Jugendarbeit

Warum Offener Ganztag vielen Fußballvereine Sorgen bereitet

Nachwuchsarbeit auf dem Kunstrasenplatz an der Pelmanstraße: Michele Danninga trainiert die F-Jugend.

Nachwuchsarbeit auf dem Kunstrasenplatz an der Pelmanstraße: Michele Danninga trainiert die F-Jugend.

Foto: Jörg Schimmel

Essen-Holsterhausen.   Die Nachwuchsarbeit der Fußballvereine wird durch den Offenen Ganztag erschwert. Probleme bereiten die späteren Trainingszeiten, die sich auch auf das Seniorentraining auswirken. TuS Essen-West und TuS Holsterhausen setzen auf den Wohlfühlfaktor.

Der Offene Ganztag und die damit verbundenen langen Schulzeiten stellen Fußballvereine vor erhebliche Probleme. Viele Kinder und Jugendliche kommen erst am späten Nachmittag müde nach Hause. „Natürlich wäre Sport da ein wunderbarer Ausgleich, aber das ist auch ein zeitliches Problem“, sagt Marcus Brandenbusch, Jugendleiter bei TuS Essen-West 81.

Der Klub von der Keplerstraße hat ebenso wie DJK TuS Holsterhausen an der Pelmanstraße Maßnahmen gegen den Mitgliederschwund im Jugendbereich ergriffen. Offenbar rechtzeitig, denn die Zahl der Mannschaften kann sich bei beiden Vereinen durchaus sehen lassen. Bei TuS 81 sind neun Jugendteams am Start, bei TuS Holsterhausen sogar elf.

Eltern fahren Kinder zum Training

„Zum Glück haben beide Vereine relativ zeitgleich einen Kunstrasenplatz bekommen, der Vereine für Kinder und Jugendliche attraktiver macht. So haben wir uns gegenseitig keine große Konkurrenz gemacht“, erklärt Martin Langenbach, zweiter Jugendgeschäftsführer von TuS Holsterhausen. Da die meisten Kinder heute von den Eltern zum Fußballplatz gefahren würden, sei vielen die Strecke egal - wenn es nur einen Kunstrasenplatz gebe.

Ein zentrales Problem bleibe die Zeit. Während man früher um 15 Uhr mit dem Nachwuchstraining beginnen konnte, sei das heute kaum vor 16.30 Uhr möglich. Damit verschiebe sich auch das Training der Seniorenmannschaften immer weiter in den Abend - und bisher sei um 20.45 Uhr Schluss, um mit Flutlicht und Lärm nicht die Anwohner zu belästigen. Das gilt besonders für TuS 81 im besonders dicht besiedelten Teil Holsterhausens an der Grenze zu Frohnhausen. Die Anlage von TuS Holsterhausen liegt zwischen Haumannwiese und Grugapark an der Grenze zu Rüttenscheid und hat deshalb nicht ganz so viele Nachbarn.

Für Martin Langenbach von TuS Holsterhausen ist der Wohlfühlfaktor entscheidend: „Die Kinder müssen ein gutes Gefühl haben, und das zu erreichen ist für Vereine mit eigener Anlage leichter als für die, die sich beispielsweise eine Bezirkssportanlage teilen.“ Wichtig seien auch Hallenzeiten, um gerade mit den Kleinsten im Winter drinnen trainieren zu können. Und: Man müsse die Eltern einbinden. „Oft sind die Väter sowieso gleichzeitig Trainer oder Betreuer der Jugendteams.“ Ohne die „Fahrdienste“ der Eltern funktioniere der Spielbetrieb nicht. Die Ausrichtung von Turnieren bedeute zwar viel Arbeit, sei aber am Ende ein tolles Erlebnis für alle Beteiligten, das zusammenschweiße.

Vereine überlegen in den Ferien eine Fußballschule anzubieten

Die Verantwortlichen von TuS Essen-West 81 und TuS Holsterhausen sind davon überzeugt, dass Fußball trotz aller Konkurrenz durch andere Sportarten, durch Computer und Smartphone, auch in Zukunft noch ganz weit oben in der Gunst der Kinder rangieren wird. Bei TuS 81 gibt es bereits Überlegungen, in den Ferien eine Fußballschule anzubieten. Marcus Brandenbusch: „Da nimmt man den Eltern zeitweise das Betreuungsproblem ab, und die Kinder können den Verein einmal unverbindlich kennenlernen.“ Allerdings wolle man das Ganze kostengünstiger als die professionellen Fußballschulen anbieten, müsse also wohl wieder auf Vereinsmitglieder als Trainer zurückgreifen.

Auf gute Resonanz seien die Besuche des DFB-Mobils gestoßen, bei denen die Fußballkinder neue Trainingsmethoden kennenlernen konnten. Bei TuS Holsterhausen setzt man zudem auf ein verbessertes Freizeitangebot jenseits des Sports. In einem sind sich die Vereinsvertreter einig: Ohne ehrenamtliches Engagement läuft in Sachen Jugendarbeit nichts.

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