Einzelhandel

Taschenkontrollen in Essener Rewe-Markt sorgen für Empörung

Der Rewe-Markt an der Frintroper Straße wurde im Januar diesen Jahres eröffnet. Nun gab es Ärger wegen Taschenkontrollen.

Der Rewe-Markt an der Frintroper Straße wurde im Januar diesen Jahres eröffnet. Nun gab es Ärger wegen Taschenkontrollen.

Foto: Klaus Micke

Essen.   Bei Rewe in Essen-Frintrop mussten Kunden nach Aufforderung ihre Taschen öffnen - zum Schutz gegen Ladendiebe. Nun gibt es eine Entschuldigung.

Aufregung im Rewe-Markt in Frintrop: Offenbar um sich vor Ladendieben zu schützen, wurde das Kassenpersonal von der Marktleitung angewiesen, private Taschen der Kunden zu kontrollieren. Die Anweisung wurde zwar nach kurzer Zeit wieder zurückgenommen, im sozialen Netzwerk Facebook äußerten Frintroper Bürger gleichwohl ihre Empörung. „Ich kenne schon einige, denen das widerfahren ist. Mir selbst auch, und ich war entsetzt“, steht dort zu lesen. Eine andere Kundin schreibt: „Also ich muss sagen, mir ist das noch nicht passiert. Ich würde mir das auch nicht gefallen lassen. Davon abgesehen, die Mitarbeiter sind nett.“

Marktleiter Ralph Stahmer räumte im Gespräch mit der Redaktion ein, dass es Taschenkontrollen in seinem Markt gegeben habe. Über welchen Zeitraum, sagte der Kaufmann nicht. Laut Stahmer gab es Probleme mit Ladendiebstählen. Mittlerweile sehe ein Detektiv nach dem Rechten. Weiter mochte sich der Marktleiter nicht äußern. Mitarbeiter verwiesen auf Nachfrage an die Pressestelle von Rewe Dortmund.

Kontrollen verstoßen gegen die internen Vorgaben von Rewe

Diese ließ wissen, dass Kassenkräfte den internen Vorgaben zufolge Kunden nicht bitten dürften, ihnen einen Blick in verschlossene Taschen, Rucksäcke, Trolleys oder ähnliches zu gewähren. Ein solches Verhalten wäre ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Kunden. Leider sei dies aber offensichtlich in dem Frintroper Markt passiert, „wofür wir uns bei den betroffenen Kunden ausdrücklich entschuldigen möchten“, so ein Sprecher.

Rewe weist daraufhin, dass es seit der Abschaffung von Plastiktragetaschen in den Märkten ausdrücklich erwünscht sei, dass Kunden eigene Einkaufsbehältnisse mitbringen. Dies setze aber voraus, dass kein Kunde per se als potenzieller Ladendieb betrachtet werden dürfe. In der Hektik des Einkaufens komme es vor, dass Produkte im Einkaufswagen unter Taschen und Körbe rutschen. Dem Kassenpersonal sei es deshalb erlaubt, die Kunden aufzufordern, diese anzuheben.

Taschen im Einkaufswagen anheben – das ist auch in anderen Supermärkten gängige Praxis

Auch in anderen Supermärkten ist dies gängige Praxis. Darüberhinaus komme es vor, dass Kunden Waren in ihren Taschen mitbringen, die sie in anderen Märkten gekauft haben. Diese könnten den Mitarbeitern vor dem Einkauf bei Rewe gezeigt werden. Auch bestehe die Möglichkeit, Taschen an den Kassen oder im Büro des Marktleiters abzugeben. Zum Umfang von Ladendiebstählen wollte sich Rewe Dortmund nicht äußern.

Nach Auskunft des Einzelhandelsverbandes hat es Taschenkontrollen bislang allenfalls in wenigen Einzelfällen gegeben. Aus gutem Grund. Im Oktober vergangenen Jahres berichtete diese Zeitung über einen Fall in einem Real-Markt, wo eine Kundin sich zu Recht geweigert hatte, ihren Rucksack zu öffnen.

Die Verbraucherzentrale weist daraufhin, dass Taschenkontrollen ohne konkreten Verdacht unzulässig sind.

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