Runder Tisch Bergerhausen

Runder Tisch: Helfer für Flüchtlinge in Bergerhausen gesucht

Die Helfer Frank Dörner (l.), Karin Weiß (Mitte) und Olaf Kudling (r.) mit einigen kleinen Bewohnern des Hauses an der Klinkestraße.

Foto: Socrates Tassos

Die Helfer Frank Dörner (l.), Karin Weiß (Mitte) und Olaf Kudling (r.) mit einigen kleinen Bewohnern des Hauses an der Klinkestraße. Foto: Socrates Tassos

Essen-Bergerhausen.   Rund 70 Aktive kümmern sich um die Flüchtlinge in der Unterkunft Klinkestraße. Sie sehen Erfolge, doch die Arbeit kostet viel Zeit und Kraft.

Luiza und Nesreen wissen jetzt, wie ein American-Football-Spiel abläuft, seit sie beim ersten Saison-Spiel der Assindia Cardinals waren. Medisa, Diana und Ismeta kennen den Grugapark, Suhib und Farhan waren beim Konzert der Philharmoniker. Die Ausflüge, die die Ehrenamtlichen vom Runden Tisch Bergerhausen organisieren, stoßen im Übergangswohnheim an der Klinkestraße auf großes Interesse. Um sie weiter anbieten zu können, sucht der Kreis neue Mitglieder.

Rund 70 Aktive engagieren sich für die Flüchtlinge, die in der ehemaligen Kraftwerkerschule wohnen. Die Helfer geben Deutschunterricht, begleiten bei den Hausaufgaben und unterstützen bei der Wohnungssuche. Und doch sind es immer noch zu wenige Ehrenamtliche, um alle Menschen im Haus zu erreichen, denn das Gebäude, das von European Homecare (EHC) betrieben wird, ist mit knapp 400 Personen fast voll belegt.

Ehrenamtliche bauen Vertrauensverhältnis auf

„Beim Treffen am Donnerstag wollen wir verstärkt um neue Ehrenamtliche werben“, sagt Olaf Kudling vom Organisationsteam. „Unsere Arbeit soll nachhaltig sein, wir wollen zur Integration beitragen. In unseren Arbeitskreisen entstehen intensive Kontakte, Vertrauensverhältnisse werden aufgebaut. Die Bewohner kommen dann auch mit ihren Problemen auf uns zu, etwa bei der Elternberatung.“

Viele Menschen im Haus warten schon lange auf einen Brief vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Oder auf einen Integrationskurs. Sie suchen einen Facharzt, der ihre Rückenschmerzen kuriert, einen Anwalt, der ihnen hilft, oder einen Fußballverein für ihre Kinder. „Was ich so beeindruckend finde, ist unser Netzwerk“, so Kudling. „Farah, eine 17-jährige Syrerin, wollte zum Beispiel Gitarre spielen. Jetzt bekommt sie kostenlosen Unterricht. Dafür mussten wir uns nur im Bekanntenkreis umhören.“ Auch der Deutschunterricht im Haus trägt Früchte. Mehrere Bewohner haben ihre erste Deutsch-Prüfung bestanden. Darüber freuen sich die Ehrenamtler, die täglich mehrere Kurse anbieten.

Frauen kommen oft ins Erzählcafé

Andere wiederum betreuen die Kinder bei den Hausaufgaben. „Die meisten Eltern können ihren Kindern dabei nicht helfen“, sagt Silvia Schneider vom Arbeitskreis Hausaufgabenbetreuung. „Die Kinder haben es ohnehin schwer, denn sie müssen ja nicht nur den Stoff, sondern auch noch Deutsch lernen.“ Der ETB Schwarz-Weiß hat sich bereit erklärt, einige Jungen in seine Jugendmannschaften aufzunehmen.

Während die Frauen die Angebote des Erzählcafés rege nutzen, sind die Männer im Übergangswohnheim schwerer zu aktivieren. „Viele haben keine Struktur in ihrem Alltag, sie warten auf ihre Asyl-Anerkennung, dürfen nicht arbeiten, das alles macht sie sehr passiv“, so Kudling. In der Männergruppe wollen die Ehrenamtlichen nun eine Fragebogen-Aktion starten, um mehr über die berufliche Ausbildung einzelner zu erfahren und gegebenenfalls Praktika oder Ausbildungsplätze zu vermitteln.

Der Transport der Möbel ist oft ein Problem

Eine Herausforderung sind auch die vielen Umzüge, denn regelmäßig wechseln Bewohner aus der Klinkestraße in eine Wohnung. „Wir bekommen viele Möbelangebote, das ist wunderbar, aber das Problem ist immer der Transport“, berichtet Ralf Luther vom Arbeitskreis Alltagsbegleitung. „Wir brauchen dringend weitere Helfer.“

Damit die Menschen nach ihrem Wegzug aus der Klinkestraße weiterhin Ansprechpartner haben, möchte der Runde Tisch gern Patenschaften vermitteln. „Viele können noch nicht gut genug Deutsch, um die Post zu verstehen, die sie bekommen, oder um Anträge auszufüllen“, sagt Kudling. Zwei Babys haben bereits Taufpatinnen. Michelle und Excellence, deren Mütter Christinnen sind und aus Nigeria und Ghana stammen, wurden in St. Theresia katholisch getauft.

Familie sucht eine Drei-Raum-Wohnung

Eine Wohnung suchen Suleyman, Zeri, Safwan (15) und Shaian (13). Sie sind Jesiden aus Sindschar (Irak) und haben Verwandte in Schönebeck. Sie suchen eine Drei-Raum-Wohnung dort in der Nähe, ziehen aber auch gern in andere Stadtteile. Die beiden Kinder gehen zum Gymnasium Borbeck.

Einen deutschen Freund sucht Suhib (36) aus Mossul im Irak. Er hat keine Familienangehörigen. Zurzeit macht er einen Deutschkurs. Er mag die Natur und liebt es, im Wald spazieren zu gehen. Außerdem guckt der Real-Madrid-Fan gern Fußball und würde gern mal in ein Fußballstadion gehen.

Sechs Fahrräder wünschen sich Ramin, Elmir, Emran, Ayan, Sujain und Zamil. Sie haben alle einen Schulplatz in Essen, sie sind zwischen acht und 14 Jahre alt. Auf dem Hof hinterm Haus gibt es viel Platz zum Radfahren. Damit die Räder nicht verschwinden, wünschen sich alle auch ein Schloss.

Helfer sind beim Treffen im Gemeindesaal willkommen

Pferdesachen – egal was – wünscht sich Elnur (10) aus Aserbaidschan. Er ist ein großer Pferdefan. Ein Puzzle, das er geschenkt bekam, hat er von seinem Vater rahmen lassen. Er freut sich über alles, was mit Pferden zu tun hat. Pferde mal ganz nah zu sehen oder gar auf ihnen zu reiten, ist sein großer Traum.

Das nächste Treffen des Runden Tisches Bergerhausen ist am Donnerstag, 18. Mai, 19 Uhr, im Gemeindesaal der Johanneskirche, Weserstraße 30. Für alle Arbeitskreise werden weitere ehrenamtliche Helfer gesucht.

Kontakt: www.bergerhausen-hilft.de

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