Klassentreffen

Realschüler treffen sich 60 Jahre nach der Schulentlassung

In kurzen Hosen stellten sich die Jungen 1953 zum Klassenfoto. Damals wurden sie noch in der Gottfried-Wilhelm-Schule unterrichtet. Ein Jahr später bezogen sie die Räume am Ardeyplatz.

Foto: Knut Vahlensieck

In kurzen Hosen stellten sich die Jungen 1953 zum Klassenfoto. Damals wurden sie noch in der Gottfried-Wilhelm-Schule unterrichtet. Ein Jahr später bezogen sie die Räume am Ardeyplatz. Foto: Knut Vahlensieck

Essen-Rellinghausen.   Vor 60 Jahren endete für 26 Jungen die Schulzeit in der städtischen Realschule in Rellinghausen. Ohrfeigen waren damals an der Tagesordnung.

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„Wir waren eine sehr lebhafte Klasse und haben bis heute guten Kontakt“, sagt Manfred Wessendorf (76). Er organisiert ein Treffen 60 Jahre nach der Schulentlassung, das am Samstag, 7. Oktober, stattfindet. Er und sein ehemaliger Schulkamerad Eberhard Polutta (79) können sich noch gut an ihre Zeit auf der städtischen Realschule Essen-Süd erinnern, heute die Albert-Einstein-Realschule am Ardeyplatz. Eingeschult worden seien sie allerdings 1951 noch in der Gottfried-Wilhelm-Schule, dem heutigen Kunsthaus.

„Wir waren nur Jungs. Mit Mädchen kamen wir nur auf Klassenfahrten in der Jugendherberge in Berührung, was eigentlich schade war. Wir haben erst viel später erfahren, wie Mädchen so drauf sind“, erinnert sich Manfred Wessendorf, der dabei vor allem an die Klassenfahrt 1955 nach Limburg an der Lahn denkt. Ein Jahr später wanderten die Jungen durch den Odenwald – und so mancher trank während der Klassenfahrt sein erstes Bier oder rauchte die erste Zigarette.

Drei Jahre seien sie in der Gottfried-Wilhelm-Schule unterrichtet worden. „Im Schichtdienst, vor- und nachmittags. Räume waren in der Nachkriegszeit ja Mangelware“, erklärt Wessendorf. Die Schüler mussten eine Aufnahmeprüfung absolvieren und die Eltern Schulgeld bezahlen. „Das waren sechs oder acht Mark im Monat, was den Eltern damals richtig wehtat“, so Wessendorf. In Erinnerung geblieben ist ihm der häufige Lehrerwechsel. In sechs Jahren habe man über 20 „Pauker“ gehabt, die durchaus noch Ohrfeigen verteilten. „Keiner fühlte sich so richtig für uns zuständig“, sagt Wessendorf. Erst nach dem Umzug in das Gebäude der heutigen Albert-Einstein-Realschule habe man einen festen Klassenlehrer bekommen, der 1992 auch noch zu einem der Treffen dazukam.

Die Ehemaligen-Treffen finden alle fünf Jahre statt

Das erste Ehemaligen-Treffen fand 30 Jahre nach der Schulentlassung statt. Seitdem kommen die Männer alle fünf Jahre zusammen. Eingeladen seien dieses Mal 19 Ehemalige, 15 hätten zugesagt – einige davon reisen extra aus der Schweiz, Luxemburg oder Süddeutschland an. Zehn Schulkameraden seien im Laufe der Jahre gestorben, einige zeigten kein Interesse mehr an den Treffen. So komme auch der einzige Schulkamerad, der nach der Mittleren Reife zum Gymnasium gewechselt und Lehrer geworden sein, wohl nicht dazu.

„Aus allen ist etwas geworden“, betont Eberhard Polutta, der selbst eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolvierte. Viele hätten kaufmännische Berufe erlernt, andere wie Manfred Wessendorf, seien nach der Ausbildung zum Industriekaufmann im Bereich Informationstechnik gelandet, oder hätten sich zum Ingenieur weitergebildet.

An die Streiche erinnern sich die Ehemaligen gern

Beim Treffen am Samstag werden sich die Ehemaligen sicherlich auch an den ein oder anderen Streich von damals erinnern, darunter Klassiker wie nasser Schwamm im Lehrernacken oder Wecker in den Schränken. „Die Uhren klingelten im kurzen Abstand und sorgten so die ganze Zeit für Unruhe“, erinnert sich Wessendorf, der heute in Kettwig wohnt. Er sei immer der Kleinste in der Klasse gewesen und habe so manchen Spott ertragen müssen. Einmal hätten ihn die Klassenkameraden im Schrank eingesperrt.

Dem Lehrer sei gar nicht aufgefallen, dass er fehlte. „Da musste ich ganz still 45 Minuten verharren, um die Kameraden nicht zu verraten“, so Wessendorf, der bereits mit 15 Jahren die Mittlere Reife in der Tasche hatte. Noch genau erinnert er sich an den Fahrradkeller, in dem sein Rad aufgrund des Platzmangels gar nicht so gern gesehen war.

Viele fuhren per Rad zur Schule oder kamen zu Fuß

„Ich wohnte hier in unmittelbarer Nähe an der Sartoriusstraße, wollte aber auch gern mit dem Rad kommen“, sagt Manfred Wessendorf und lacht. Sein Schulkamerad Eberhard Polutta kam immer zu Fuß. „Und dann haben wir noch den Lehrern die schweren Taschen getragen. Irgendwann habe ich damit aufgehört. Die Lehrer waren ja viel stärker als wir Jungs“, so Polutta, der früher Klassensprecher war.

Auch wenn die lebhafte Klasse so manchen Lehrer vor eine echte Herausforderung stellte: Zugetraut habe man ihnen dann doch Einiges, erinnern sich die Ehemaligen. So sei ihre Klasse mit der Herausgabe der ersten Schülerzeitung beauftragt worden. Das Heftchen wurde auf dem Matritzendrucker erstellt, geheftet und dann verkauft.

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