Evangelische Kirchengemeinde

Neue Pfarrerin in Bergerhausen hat den Dienst aufgenommen

Julia Olmesdahl (39) ist die neue Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde Bergerhausen. Mit Mann und drei Kindern lebt die Geistliche mitten unter den Gläubigen.

Julia Olmesdahl (39) ist die neue Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde Bergerhausen. Mit Mann und drei Kindern lebt die Geistliche mitten unter den Gläubigen.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Bergerhausen.  Mit Julia Olmesdahl ist die zweite evangelische Pfarrerin der Kirchengemeinde Bergerhausen eingezogen. Die 39-Jährige hat sich viel vorgenommen.

Während ihrer ersten Predigt zur offiziellen Einführung Anfang November durften die Kinder Lollys in der Johanneskirche lutschen. Julia Olmesdahl spricht zum Liedtext „What a wonderful world“ von Louis Armstrong. Und damit hat sie über sich schon viel erzählt. „Ich bin oft positiv eingestellt, und gehe meist unvoreingenommen auf andere zu“, sagt die neue Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Bergerhausen im Gespräch. Die 39-Jährige folgt auf Pfarrer Wolfgang Blöcker, der elf Jahre dort gewirkt hatte.

Geboren ist die Theologin in Mülheim, aufgewachsen in Duisburg-Baerl. In Moers am Niederrhein ging sie zur Schule und studierte in Wuppertal, Münster und Bonn. In Essen, wo sie seit über zehn Jahren lebt, lernte sie ihren Ehemann Simon kennen, Lehrer an einem Gymnasium. Mit drei Söhnen ist die zierliche Blonde die einzige Frau im Haus. Aber mit Henri (6), Emil (4) und Jannis (1) wird es nie langweilig. Die 50-Prozent-Stelle kommt der Familie entgegen. Eigentlich wollte Olmesdahl länger in Elternzeit bleiben. „Doch dieses Angebot konnte ich nicht absagen“, erzählt sie. Seit zwei Jahren wohnt die Familie im Einzugsgebiet der Gemeinde, die Johanneskirche liegt praktisch um die Ecke. Doch auch im Forum Billebrinkhöhe, wie die ehemalige Kirche jetzt heißt, feiert Olmesdahl Gottesdienste.

Seniorenarbeit im Adolphinum und Alten-Club

In Bergerhausen fühlt sie sich gut aufgenommen. Im September hat sie ihren Dienst angetreten. „Zunächst übernehme ich die Aufgaben von Herrn Blöcker. Im Frühjahr schauen wir, was es noch gibt.“ Einer ihrer festen Einsatzbereiche sind die Seniorenarbeit im Adolphinum an der Töpferstraße sowie der regelmäßig stattfindende Alten-Club. Der trifft sich derzeit während des Umbaus im Untergeschoss der Johanneskirche im Gemeindesaal der katholischen Gemeinde St. Hubertus und Raphael. „Zu den Katholiken pflegen wir gute Kontakte. Es gibt viele ökumenische Angebote.“ Mit ihrer positiven Ausstrahlung will Olmesdahl die Menschen berühren. „Von diesem Bogen will ich schwärmen“, sagt sie in der Antrittspredigt und empfiehlt „dem Pessimismus nicht das letzte Wort zu geben.“

In Zeiten vieler Kirchenaustritte hofft die Theologin, durch neue und wechselnde Gottesdienstformen auch kirchenferne Mitbürger anzusprechen. Das Konzept hat Heidrun Vieweg mit dem Presbyterium erstellt, es wird ab Anfang 2020 eingeführt. Jeden ersten Sonntag können sich Gottesdienstbesucher auf einen musikalischen Schwerpunkt freuen. Der zweite Sonntag bleibt konventionell, der dritte steht unter dem Motto „Kreuz & quer“, geleitet von Ehrenamtlichen. „Die Besucher bewegen sich in der Kirche und werden in vieler Hinsicht aktiv“, erläutert Olmesdahl. Am Ende isst man gemeinsam Mittag. Jeden vierten Sonntag gibt es – auch mal abends – „kommunikative“ Gottesdienste. Sie laden zum Austausch über den Glauben ein. Jugendliche sollen die „talk-about“-Angebote im häuslichen Umfeld ansprechen.

Die neue Pfarrerin kocht gern für viele Gäste

„Unsere Kirche ist Gottes Gasthaus“, lautet das Leitwort der Protestanten rechts und links der Ruhrallee. Damit konnte sich Olmesdahl sofort anfreunden. Denn privat empfängt sie gern Gäste. „Mein Mann und ich haben lange in einer Wohngemeinschaft gelebt.“ Am großen Eichentisch im Esszimmer finden acht bis zehn Leute Platz und oft ein Essen. Denn die Pfarrerin kocht mit Freude. Zu ihrem täglichen Brot gehört auch das Musizieren, beruflich und privat. „Als Kind habe ich Querflöte gelernt und mir später selbst Gitarre beigegebracht.“ Seit einem halben Jahr nimmt sie Klavierstunden, übt daheim, wenn es die knappe Zeit erlaubt. Mit den Kindern singt sie viel.

„Mein Entschluss, Pfarrerin zu werden, ist langsam gereift. Als Jugendliche bin ich in einer Gemeinde gelandet, in der ich mich Zuhause fühlte.“ Gegen Ende der Schulzeit habe sie sich für Theologie entschieden, sagt sie zu ihrem Werdegang. Familiär gibt es keine Vorbilder für den Pfarrerberuf. „Aber meine Eltern haben mich in diesem Wunsch unterstützt.“

Eine Bank zum Abschied aus Holsterhausen

Ein Geschenk aus Holsterhausen, wo Olmesdahl sieben Jahre Pfarrerin an der Erlöserkirche war, soll ihr helfen, die Balance zwischen Familie, Arbeit und Freizeit zu finden. Es ist eine Gartenbank. Darauf sitzend könnte sie glatt an die vielen Glücksmomente im Alltag denken. Wie die Jazz-Legende Louis Armstrong im Jahr 1967, zur Zeit des Vietnamkrieges und politischer Unruhen. Vom Wunder des Regenbogens - der Verbindung zwischen Himmel und Erde - war auch er begeistert. Zur Einführung in der Kirche singt das Duo „glatt & kraus“ passenderweise die auf den Stadtteil gemünzte Version „Was für ein wunderschönes Bergerhausen.“ Die Strophe handelt von Menschen, die sich wahrnehmen und wertschätzen und die ihre Gemeinde zu einem Gasthaus Gottes werden lassen.

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