Traditionsreiche Gastronomie

Restaurant Kockshusen in Essen-Rellinghausen wird erweitert

Freuen sich, mit ihren Gästen das Zehnjährige im Restaurant Kockshusen in Essen-Rellinghausen zu feiern: Pächter Willi Hachenberg und Ehefrau Verena.

Freuen sich, mit ihren Gästen das Zehnjährige im Restaurant Kockshusen in Essen-Rellinghausen zu feiern: Pächter Willi Hachenberg und Ehefrau Verena.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Rellinghausen.  Die traditionsreiche Gaststätte Kockshusen war früher Wohnhaus für Geistliche und Ort der Armenspeisung. Der aktuelle Pächter hat noch viel vor.

Eine wechselvolle Geschichte hat nicht nur das denkmalgeschützte Gebäude, sondern auch das Restaurant Kockshusen in Essen-Rellinghausen. Das Fachwerkhaus wurde 1688 erbaut und diente ursprünglich als Gesindehaus der Adelsfamilie Vittinghoff-Schell. Dort lebten viele Jahre die Geistlichen, die im nahe gelegenen Schloss Schellenberg wirkten. Später wurde das Haus als Restaurant genutzt. Der aktuelle Pächter Willi Hachenberg (49) feiert am Donnerstag, 26. September, sein Zehnjähriges – und hat in Zukunft noch viel vor.

Anfang des 20. Jahrhunderts war das Fachwerkhaus Kantine für Straßenarbeiter

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Fachwerkhaus zur „Kantine“ für die Straßenbauarbeiter umfunktioniert, die die Siedlung an der Renteilichtung bauten. Zu diesem Zeitpunkt entstand wahrscheinlich auch der Name Kockshusen, das Kochhaus.

Bei aller Tradition blickt Pächter Willi Hachenberg derzeit aber eher in die Zukunft: „Wir planen einen Erweiterungsbau hinten auf dem Gelände. Dort soll ein Saal für 70 Personen entstehen, wo zum Beispiel Hochzeiten gefeiert werden können. Auch für Tagungen wird der barrierefreie Anbau gut geeignet sein“, sagt Willi Hachenberg, der seinen Vertrag mit Vermieterin Antoinette Freifrau von Elverfeldt-Ulm nach eigenen Angaben gerade um 15 weitere Jahre verlängert hat. „Das Kockshusen soll meine letzte gastronomische Station sein“, sagt Hachenberg, Vater von 13-jährigen Zwillingen.

Das Gelände für den Anbau sei bereits vorbereitet, man erwarte die Baugenehmigung in den nächsten Tagen. Anfang bis Mitte Oktober sollen die Arbeiten losgehen, die bis Januar/Februar dauern sollen. Insgesamt werde der Anbau rund 450.000 Euro kosten, wobei die Vermieterin die Baukosten trage und er als Pächter für die Inneneinrichtung aufkomme, so Hachenberg.

Der Biergarten des Restaurants hat 100 Plätze

Das Fachwerkhaus habe eine Nutzfläche von rund 400 Quadratmetern, das Erdgeschoss biete 75 Plätze für die gastronomische Nutzung. Oben befänden sich die Verwaltungsräume. Im Biergarten gebe es noch einmal 100 weitere Plätze. „Insgesamt ist das Gelände rund 4000 Quadratmeter groß. „Vor vier Jahren haben wir neben dem Parkplatz einen Spielplatz angelegt“, sagt Hachenberg, der im Restaurant insgesamt 20 Mitarbeiter hat. Aufgrund der etwas abgelegenen Lage komme nur wenig Laufkundschaft ins Kockshusen. „Rund 70 Prozent sind Stammgäste“, schätzt der Gastronom, der stolz auf die Originalbalken in der Gaststube ist.

Mit dem Anbau könnte es ruhig etwas schneller gehen, findet der 49-Jährige. Seit 19 Monaten warte man jetzt auf die Baugenehmigung. „Das Aufwendigste bei den Planungen ist natürlich die Abstimmung mit dem Denkmalschutz“, sagt der Pächter, die die Gaststätte gemeinsam mit seiner Frau Verena führt. Während der gelernte Koch Willi Hachenberg – „ich bin der siebte Erstgeborene in unserer Familie, der Willi heißt“ – der Küchenchef ist, leitet seine Frau den Service.

Der Anbau sei dringend notwendig. Man habe viele Hochzeiten absagen müssen, weil im barocken Rittersaal des Schlosses Schellenberg Mitte 2018 ein 350 Jahre alter tragender Eichenbalken gebrochen sei und deshalb der Saal aus Sicherheitsgründen vorerst nicht mehr genutzt werden könne. „Die Restaurierung ist ein größeres Projekt, da ist es gut, wenn wir hier eine Ausweichmöglichkeit haben“, so der Pächter, der vor der Übernahme von Kockshusen vor zehn Jahren ebenfalls zehn Jahre die Gastronomie vom Yachtclub Ruhrland am Baldeneysee führte und davor in der Borbecker Dampfbier-Brauerei und in Dortmund-Hohensyburg tätig war.

Das Restaurant Kockshusen hat gute und schlechte Zeiten erlebt

In dem alten Fachwerkhaus, das vermutlich seit den 1920er Jahren als Restaurant genutzt wird, habe es zur Kriegs- und Nachkriegszeit eine Art Armenspeisung gegeben, an die sich einige ältere Rellinghauser noch erinnern könnten. „Leider gibt es keine Unterlagen mehr zur früheren Nutzung“, bedauert der Gastronom. Später wurde das Kockshusen dann wieder zum Restaurant, habe gute und schlechte Zeiten, diverse Pächterwechsel und auch Leerstand erlebt, so Hachenberg. „Eine Zeit lang war das Restaurant eines der ersten Häuser am Platz, lieferte zum Beispiel das Catering, als die Beatles 1966 ihr Konzert in Essen gaben.“

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