Ausstellung

„Summer of Love“ im Museum: Die Blumenkinder bekennen Farbe

Die Sammler Gisela Theising und Lutz Hieber vor einer Reihe von Plakaten in der Ausstellung „San Francisco 1967, Plakate im Summer of Love“ . Foto:Kerstin Kokoska

Die Sammler Gisela Theising und Lutz Hieber vor einer Reihe von Plakaten in der Ausstellung „San Francisco 1967, Plakate im Summer of Love“ . Foto:Kerstin Kokoska

Essen.   50 Jahre Summer of Love: Das Museum Folkwang widmet den Plakaten der Hippie-Bewegung die bislang größte Ausstellung in Europa.

Gisela Theising und Lutz Hieber sind keine aus der Zeit gefallenen Blumenkinder. Und trotzdem kennzeichnet ihre Sammlung eine Zeit, in der Love, Peace und Revolution nicht nur das Lebensgefühl vieler Menschen bestimmten, sondern auch zahlreiche Künstler zu farbenfrohen, sinnlichen und expressiven Arbeiten inspirierten. Mit der Ausstellung „San Francisco 1967 – Plakate im Summer of Love“ macht das Deutsche Plakatmuseum im Museum Folkwang die Zeit wieder lebendig und zeigt mit den Exponaten des Hannoveraner Sammler-Paares die europaweit bislang größte Plakatausstellung zum Thema überhaupt.

Begonnen hat die Sammelleidenschaft von Gisela Theising und Lutz Hieber Ende der 1980er Jahre in New York. Dort trafen die beiden Soziologen in den Ausstellungshäusern der Stadt Künstler, die sich neben der zeitgenössischen amerikanischen Kunst erkennbar auch von der Form- und Farbgebung der europäischen Avantgarde hatten leiten lassen. In bis dato völlig neuer Form wurden so Elemente des Jugendstils und der Wiener Sezession unbekümmert mit Anti-Vietnamkrieg-Protest und der Debatte um Marihuana-Freigabe verquickt.

„Die Nazi-Diktatur hat den Baum geschüttelt, die Früchte fielen in die USA“, erklärt Hieber die kreative Entwicklung dieser Zeit. Zusammen mit Gisela Theising hat er inzwischen weit mehr als 1000 Exponate zusammengetragen – Plakate, aber auch Fotografien, Schallplattencover und Konzertkarten. Rund 250 dieser psychedelischen Plakate sind nun in Essen zu sehen. Da bringt Victor Moscoso den Pfau als Lieblingstier der Jugendstilkünstler für einen Auftritt der Steve Miller Blues Band aufs Papier während Bob Schnepf der Band „Velvet Underground“ mit einer farbenprächtigen Bauchtanz-Figur zum Auftritt verhilft.

In acht Kapiteln behandelt die Ausstellungen Kernthemen der Zeit, zeigt nicht nur Konzertplakate, die in ihrer verspielten Formensprache und überbordenden Informationsfülle zur sinnlichen Herausforderungen werden und manchmal kaum noch unterscheiden lassen zwischen Ornament und Schriftzug. Gleichwohl sind viele Arbeiten weit mehr als farbenprächtige Illustrationen. Gisela Theising begeistert vor allem, wie „Ästhetik, Politik und Musik miteinander verbunden wurden“.

So finden sich in der Ausstellung auch viele Hinweise auf das soziale und politische Engagement der Hippie-Bewegung, die sich mit Benefiz-Aktionen um die medizinische Unterversorgung im Land kümmert oder die Stärkung der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung vorantreibt. Als Woodstock 1969 zum Inbegriff der Hippie-Kultur wird, ist der neue, unkonventionelle Stil aber bereits wieder auf dem Rückzug. Das Festival-Plakat wird schon ganz offiziell als Agentur-Auftrag vergeben.

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