Flüchtlinge

Raj Subedis Geschichte vom Flüchtling zum Restaurantbesitzer

Sie starteten mit einer Pizzabude und sind inzwischen Besitzer von vier nepalesischen Restaurants und einem Hotel:  Raj Subedi und seine Frau Sima im Namaste an der Rellinghauser Straße.

Sie starteten mit einer Pizzabude und sind inzwischen Besitzer von vier nepalesischen Restaurants und einem Hotel: Raj Subedi und seine Frau Sima im Namaste an der Rellinghauser Straße.

Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi

Essen-Südviertel.  Der Nepalese Raj Subedi betreibt das Namaste im Essener Südviertel. Dort sammelt auch Spenden für seine alte Heimat, die ein Erdbeben zerstört hat.

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Wenn Raj Subedi über seine ersten Jahre in Deutschland spricht, dann werden seine Augen dunkel, wird seine Stimme leise. Als Flüchtling kam er 1992 aus Nepal, vom Dach der Welt, nach Essen, „weil ich mich für Demokratie einsetzte und deswegen politisch verfolgt wurde“. Mit 20 Jahren stand er am Frankfurter Flughafen – eine halbe Weltreise entfernt von zu Hause. Mit nichts in der Tasche.

Aus der Traum, als Akademiker im eigenen Land zu leben. Aber auch aus dem Traum, in Deutschland sein Wirtschaftsstudium beenden zu können, wurde nichts. Denn als Asylbewerber durfte Raj Subedi weder arbeiten noch eine Uni besuchen. „Das war eine harte Zeit.“ Neun Jahre dauerte es, bis er als Flüchtling anerkannt wurde. „Da war es für mich leider zu spät, ein Studium aufzunehmen, also habe ich 2001 mit einer kleinen Pizzabude in Frohnhausen angefangen.“

Aus dem kleinen Lokal sind inzwischen vier nepalesische Spezialitätenrestaurants und ein Hotel geworden, die Raj Subedi gemeinsam mit seiner Frau Sima mit großem Ehrgeiz und Durchsetzungskraft aber auch mit unternehmerischen Mut aufgebaut hat. „Ich bin in Deutschland angekommen, ich liebe meine neue Heimat“, sagt der erfolgreiche Gastronom nicht ohne Stolz.

Ort des Kulturaustausches

Das letzte Lokal in der Reihe hat der 43-Jährige Anfang des Jahres im Südviertel eröffnet. Wie in seinen anderen Restaurants, die in Hamminkeln, Voerde und Castrop Rauxel sind, wird im „Namaste“ nicht nur nepalesisches Essen serviert, „wir verstehen uns auch als ein Ort des Kulturaustausches zwischen Nepal und Deutschland“. Denn mit der alten Heimat fühlen sich die Subedis weiterhin verbunden, dort lebt die Familie, leben die Freunde. „Da ist immer eine Sehnsucht in unseren Herzen.“ Die Kontakte seien nie abgebrochen und natürlich verfolgt Raj Subedi mit großem Interesse alle Nachrichten aus Nepal. Als ein Erdbeben das Land, das für ihn zu den schönsten der Welt gehört, fast komplett verwüstete, war für den Gastronom sofort klar, dass er irgendwie helfen möchte. „Ich war selbst dort und habe mir ein Bild von den Zuständen gemacht.“ Gleichzeitig begann er in seinen Restaurants Spendengelder zu sammeln. Mit denen baut er nun ein Dorf in Nepal wieder auf, das fast vollständig zerstört wurde.

Von 70 zerstörten Häusern sind 45 wieder aufgebaut

Statt das Geld an eine staatliche Institution zu geben, organisiert und überwacht Subedi selbst die private Hilfsmaßnahme. „Wie in vielen Ländern gibt es auch in Nepal Korruption. Ich wollte verhindern, dass das Geld in irgendwelchen Kanälen versickert.“ Dafür hat er lange und intensiv mit dem Provinzdirektor vor Ort verhandeln müssen. „Geholfen hat schließlich, dass ich Mitglied in den Organisation der Exilnepalesen bin, die bereits viele Projekte in Nepal verwirklicht hat.“

Von den 70 zerstörten Häusern sind inzwischen 45 wieder aufgebaut, die restlichen werden wohl bis zum Winter fertig sein. „So kann ich etwas von meinem Glück an die alte Heimat zurückgeben.“

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