Ehrenamt

Leiterin arbeitet seit über 60 Jahren in der Bücherei mit

Im Rahmen des Projekts Lesehelden las Bezirkspolizist Rüdiger Buers den Kindengartenkindern vor und berichtete von seiner Arbeit.

Im Rahmen des Projekts Lesehelden las Bezirkspolizist Rüdiger Buers den Kindengartenkindern vor und berichtete von seiner Arbeit.

Foto: André Hirtz

Essen-Stadtwald.   Roswitha Kottenberg (73) leitet seit vielen Jahren ehrenamtlich die Bücherei von St. Theresia. Dort läuft gerade das Projekt Lesehelden.

Ostern ist gerade vorbei, da ist Roswitha Kottenberg (73) schon wieder im Stress. „Gleich kommen die Kindergartenkinder von nebenan zur Aktion Lesehelden“, sagt sie und bereitet dafür den großen Tisch in der Katholischen öffentlichen Bücherei (KöB) von St. Theresia vor. Die Einrichtung in Stadtwald leitet die ehemalige Religionslehrerin, die 35 Jahre an der Waldorfschule tätig war, seit 2004. „In der Bücherei arbeite ich schon seit meinem zwölften Lebensjahr, als Leserin bin ich noch länger dabei“, sagt Roswitha Kottenberg.

Lesen sei immer ihre Leidenschaft gewesen. „Meine Eltern haben immer gesagt, man könne nicht so schnell Bücher herbeischaffen, wie ich sie verschlinge“, erinnert sie sich. Damals habe es allenfalls zu Weihnachten, zum Geburtstag, zum Namenstag oder vielleicht zu Nikolaus ein Buchgeschenk gegeben. Deshalb sei sie mit ihrem immensen Lesebedarf in der Bücherei ihrer Gemeinde St .Theresia gerade richtig gewesen, sagt die 73-Jährige.

Zum Team der Bücherei gehören zehn Ehrenamtliche

Viele Jahrzehnte arbeitete sie ehrenamtlich in der KöB mit, bis 2004 die damalige Leiterin plötzlich starb und Roswitha Kottenberg die Leitung der Bibliothek übernahm. Insgesamt arbeiten zehn Ehrenamtliche in der KöB an der Goldfinkstraße, die sich die Dienste teilen. „Das Team besteht vorwiegend aus Frauen. Wir haben einen Mann dabei, der schon mal beim Bestücken von Bücherschränken und ähnlichen Dingen hilft“, so Kottenberg.

Seit Jahren bieten Roswitha Kottenberg und ihr Team den Büchereiführerschein für Kinder kurz vor dem Schuleintritt an. Bei vier Treffen lernen die Kinder, sich in der Bücherei zurechtzufinden. „Wir sind Lesehelden“ ist dagegen ein außerschulisches Projekt des Borromäusvereins, das im Rahmen von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ von 2018 bis 2022 durchgeführt wird. Es wird als Veranstaltungsreihe durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Einige Kinder haben keine Beziehung zu Büchern

„Auf Wunsch unserer Kindergartenleiterin führen wir das Projekt Lesehelden, das für Kinder von vier bis zehn Jahren gedacht ist, für die Kita-Kinder von vier bis fünf Jahren durch“, sagt die Bücherei-Leiterin. Eigentlich sei das Projekt für Kinder aus bildungsfernen Familien gedacht, um ihnen einen niederschwelligen Zugang zu Büchern zu eröffnen. „Bildungsferne Familien sind bei uns in Stadtwald eher selten, die Eltern finden das Projekt aber trotzdem positiv“, so Roswitha Kottenberg. Trotzdem habe auch sie schon erlebt, dass ein Junge beim Büchereibesuch angesichts der mit Lesestoff gefüllten Regale erschrocken sei und einige Kinder auch keine Bücher ausleihen wollten.

Das Lesehelden-Projekt sei eine Kombination aus Vorlesen und Aktionen für die Kinder. Wichtig sei dabei, dass man auch männliche Vorleser finde. „Die Kinder sollen lernen, dass nicht nur Mütter und Erzieherinnen vorlesen können“, erläutert Roswitha Kottenberg. Die „Lesehelden“ beschäftigten sich in diesem Jahr mit dem Thema „Rettungsdienste“.

Bücherei-Leiterin hat selbst kaum Zeit zum Lesen

Neben Büchern zum Thema engagierte Roswitha Kottenberg ihren Neffen, der beim Arbeiter-Samariter-Bund arbeitet, um den Kindern einmal einen Rettungswagen zu zeigen. Auch der Bezirkspolizist stattete den Kindern einen Besuch ab und erzählte von seinen Aufgaben. Insgesamt sechs Mal kommen die „Lesehelden“- Kinder mit ihren Erzieherinnen für ein bis anderthalb Stunden in die Bücherei, um dann im Rahmen eines Abschlussfestes die offizielle Urkunde zu erhalten.

„Das alles macht viel Freude, erfordert aber auch Vorbereitung, so dass mir selbst kaum noch Zeit zum Lesen bleibt. Wenn ich dazu komme, lese ich gern aktuelle Romane und gelegentlich Fachliteratur“, sagt Roswitha Kottenberg, die auch ausgebildete Kirchenführerin ist.

>>>DIE KÖB ST. THERESIA

  • Die katholische öffentliche Bücherei St. Theresia gibt es seit 1952. Dort sind laut Leiterin Roswitha Kottenberg rund 3000 Medien für Kinder und Erwachsene verfügbar. Rund 300 Leser leihen dort Bücher und CDs aus. Von Bürgern geschenkte Bücher landen im Antiquariat und werden für wenig Geld weiterverkauft.
  • Die KöB ist geöffnet: montags, 9 bis 11 Uhr, dienstags und donnerstags, 16 bis 18 Uhr, freitags, 9 bis 12 Uhr, und sonntags, 10.30 bis 12 Uhr.

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