Schulabriss

Wehmut zum Schulabriss in Essen-Haarzopf: Uhr als Andenken

Die Uhr ist gerettet: Philipp Rosenau (l.) und Wolfgang Krämer vom Bürgerverein Essen-Haarzopf/Fulerum zeigen das Andenken. Im Hintergrund sind die Abrissbagger am Werk.

Die Uhr ist gerettet: Philipp Rosenau (l.) und Wolfgang Krämer vom Bürgerverein Essen-Haarzopf/Fulerum zeigen das Andenken. Im Hintergrund sind die Abrissbagger am Werk.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen-Haarzopf.  Der Abriss der alten Schule in Essen-Haarzopf geht voran. Der Bürgerverein rettete jetzt die Uhr – die weitere Verwendung ist noch unklar.

Der Abriss der Gebäude der alten Schule an der Hatzper Straße ist in vollem Gange. Jetzt haben Mitglieder des Bürgervereins Essen-Haarzopf-Fulerum die Uhr gerettet, die noch an dem markanten Gebäude mit den farbigen Quadraten hing. Auf dem Gelände plant die Stadt eine Dependance der Haarzopfer Grundschule und eine Kita.

Bürgerverein Essen-Haarzopf sichert sich mit der Uhr ein Andenken

„Als der Abriss der Schulgebäude jetzt begonnen hat, ist uns klar geworden, dass wir später gar kein Andenken an die Schule haben werden. Das ist natürlich schade, da die Schule ja über viele Jahre ein wichtiger Punkt im Stadtteil war“, sagt Philipp Rosenau vom Bürgerverein. So sei man darauf gekommen, die Uhr zu retten, bevor das alte Schulgebäude in den kommenden Tagen fallen werde.

Der Bürgerverein habe sich daraufhin mit der städtischen Immobilienwirtschaft in Verbindung gesetzt. Da der Abriss dann recht kurzfristig erfolgen sollte, habe noch einmal ein Gespräch mit dem Bauleiter stattgefunden. Der habe das Okay gegeben, dass die Uhr von Mitgliedern des Bürgervereins abmontiert werden könne, sonst würde sie sowieso mit abgerissen, so Rosenau. Ein Malerunternehmen half mit einem Gerüst aus, so dass die Helfer an die Uhr herankommen konnten.

Laut Wolfgang Krämer vom Bürgerverein werde die Uhr jetzt erst einmal in der Garage gelagert. „Dann ist zu überlegen, ob sie später an dem neuen Schulgebäude angebracht werden kann“, so Wolfgang Krämer. „Vielleicht kann sie auch an der Kreuzung Erbach angebracht werden, dort vermissen viele Bürger eine Uhr. Das müsste man mit der Verwaltung abklären“, ergänzt Philipp Rosenau.

Unauffällige Uhr hing am Hauptgebäude

Über die Uhr selbst, die recht unauffällig zwischen den farbigen Quadraten hin, ist offenbar wenig bekannt. Selbst der in Haarzopf geborene und aufgewachsene Heimatforscher Herbert Schmitz hat keine näheren Informationen über die Uhr – und auch keine persönlichen Erinnerungen: „Ich bin evangelisch und deshalb zur Schule an der Raadter Straße, nicht an der Hatzper Straße gegangen.“

Überhaupt habe man der katholischen Schule an der Hatzper Straße immer deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt als der früheren evangelischen Grundschule an der Raadter Straße, wo sich heute die Grundschule Haarzopf befindet. Die alte evangelische Schule habe schließlich seit 1667 bestanden und damit zu den ältesten Schule in Essen gehört, so der Heimatforscher.

Die Grundschule an der Hatzper Straße, die 2012 ihr 110-jähriges Bestehen gefeiert hatte, war 2014 aufgegeben worden, als die neue Grundschule an der Raadter Straße eröffnet wurde. Anschließend wohnten in den Gebäuden an der Hatzper Straße Asylbewerber. Seit Jahren stehen die Gebäude, die jetzt abgerissen werden, leer.

Anfang des 20. Jahrhunderts brauchte Haarzopf eine katholische Schule

Der Bau der Schule an der Hatzper Straße war zu Beginn des 20. Jahrhunderts notwendig geworden, weil damals zahlreiche Bergleute, Industriearbeiter, Tagelöhner und Handwerker in Haarzopf zuzogen und es so auch etliche katholische Kinder im Stadtteil gab. Die meisten davon, so Heimatforscher Herbert Schmitz, hätten damals die Schule in Bredeney besucht – bis sie diese verlassen mussten, weil sie überfüllt war.

Übergangsweise seien die Kinder damals in den Räumen einer Schreinerei in Fulerum unterrichtet worden. Die Bürgermeisterei Heißen, der Haarzopf bis 1910 zugeordnet war, stimmte schließlich dem Bau einer katholischen Schule in Haarzopf zu, die 1902 in Betrieb genommen wurde. Erweiterungsbauten folgten 1951 und 1956, den Namen Hatzperschule erhielt die Einrichtung 1961. Ihre über 100-jährige Geschichte endet jetzt mit dem Abriss.

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