Historischer Kalender

Kalender der Bürgerschaft Rellinghausen weckt Erinnerungen

Die Zechen Langenbrahm (Bild) und Gottfried-Wilhelm prägten das Leben in Rellinghausen. Am unteren Bildrand ist noch die alte Canisius-Kirche zu sehen, die in den 1960er Jahren abgerissen wurde.

Die Zechen Langenbrahm (Bild) und Gottfried-Wilhelm prägten das Leben in Rellinghausen. Am unteren Bildrand ist noch die alte Canisius-Kirche zu sehen, die in den 1960er Jahren abgerissen wurde.

Foto: Repro: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen-Rellinghausen/Stadtwald.  Der Kalender 2020 der Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald ist fertig. Konzipiert wurde er von Gerhard Schulte, dem dazu Geschichten einfallen.

Einen Kalender für 2020 mit historischen Schwarz-Weiß-Fotos gibt die Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald heraus. Zusammengestellt und bearbeitet wurden die Aufnahmen von Gerhard Schulte von der Bürgerschaft. Für den 71-Jährigen, der in Rellinghausen geboren wurde und bis heute im Stadtteil lebt, sind viele der alten Bilder mit Erinnerungen und Anekdoten verbunden.

Schon das Titelbild des Kalenders mit der ehemaligen Zeche Langenbrahm hat für Gerhard Schulte eine besondere Bedeutung. Die Kohleverarbeitung habe ungefähr dort stattgefunden, wo heute der Hellweg-Baumarkt an der Frankenstraße ist. Auch die Kohle der Zeche Gottfried-Wilhelm, die ja oben im Wald gelegen habe, habe man mit der Lorenbahn nach unten bringen müssen, um sie dort weiterverarbeiten zu können. „Auf dem Bild ist noch die alte Canisius-Kirche erkennbar, die erst in den 1960er Jahren abgerissen wurde. An der Stelle entstand ein größeres Wohnhaus, in dem ich heute lebe“, so Schulte.

Alle zwei Jahre erscheint ein Kalender der Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald

Die Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald gibt nur alle zwei Jahre einen Kalender – in der Regel historischer Art – heraus. „Früher haben wir es mal mit aktuellen Fotos versucht, aber das kam nicht gut an“, erinnert sich Schulte. Die Erscheinungsweise alle zwei Jahre sei nicht nur wegen des zeitlichen und finanziellen Aufwands sinnvoll. „Irgendwann gehen uns auch die druckbaren alten Fotos aus. Eine gewisse Bildqualität muss schon sein, sonst kauft den Kalender niemand“, ist Schulte überzeugt.

Rund die Hälfte der Bilder im aktuellen Kalender seien Luftbilder, entweder aus einem Heißluftballon oder – wahrscheinlicher – aus einem Zeppelin aufgenommen, so Schulte. Er habe an den Bildrändern die Räder, mutmaßlich des Zeppelins, wegretuschiert. Die andere Hälfte der Bilder zeige markante Häuser oder Plätze in Rellinghausen und Stadtwald, die teils noch existierten, teils längst abgerissen seien. Viele Fotos, die für den Kalender verwendet worden seien, seien auch bereits im Rahmen von Ausstellungen im Blücherturm gezeigt worden.

Fotos wecken Kindheitserinnerungen bei den älteren Rellinghausern

Kindheitserinnerungen sind für Elektromeister Gerhard Schulte, der viele Jahre ein Elektrogeschäft in Rellinghausen geführt hat, auch mit dem Januar-Motiv verbunden: Dort ist die Fischecke Witt, ein reines Fischgeschäft, zu sehen, das nur noch die älteren Rellinghauser kennen werden. „Auf dem Weg von meinem Geburtsort an der Bodelschwinghstraße zu meiner Oma kam ich immer an den riesigen Fässern mit Gurken und Hering vorbei, die dort vor dem Laden auf dem Gehweg standen“, erinnert sich Schulte, der seit 1974 in der Bürgerschaft aktiv ist.

Eine Anekdote fällt Schulte auch zum April-Bild vom Haus Quenz an der Oberstraße ein. „Der Herr Quenz war ein komischer Typ. Der heizte, wie die anderen Leute auch, mit Kohle. Aber er verteilte dann die Asche im Wohnzimmer und überall. Warum er das tat, hat nie jemand herausgefunden“, blickt Gerhard Schulte zurück.

Einige der Siedlungen existieren noch heute

Viele der Luftbilder machen deutlich, wie dünn besiedelt die Stadtteile damals noch waren. Einige Siedlungen gab es allerdings schon, wie die heute noch bestehende Eyhof-Siedlung in Stadtwald. „Interessant ist auch, dass die Frankenstraße in ihrer heutigen Form noch nicht existierte und die Amselstraße die wichtigste Verbindung nach Stadtwald darstellte. Die war allerdings so steil, dass sie für den Transport von Waren nicht geeignet war“, so Schulte, der einen Teil der Bilder für den Kalender aus seinem privaten Archiv zur Verfügung stellte.

Das Jagdhaus Schellenberg war früher schon ein Ausflugslokal, am Stadtwaldplatz fuhr damals noch die Straßenbahn, und im Geschäft Hochkirchen an der Oberstraße gab es vom Bügelbrett bis zur Schraube alles, was man in Haushalt und Werkstatt so brauchte.

Auch an grausame Ereignisse der Vergangenheit wie die Hexenverbrennung erinnert der Kalender. So hat Gerhard Schulte die Stelle in der Ruhr markiert, an der die Hexen „getauft“, sprich ertränkt, wurden, nachdem ihnen im Blücherturm der Prozess gemacht worden war. „Wenn sie untergingen, waren sie unschuldig, wenn sie nicht untergingen, waren sie schuldig und wurden verbrannt. Tot waren sie auf jeden Fall“, fasst Gerhard Schulte das brutale Geschehen in Rellinghausen zusammen.

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