Gerichtsurteil

Tödlicher Unfall vor der Haustür: Motorradfahrer ohne Schuld

Das Amtsgericht Essen musste in einem tödlichen Motorrad-Unfall urteilen.

Das Amtsgericht Essen musste in einem tödlichen Motorrad-Unfall urteilen.

Foto: Uli Deck / dpa

Essen.  Ein 79-jähriger Mann wird in Essen von einem Motorradfahrer erfasst und stirbt kurze Zeit später. Jetzt gab es ein Gerichtsurteil.

Es waren nur noch ein paar Meter bis zur Haustür. Im November 2018 ist ein Rentner in Essen-Fischlaken von einem Motorradfahrer erfasst worden. Zwei Tage später war er tot. Hätte der Kradfahrer besser aufpassen müssen? Nein, sagt die Richterin. Ihr Urteil: Freispruch.

Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die sich am 13. November auf der Velberter Straße abgespielt haben. Es war schon dunkel, als der Rentner die Fahrbahn überquerte – offenbar ohne auf den Verkehr zu achten. Als er im Lichtkegel des Motorrads auftauchte, war es bereits zu spät. Er wurde erfasst und zu Boden geschleudert. Auch der Angeklagte stürzte und rutschte mit seiner 1000er-Kawasaki über die Fahrbahn. „Ich habe sofort voll gebremst“, sagte er der Richterin am Essener Amtsgericht. „Ich konnte nicht mehr ausweichen.“

Auf der Gegenfahrbahn hatte ein Autofahrer fast zeitgleich eine Vollbremsung hingelegt. Auch er hatte nicht gesehen, dass der Rentner mit einem Krückstock über die Fahrbahn lief, war aber gerade noch an ihm vorbeigekommen. „Der Mann war komplett unsichtbar“, sagte der Zeuge am Dienstag. „Er hatte einen langen dunklen Mantel an.“

Motorradfahrer war nicht zu schnell unterwegs

Zu schnell war der Motorradfahrer nicht. Das hat ein Dekra-Sachverständiger rekonstruiert. Er kommt auf Tempo 50. Was auch erlaubt war. Der Angeklagte war damals mit einem Freund unterwegs. Beide wollten nach Feierabend noch eine kleine Motorradtour machen. Die Strecke war ihnen bekannt.

Für den 79-jährigen Rentner gab es keine Rettung mehr. Er hatte durch den Aufprall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Eine Nachbarin hatte ihn zuvor mehrfach ermahnt, doch bitte die Ampel zu benutzen, um die Velberter Straße zu überqueren. Doch seine Gewohnheiten wollte der Rentner offenbar nicht aufgeben. „Er hat sich verhalten, wie ein alter gebrechlicher Mann, der unter Altersstarrsinn leidet“, so die 68-Jährige. Die Velberter Straße sei schließlich gefährlich. „Aber er konnte die Gefahr kognitiv gar nicht mehr erfassen.“

Auch Staatsanwaltschaft beantragt Freispruch

Ein Vorwurf konnte dem Angeklagten am Ende nicht gemacht werden. „Es ist ein tragischer Unfall“, so die Richterin. Damit müssten nun leider alle leben: die Hinterbliebenen und auch der Angeklagte. Der war nach dem Unfall übrigens drei Monate in psychologischer Behandlung. Auch die Staatsanwaltschaft hatte den Vorwurf der fahrlässigen Tötung am Ende fallengelassen und Freispruch beantragt. Die Anklägerin: „Man muss davon ausgehen, dass sich der Angeklagte – was das Bremsverhalten angeht – optimal verhalten hat.“

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