Lichtburg

Tim Bendzko verwandelt die Lichtburg Essen in ein Wohnzimmer

Tim Bendzko spielte am Montagabend in der Lichtburg Essen.

Tim Bendzko spielte am Montagabend in der Lichtburg Essen.

Foto: STEFAN AREND

Essen.   Der Sänger Tim Bendzko kam mit seinem Wohnzimmer-Konzert in die Essener Lichtburg und verzückte das Publikum mit Hits und Wohlfühl-Balladen.

Bekannt für ihre behagliche Atmosphäre war die Lichtburg schon immer. Doch Ohrwurm-Lieferant Tim Bendzko hatte es sich am Montagabend zur Aufgabe gemacht, das Wohlempfinden im Saal noch um einige Prozentpunkte zu erhöhen.

Buntes Licht, ruhige Melodien und ein Sänger, der sich beim ersten Lied nicht blicken lässt, erhöhen die Spannung im größtenteils weiblich besetzten Saal. Als der Berliner sich dann doch zu seinen Musikern auf die Bühne gesellt, ist die Freude merklich groß. Leise vernehmbare Jauchzer gehen durch das Publikum – es sollen nicht die einzigen des Abends bleiben.

Tim Bendzko macht die Lichtburg gemütlich

Im Rahmen der aktuellen und mittlerweile vierten Auflage seiner Wohnzimmer-Konzerte taucht der Sänger den Kinosaal in entspannte und stimmungsträchtige Klänge und lädt seine Besucher direkt dazu ein, sich ganz wie zu Hause zu fühlen: „Und nicht vergessen: Was im Wohnzimmer passiert, bleibt auch im Wohnzimmer.“

Über zwei Stunden lang trägt Bendzko seine Gäste durch jegliche von Menschen wahrnehmbare Emotion und scheut dabei auch nicht die Möglichkeit, sein Publikum ordentlich hinter das Licht zu führen.

Zwischen den Balladen wird es auch kurz politisch

Als der 33-Jährige ein Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne holt, um mit ihr zusammen seinen Song „Wenn Worte meine Sprache wären“ zu singen, entpuppt sich die so schüchtern wirkende Lena als wahres Gesangstalent, das dem Berliner kurzerhand die Show stiehlt. Doch einige Lieder später stellt sich heraus: Der Fan ist ein Profi und gehört zum musikalischen Ensemble hinter dem Chartstürmer. Auch wenn sich der Sinn des Ganzen nicht recht erschließen mag, ergänzt die Sängerin die musikalische Gesamtleistung. Besonders hervorzuheben ist die instrumentale Begleitung, Cello und Klavier zaubern eine besondere Atmosphäre.

Bendzko hangelt sich von Ballade zu Ballade, hinterfragt die eigenen Fehler, die Beziehungen zwischen Menschen und wird in einem kurzen Ausreißer sogar politisch. „Immer noch Mensch“ geht einher mit einem kleinen Monolog, in dem der Sänger die Kommunikation zwischen verhärteten Fronten fordert.

Stehende Ovationen und Ohrwurm-Garantie

Ansonsten bleibt es aber gewohnt kitschig, als der Sänger erneut einen weiblichen Publikumsgast (dieses Mal wirklich) auf die Bühne holt und diesem nicht nur einen Sekt reicht, sondern auch noch ein Stück für die Dame zum Besten gibt. Spätestens bei einem Hit-Medley aus den letzten 20 Jahren hält es nur noch wenige Besucher still in ihren Kinosesseln. Eine voll besetzte Lichtburg übt sich im beschwingten Sitztanz, während der Sänger sich zu seinen eigenen Erfolgen durchtänzelt. Stehende Ovationen und eine Lichtburg im Pop-Rausch folgen gegen Ende bei „Nur noch kurz die Welt retten“, einem Lied, das noch lange Zeit sein Unwesen in den anwesenden Gehörgängen treiben dürfte.

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