Mobile Naturheilpraxis

Therapeuten helfen Bedürftigen in Essener Kirche St. Gertrud

Therapeutin Henriette Huth behandelt Waldemar Mauritz.

Therapeutin Henriette Huth behandelt Waldemar Mauritz.

Foto: Stefan Arend

Nordviertel.   „Naturheilpraxis ohne Grenzen“: Therapeuten behandeln bedürftige Menschen, die sonst nicht ihre Praxis kommen würden, in der Kirche St. Gertrud.

Waldemar Mauritz hat seit Wochen Schulterschmerzen, kann seinen Arm kaum mehr benutzen. Eigentlich stand schon die Operation im Raum. Doch dann erfuhr der gebürtige Pole, der sich mittwochs regelmäßig an der St.-Gertrud-Kirche am Viehofer Platz seine warme Suppe abholt, von der neuen mobilen Naturheilpraxis im Gemeindesaal des katholischen Gotteshauses. Dort bieten seit ein paar Wochen Heilpraktiker, Osteopathen und psychologische Berater bedürftigen Menschen kostenlos ihre Dienste an. Unter ihnen der Osteopath Frank Molnar, „der hat mir schon mit drei Behandlungen wunderbar geholfen“, sagt Waldemar Mauritz und hebt zum Beweis seinen rechten Arm in die Höhe.

Der 64-Jährige ist einer von insgesamt 25 Patienten, die sich am Mittwochabend zur ganzheitlichen Sprechstunde einfinden. Klappbare Behandlungsliegen, eine langer Tisch voller Medikamente, dazwischen blickdichte Paravents für die Privatsphäre und vier engagierte Therapeuten – viel mehr braucht die Naturheilpraxis ohne Grenzen, so der offizielle Vereinsname, erst einmal nicht, um zu funktionieren.

„Das ist ein großer Vertrauensbeweis“

„Wir sind wirklich überrascht und gleichzeitig froh, dass unsere Hilfe so gut angenommen wird. Das ist ein großer Vertrauensbeweis“, sagt die Initiatorin Heike Goebel. Der Ingenieurin ist es ein großes Anliegen, Menschen in Not zu helfen. Ihr Initialerlebnis hatte sie vor acht Jahren bei einem Praktikum beim Essener Arztmobil, das sich vor allen Dingen um Obdachlose kümmert. „Das hat mich so berührt, dass ich unbedingt ehrenamtlich weitermachen wollte.“

Doch dafür benötigte die Essenerin eine medizinische Ausbildung, „und ich habe mich entschlossen, neben meiner Arbeit die Heilpraktikerschule zu besuchen.“ Danach fuhr die 46-Jährige vier Jahre ehrenamtlich im Wuppertaler Arztmobil mit. Dabei kam ihr die Idee, ihre naturheilkundlichen Fähigkeiten für hilfsbedürftige Menschen einzusetzen.

Heike Goebel gründete gemeinnützigen Verein

„Ich habe dann diesen Plan innerhalb kurzer Zeit umgesetzt.“ Das heißt: Heike Goebel gründete einen gemeinnützigen Verein, fand in Günter Wallraff und der Köchin Sarah Wiener ihre ersten prominenten Unterstützer und scharte eine Gruppe von zehn handfesten Therapeuten um sich, die allesamt ehrenamtlich mitmachen. „Ich brauche keine esoterischen Handaufleger, sondern Menschen, die ihre Grenzen kennen und keine Berührungsängste haben.“ Schließlich sei die Klientel etwas anders als in der privaten Heilpraktikerpraxis.

Ausgestattet mit allen nötigen Genehmigungen vom Gesundheitsamt und der Bezirksregierung war es dann bis zur ersten Sprechstunde in der St.-Gertrud-Kirche vor acht Wochen nur noch ein kleiner Schritt, der aber entscheidend ist: „Dass wir diese Räume kostenlos nutzen dürfen, ist ein großes Glück für uns. Denn zeitgleich steht die Obdachlosenhilfe Fairteiler vor der Kirche und teilt warmes Essen aus.“ Und die Fairteiler machen auf die ganzheitliche Praxis in der Kirche aufmerksam.

Auch Gespräche helfen weiter

Einer, der das Angebot annahm, ist der 66-jährige Hans. „Mir taten schon länger die Beine ziemlich weh“, erzählt der wohnungslose Rentner. Er kam gerade noch zur rechten Zeit in die Praxis. „Hans hatte offene Beinwunden, die infiziert waren. Wir haben ihn sofort ins Krankenhaus geschickt.“ Denn das Team überschätzt seine Fähigkeiten nicht, sondern versteht sich als Ergänzung zur Schulmedizin. Die Behandlungsschwerpunkte liegen eindeutig bei der Schmerztherapie. Aber auch die psychologische Beratung wird von erstaunlich vielen Patienten angenommen. „Sie sind einfach dankbar, wenn sie sich mal ihre Sorgen und Ängste von der Seele sprechen können. Auch das lindert so manchen Schmerz.“

>>> Sponsoren und Mitstreiter willkommen

Der Verein „Naturheilpraxis ohne Grenzen“ ist jeden Mittwoch von 18 bis 20 Uhr in dem oberen Saal der St.-Gertrud-Kirche am Viehofer Platz.

Er sucht nicht nur weitere Mitstreiter mit heilkundlicher Ausbildung, sondern auch weitere Vereinsmitglieder, Sponsoren und Spender. Weitere Infos unter www.naturheilpraxis-ohne-grenzen.de

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