Stadtteil-Geschichte

Neues Buch beleuchtet Geschichte der Kirche in der NS-Zeit

Viele Menschen besuchten die Festmesse zum Annenfest 1936 in Rellinghausen, wie dieses Foto dokumentiert.

Foto: Knut Vahlensieck

Viele Menschen besuchten die Festmesse zum Annenfest 1936 in Rellinghausen, wie dieses Foto dokumentiert. Foto: Knut Vahlensieck

Essen-Rellinghausen/Bergerhausen.  Historiker beschreibt die Rolle der Kirche in Rellinghausen und Bergerhausen in den 1930er Jahren. Bürgerschaft gibt neues Buch heraus.

Das achte Buch der historischen Reihe, die die Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald herausgibt, ist ab sofort erhältlich. Es beschäftigt sich mit den Kirchen in Rellinghausen und Bergerhausen während des Nationalsozialismus’.

Geschrieben hat das Buch – wie die anderen Bände – das pensionierte Geschichtslehrer-Ehepaar Klaus und Valeska Lindemann. Die Historiker haben in sechs Archiven Spannendes über die Rolle der Kirchenvertreter in den 1930er Jahren herausgefunden.

Die Zahl der Kirchen und Kapellen sei damals beträchtlich gewesen. Zum Beten gingen die Gläubigen in die katholische St. Lambertus-Kirche, die alte evangelische Barockkirche und in die längst abgerissene Canisius-Kirche an der Frankenstraße, die vor allem von Bewohnern der Gottfried-Wilhelm-Siedlung genutzt wurde. Zudem gab es drei Kapellen: die Schlosskapelle, die Annenkapelle und die Krankenhaus-Kapelle Lambertus. Dazu kamen in Bergerhausen die St.-Hubertus-Kirche und der evangelische Gemeinderaum an der Weserstraße, wo sich heute die evangelische Johanneskirche befindet.

Spannend war die Rolle der Pfarrer in der NS-Zeit

Spannend war die Rolle der Pfarrer: Der größere Teil der Ausführungen beschäftigt sich mit den evangelischen Priestern – und das nicht ohne Grund, wie Klaus Lindemann betont. „Über die katholischen Pfarrer in Rellinghausen und Bergerhausen ist gar nicht so viel zu berichten. Beide standen dem NS-Regime sehr distanziert gegenüber. Der Bergerhauser Pfarrer predigte sogar von der Kanzel offen gegen die NS-Politik, was ihm die Verhaftung und einen Gefängnisaufenthalt einbrachte, wie Lindemann herausgefunden hat. Auch über das noch heute an der Leveringstraße existierende Dore-Jacobs-Haus schreibt der Historiker.

Das Dore-Jacobs-Haus diente als Notkirche

Dort habe es eine Tanzschule gegeben. Die sei bereits Ende 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen worden, weil die Gründerin Halbjüdin gewesen sei und dort auch viele jüdische Mädchen tanzten. Die Räume seien dann als Kindergarten genutzt worden. Dort hätten sich immer wieder Juden verstecken können. Teils wurde das Haus als Gottesdienstraum und nach dem Krieg als Notkirche genutzt, bevor die heutige Kirche St. Theresia Ende der 1950er Jahre eingeweiht worden sei.

„Im Gegensatz zu den katholischen Priestern standen die evangelischen Pfarrer den Nationalsozialisten nahe oder waren sogar NSDAP-Mitglied“, berichtet Klaus Lindemann. Damals habe es die Bekennende Kirche gegeben, die sich gegen die Nationalsozialisten stellte, und die Deutschen Christen, die NS-freundlich waren. Das habe sich auch in Rellinghausen und Bergerhausen gespiegelt. Als beispielsweise ein neuer zweiter Pfarrer gesucht worden sei, habe bei der Probepredigt genau der überzeugt, der der Bekennenden Kirche nahestand. „Aber gegen das Presbyterium, in dem NS-Leute saßen, zu arbeiten, war sicher keine angenehme Situation“, so Lindemann.

Evangelische Kirche wurde 1935 eingeweiht

Die Architektur der 1935 eingeweihten evangelischen Kirche in Rellinghausen erinnere bis heute an die Zeit, in der sie entstanden sei. „Sie war darauf angelegt, Massen aufzunehmen. Die vier Evangelisten auf einem Wandbild sahen aus wie SA-Leute“, beschreibt Lindemann. Dieses Bild sei nach dem Krieg dann sofort übermalt worden.

Der nächste Band der historischen Reihe, die Themen von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik bis zum Nationalsozialismus beleuchtet, ist übrigens fast fertig und soll im Mai 2018 erscheinen. Thema sind dann die Schulen während der NS-Zeit.

Buch kann über die Bürgerschaft bestellt werden

Der Band „Kirchen in Rellinghausen und Bergerhausen in der Zeit des Nationalsozialismus’“ ist der achte Band der Reihe, die die Bürgerschaft herausgibt. Autoren sind Klaus und Valeska Lindemann.

Der jetzt erschienene Band mit einer Auflage von 50 Stück hat 217 Seiten, kostet zwölf Euro und kann ausschließlich über die Bürgerschaft Rellinghausen per E-Mail bestellt werden unter bueresta@t-online.de

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