Kirchenübergabe

Integrationsmodell übernimmt Kirche in Essen-Bergerhausen

Proben schon einmal für die offizielle Schlüsselübergabe am 1. September: (v.l.) Pfarrerin Heidrun Viehweg, Heidi Krampe, Vorsitzende des Presbyteriums, Magdalene Merkel, Hausleiterin und Ehrenamtskoordinatorin, sowie Philipp Neßling, Vorsitzender des Integrationsmodells Essen.

Proben schon einmal für die offizielle Schlüsselübergabe am 1. September: (v.l.) Pfarrerin Heidrun Viehweg, Heidi Krampe, Vorsitzende des Presbyteriums, Magdalene Merkel, Hausleiterin und Ehrenamtskoordinatorin, sowie Philipp Neßling, Vorsitzender des Integrationsmodells Essen.

Foto: Martin Horn

Essen-Bergerhausen.  Das ev. Gemeindezentrum Billebrinkhöhe wird am 1. September offiziell zum Forum für inklusive Kultur. Gottesdienste wird es dort weiterhin geben.

Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe am Sonntag, 1. September, geht das Gemeindezentrum an der Billebrinkhöhe 72 offiziell von der evangelischen Gemeinde Bergerhausen an das Integrationsmodell Essen über. Der neue Eigentümer hat dort sein Forum für inklusive Kultur eingerichtet. In der Kirche werden aber weiterhin sonntägliche Gottesdienste stattfinden, auch einige Gruppen der Gemeinde treffen sich weiterhin in dem Gebäude.

„Es ist eine Umwidmung, keinen Entwidmung“, betont Pfarrerin Heidrun Viehweg, die seit 13 Jahren in der Gemeinde tätig ist. Grund zum Feiern sei die Übergabe des Gebäudes auf jeden Fall, denn das Integrationsmodell erweitere seine seit vielen Jahren bestehende kulturelle und soziale Arbeit im Stadtteil – und die Gemeinde müsse sich nicht komplett von ihrer liebevoll „Bille“ genannten Einrichtung verabschieden.

Die Entwidmung oder gar der Abriss des für viele Bergerhauser mit Erinnerungen verbundenen Gotteshauses und Treffpunkts bleibe der Gemeinde somit erspart.

Dennoch werde sich die Gemeindearbeit verändern. „Natürlich hat die Übergabe des Gebäudes an das Integrationsmodell auch Auswirkungen auf unseren anderen Standort an der Weserstraße, wo bereits Umbaumaßnahmen laufen“, sagt Heidi Krampe, Vorsitzende des Presbyteriums. Nach langen Vorplanungen habe man aber jetzt eine Lösung, von der beide Partner profitierten: Die Gemeinde stelle dem Integrationsmodell kostenlos Gebäude und Grundstück zur Verfügung, dürfe es aber dafür weiter – ebenfalls kostenlos – für Gottesdienste und Gruppenarbeit nutzen.

Gemeindeglieder wurden in den Prozess mit eingebunden

Positiv sei, dass bei dem aus finanziellen Gründen notwendigen Übergabeprozess die Gemeindeglieder von Anfang an mitgenommen worden seien und es keine Zerwürfnisse gegeben habe, betont die Pfarrerin.

„Die meisten Gemeindeglieder werden jetzt gar keinen Unterschied merken, weil die inklusive Kulturarbeit ja hier seit Jahren läuft“, sieht Pfarrerin Viehweg die Schlüsselübergabe nicht mehr als großen Einschnitt. Im Haus liefen bereits Theater- und Malgruppen, es gebe Näh- und Kochkurse, Konzerte und Ausstellungen, Flohmärkte, ein Café, Wellnessangebote, politische Stammtische, Friedens- und Flüchtlingsarbeit.

Die Kirche an der Billebrinkhöhe war als Ergänzung zur Johanneskirche gedacht

Die Kirche an der Billebrinkhöhe war 1965/66 zusätzlich zur Johanneskirche an der Weserstraße errichtet worden, um den Gläubigen weite Wege zu ersparen. Unter anderem übten dort die Teilnehmer des Prediger-Seminars, das sich damals an der Bergerhauser Straße befand, ihre Vorträge, erinnert sich der Vorsitzende des Integrationsmodells und ehemalige Pfarrer Philipp Neßling (84), der die Geschichte des Gebäudes von Anfang an miterlebt und bis heute eine enge Verbindung dazu hat. Die Arbeit mit Behinderten lag ihm immer am Herzen: Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 war Neßling Pfarrer beim Behindertenreferat, gründete 1986 das Integrationsmodell Essen mit.

Die Übergabe des Hauses an das Integrationsmodell ist das Ergebnis eines langjährigen, schmerzhaften Prozesses, bei dem es zahlreiche bürokratische Hürden gegeben habe. Sinkende Mitgliederzahlen und Einnahmen hätten die evangelische Gemeinde Bergerhausen gezwungen, Personal und Gebäude auf den Prüfstand zu stellen. Dieser Prozess habe bereits 2010/11 begonnen. Man habe sich bereits „unter Schmerzen“ vom Jugendheim getrennt – und damit zur Erweiterung der Kindertagesstätte beigetragen. Auch ein personeller Abbau sei bereits – ohne Entlassungen – erfolgt, so Heidrun Viehweg.

„Von der ,Bille’ wollen wir uns nicht trennen, können sie uns aber nicht mehr leisten“, so die Pfarrerin. Was folgte, seien viele Gespräche des Presbyteriums mit möglichen Kooperationspartnern gewesen, die aber alle im Sand verlaufen seien. Über den früheren Pfarrer Philipp Neßling, dessen Herz noch immer für die Billebrinkhöhe schlägt, sei das Integrationsmodell ins Spiel gekommen, das jetzt schon seit Jahren inklusive Kulturarbeit am Standort leiste.

Der gesamte Prozess zog sich über mehrere Jahre hin

Selbst als das Integrationsmodell als Partner feststand, habe es noch einmal Jahre gedauert, bis jetzt die juristische Übergabe vollzogen werden kann. Ab 1. September ist das Integrationsmodell „wirtschaftlicher Eigentümer“ des Gebäudes und muss damit auch für dessen Erhalt sorgen. „Wir sind dafür dringend auf Spenden angewiesen“, sagt Philipp Neßling, der sich – wie alle Beteiligten – auch eine finanzielle Förderung durch die Stadt wünscht.

Schon im Vorfeld der Übergabe seien etliche aufwändige Baumaßnahmen nötig gewesen, um die entsprechenden strengen Vorgaben in Bezug auf Brandschutz, Notausgänge, Notbeleuchtung und Parkplätze umzusetzen. Das alles lohnt sich, ist Pfarrerin Heidrun Viehweg überzeugt. Was bleibe, sei der mit Kunstverglasungen gestaltete „liturgische und demokratische Gottesdienstraum und das Foyer als großzügiger, kommunikativer Treffpunkt.

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