Job für Menschen mit Handicap

Nach Burnout findet früherer Gleisbauer Halt im sozialen Job

Klaus Blum unterhält sich beim gemeinsamen Frühstück in der GSE-Tagespflegeeinrichtung im alten Rathaus Rellinghausen mit Helga Schütz, die erst seit wenigen Wochen dorthin kommt.

Foto: Stefan Arend

Klaus Blum unterhält sich beim gemeinsamen Frühstück in der GSE-Tagespflegeeinrichtung im alten Rathaus Rellinghausen mit Helga Schütz, die erst seit wenigen Wochen dorthin kommt. Foto: Stefan Arend

Essen-Rellinghausen.   Seine frühere Arbeit kann Klaus Blum (55) nicht mehr bewältigen. In der Tagespflege im alten Rathaus Rellinghausen hilft er Senioren.

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Seit einem Jahr ist Klaus Blum Alltagsbegleiter in der Tagespflegeeinrichtung der Gesellschaft für soziale Dienstleistungen Essen (GSE) im alten Rathaus Rellinghausen. Der 55-Jährige kümmert sich um die Senioren, hilft beim Brötchen schmieren, spielt und bastelt mit ihnen, liest aus der Zeitung vor, geht mit der Gruppe spazieren und hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Fragen der Besucher.

In seinem neuen Job ist Klaus Blum glücklich. „Ich frage mich manchmal, warum ich nicht gleich einen solchen Beruf ergriffen habe“, sagt er. Nach einem Burnout 2013 und diversen Klinikaufenthalten konnte der Holsterhauser nicht mehr in seinen alten Beruf zurückkehren. „Ich habe früher im Gleisbau und dann im Metallhandel gearbeitet. Das würde ich heute nicht mehr schaffen“, sagt Blum, der von Angstzuständen über Selbstmordgedanken alles durchgemacht hat.

Der Rententräger habe ihm eine Umschulung im kaufmännischen Bereich angeboten. „Das ist nichts für mich“, war sich der Holsterhauser sicher. Dann kam er mit der GSE-Werkstatt für Menschen mit psychischer Behinderung in Kontakt, wollte aber nicht auf Dauer in der Werkstatt arbeiten.

Vor einem Jahr habe die GSE-Tagespflegeeinrichtung im alten Rathaus Rellinghausen jemanden zur Unterstützung der Mitarbeiter gesucht – der richtige Job für Klaus Blum, der dort täglich acht Stunden im Einsatz ist. „Für mich ist das perfekt. Ich habe eine feste Tagesstruktur, werde gebraucht, bekomme positive Rückmeldungen. Das ist viel besser, als allein zu Hause wieder in Depressionen zu versinken“, weiß er.

Integrationsbegleiter ist stets ansprechbar

Aktuell kommen etwa 16 Gäste pro Tag in die Einrichtung, etliche leiden unter Demenz. Die Mitarbeiter sind immer wieder begeistert, welch guten Draht Blum, den sie liebevoll „unser Joker“ nennen, zu den alten Menschen hat. Gerade für die wenigen männlichen Gäste sei er als Ansprechpartner wichtig. Blum hat einen Integrationsbegleiter, der für ihn jederzeit ansprechbar ist, alle zwei Wochen in der Einrichtung vorbeischaut und hilft, wenn Bedarf besteht. „Es ist wichtig zu wissen, dass man nicht allein ist“, sagt Blum.

„Das ist eines von vielen gelungenen Beispielen, wie Menschen mit Handicap ihre Fähigkeiten einbringen können und so eine Bereicherung für alle Beteiligten sind“, sagt Stefanie Berberich, stellvertretende Leiterin des zentralen Inte­grationsmanagements bei der Stadttochter GSE. Menschen wie Klaus Blum seien nicht nur in den sieben stationären Pflegeeinrichtungen der GSE und der Tagespflege in Rellinghausen tätig, sondern auch bei anderen Arbeitgebern, zum Beispiel in Kitas, im Empfangsbereich oder als Hausmeister. „52 Menschen haben derzeit aufgrund unserer Vermittlung Einzelarbeitsplätze“, so Berberich.

Viele streben einen externen Arbeitsplatz an

Für viele Menschen mit einem Handicap seien Behinderten-Werkstätten von Beginn an der falsche Arbeitsplatz, andere wiederum äußerten erst nach 30 Jahren den Wunsch, einmal anderswo zu arbeiten. „Wir haben an die 100 Partnerunternehmen, die Mitarbeiter mit Handicap sehr gerne nehmen. Und wir versuchen weiter, Berührungsängste abzubauen“, so Stefanie Berberich.

Wenn jemand wie Klaus Blum etwa den Wunsch äußere, extern zu arbeiten, dann suche man direkt nach einer passenden Aufgabe – und finde sie in der Regel auch.

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