - hatte Janeba seinen Studenten mit auf den Weg gegeben. Oylar Saguner will diesen Leitspruch befolgen, wohl wissend, dass der Gemeinde etwas anderes vorschweben dürfte. „Moderne Moscheen vermitteln ein Rokokogefühl“, bedauert der Architekt auf den noch viel Arbeit wartet.

Im kommenden Jahr an Ramadan, hofft Saguner, wird die Gemeinde ihre Moschee feierlich eröffnen, so Allah will.

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