Kinderaktion

Teddy-Krankenhaus in Essen soll Kindern die Angst nehmen

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Teddy-Krankenhaus in Essen soll Kindern die Angst nehmen

Teddy-Krankenhaus in Essen soll Kindern die Angst nehmen

Rund 1.000 Vorschulkinder wollen ihre Kuscheltiere im Teddy-Krankenhaus in Essen behandeln lassen. Die Veranstaltung gibt es seit 15 Jahren.

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Essen-Huttrop.  Rund 1000 Vorschulkinder wollen ihre Kuscheltiere im Teddy-Krankenhaus in Essen behandeln lassen. Was hinter der Aktion steckt.

  • Seit 15 Jahren gibt es alle zwei Jahre das Teddy-Krankenhaus in Essen.
  • Wegen Corona fand die letzte Veranstaltung 2018 statt.
  • Jetzt können Kinder wieder ihre Stofftiere vorbeibringen und dabei viel lernen.

Nach vier Jahren coronabedingter Pause ist das Teddy-Krankenhaus am Elisabeth-Krankenhaus in Essen-Huttrop wieder geöffnet. Noch bis Donnerstag, 2. Juni, werden rund 1000 Vorschulkinder aus 60 Kindertagesstätten erwartet, die ihre Kuscheltiere verarzten lassen wollen. Was lustig klingt, hat einen ernsten Hintergrund.

Der Stoffhund mit Kopfverband, das Plüschschaf mit Gipsfuß, der Kuscheligel mit dickem Pflaster, die Schaumstoffkatze am Tropf: Auf dem Gelände am Elisabeth-Krankenhaus sind drei Tage lang reichlich lädierte Schmusefreunde unterwegs, begleitet von ihren jungen Besitzern, oft fürsorglich in den Arm genommen. Sind Kuscheltier oder Puppe verletzt, sind die meisten Kinder tapfer. Doch viele von ihnen bekommen Panik, wenn sie selbst oder ein Familienmitglied ins Krankenhaus müssen.

Besuch im Teddy-Krankenhaus in Essen soll Kinder auf den Ernstfall vorbereiten

„Es gibt die sogenannte Weißkittel-Angst, also die Angst vor Ärzten oder dem Krankenhaus generell. Der wollen wir hier entgegenwirken. Die Kinder sollen hier positive Erfahrungen machen und lernen, dass ihnen geholfen wird“, sagt Mikail Bahar (25), der gerade sein Medizinstudium abgeschlossen hat und zwischenzeitlich schon Erfahrungen in der Kinder- und Jugendmedizin gesammelt hat.

Das Teddy-Krankenhaus, das regulär alle zwei Jahre stattfindet, sei ein wichtiges Projekt, um Kindern die Angst zu nehmen, indem man sie die kompletten Abläufe mit ihren „kranken“ Kuscheltieren erleben lasse – ohne persönlich betroffen zu sein oder gar selbst Schmerzen zu haben. Das Teddy-Krankenhaus, das jetzt zum siebten Mal seine Türen öffnete, ist eine Kooperationsveranstaltung der AOK Rheinland/Hamburg, des Deutschen Roten Kreuzes, des Elisabeth-Krankenhauses sowie der Fachschaft Medizin der Universität Duisburg-Essen.

Für die Fünf- bis Sechsjährigen, die meist mit ihrer Kindergarten-Gruppe samt Betreuerinnen oder zur „offenen Sprechstunde“ mit den Eltern kommen, ist der Besuch im Teddy-Krankenhaus dennoch aufregend, sie sind ein bisschen aufgeregt, leiden mit ihren Kuscheltieren mit. „Kinder sind sehr gut in der Lage, Empathie für Dinge zu empfinden“, so Mikail Bahar. Rund 75 Medizinstudenten, Auszubildende in Pflegeberufen und Ehrenamtliche des Jugendrotkreuzes kümmern sich um die Kinder und ihre Lieblinge.

Kita-Mitarbeiterinnen erwarten viele Fragen in den nächsten Tagen

Die 13 Mädchen und Jungen der Kita Vogelweide in Freisenbruch werden von Kita-Leiterin Beata Hoffmann und Erzieherin Madeleine van Bee begleitet. Sie haben den Krankenhaus-Besuch mit den Kindern vorbereitet und finden es gut, dass ihre Schützlinge lernen, der ungewohnten Situation und dem „Riesenapparat Krankenhaus“ mit Ruhe und Gelassenheit zu begegnen. In den kommenden Tagen wird sie das Thema weiter begleiten. „Das wird die Kinder beschäftigen, sie kommen dann von ganz allein mit ihren Fragen“, sagt Beata Hoffmann.

Die kleine Mona ist mit Plüschhund Lassie gekommen, der an allen vier Pfoten Knieprobleme hat. Dr. Teddy untersucht das flauschige Tier, das erst einmal geröntgt wird. Alle Details aus Untersuchung und Befragung werden in einen liebevoll gestalteten Anamnesebogen, genannt Kuscheltier-Akte, eingetragen. „Die Krankheiten und Verletzungen, unter denen die Kuscheltiere leiden, haben die Kinder vorher im Kindergarten abgesprochen, damit nicht alle ein gebrochenes Bein haben. Das wäre langweilig“, erklärt Carolina Estevez Gonzalez von der Krankenkasse AOK. Sogar Gesundheitskarten hat das Team ausgedruckt, damit alles möglichst realitätsnah abläuft.

In Zelten sind die einzelnen Stationen untergebracht: Anmeldung, Wartezimmer, Behandlungs- und Röntgenzimmer mit bunt bezogenen Feldbetten, OP-Saal und Apotheke. Auch einen – echten – Rettungswagen können die Kinder besichtigen. „Die Veranstaltung wurde vor rund 15 Jahren ins Leben gerufen, damit die Kinder den medizinischen Alltag entspannt kennenlernen können“, erklärt Oliver Hartmann, Regionaldirektor Ruhrgebiet der AOK. „Dass die Kinder dabei verschiedene Berufsbilder im medizischen Bereich kennenlernen und sich vielleicht irgendwann dafür begeistern, ist natürlich eine gute Sache angesichts des Fachkräftemangels in diesen Berufen.“

Viele Kuscheltiere werden mit Bonbons therapiert

„Manchmal kommen Kinder mit Kuscheltieren oder Puppen vorbei, bei denen tatsächlich etwas kaputt ist. Früher haben wir das reparieren können, doch die Damen, die das erledigt haben, sind nicht mehr im Einsatz“, bedauert Krankenhaus-Sprecherin Dorothee Renzel.

Erleichtert sind die Kinder, deren Kuscheltier gar nicht so schlimm krank ist und unkompliziert mit Tabletten – eigentlich zuckerfreie Bonbons – therapiert werden kann. Andere trifft es härter: Ihre Lieblinge müssen operiert werden. Aber auch für sie gibt es natürlich ein Happy End.

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