Herzsport

Herz-Kreis in Essen-Bergerhausen hat viele Zukunftspläne

Das Team mit Patienten an den Ergometern: (v.l.) Dr. Mohsen Tekiyeh, Mitarbeiterin Maryam Shaghi, Patient Suleman Akbary, Margitta Freund, Patient Helmut Roigies.

Das Team mit Patienten an den Ergometern: (v.l.) Dr. Mohsen Tekiyeh, Mitarbeiterin Maryam Shaghi, Patient Suleman Akbary, Margitta Freund, Patient Helmut Roigies.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Essen-Bergerhausen.  Das Herzsport-Center in Essen-Bergerhausen besteht 20 Jahre. Der Verein Herz-Kreis möchte ein Vereinsheim bauen und die Gymnastikhalle vergrößern.

Seit 20 Jahren existiert das Herzsport-Center des Vereins Herz-Kreis an der Max-Keith-Straße in Essen-Bergerhausen. Der Verein würde seine Räumlichkeiten auf dem ehemaligen Coca-Cola-Gelände gern modernisieren und die Fläche des Gymnastikraums verdoppeln. Auch der Bau eines Vereinsheims auf dem Gelände ist angedacht – um Patienten, deren Partner verstorben sind, die Möglichkeit zum Austausch zu geben und die Bindung an den Herz-Kreis zu stärken, wie Dr. Mohsen Tekiyeh (67) betont. Der Kardiologe, Internist und Sportmediziner hat den Verein Herz-Kreis ins Leben gerufen und ist der erste Vorsitzende.

Wenn die Menschen den Partner verloren hätten, sinke oft auch die Motivation, mit dem Reha-Sport weiterzumachen. Für solche Projekte benötige man aber dringend Sponsoren, denn der Herz-Kreis sei kein Verein im klassischen Sinne mit zahlenden Mitgliedern, sondern erhalte Zuschüsse von den Krankenkassen. „Die Leute kommen ja mit einer Verordnung für Cardio-Sport, der dann von den Krankenkassen übernommen wird“, erklärt Margitta Freund (70), zweite Vorsitzende.

Verein nimmt im Bereich Cardio-Sport eine Vorreiterrolle ein

Der Verein Herz-Kreis, der früher an der Schürmannstraße ansässig gewesen sei, biete ausschließlich kardiologischen Reha-Sport an. In diesem Bereich nehme der Verein eine Vorreiterrolle ein, so Margitta Freund.

Im Bergerhauser Zentrum, das sich unmittelbar neben der Praxis von Dr. Tekiyeh befindet, liefen 56 Herzsportgruppen, in der Stoppenberger Dependance im St.-Vincenz-Krankenhaus weitere 14. Rund 500 Patienten würden betreut. „Die räumliche Nähe von Praxis und Sportzentrum gehört zum Konzept. Wenn es im Rahmen der Kurse einen medizinischen Notfall geben sollte, ist in einer Minute ein Arzt da“, sagt Tekiyeh.

Das Herzsport-Center ist für Tekiyeh, der aus dem Iran stammt, eine echte Herzensangelegenheit. Er habe in Bochum studiert, dann zehn Jahre im Elisabeth-Krankenhaus gearbeitet und dort schon in den 1990er Jahren Herzsportgruppen ins Leben gerufen. Gestartet sei er – damals in Kooperation mit dem Essener Sportbund – mit zwei Teilnehmern, als er gegangen sei, seien es 1200 gewesen.

Ärzte mussten erst überzeugt werden

Damals habe man die positiven Auswirkungen von Sport bei Herzerkrankungen noch gar nicht in dem Maße wie heute erkannt. „Als ich damals damit anfing, habe ich 90 Kollegen eingeladen, einer ist gekommen“, erinnert sich Tekiyeh. Inzwischen seien sowohl Ärzte als auch Krankenkassen vom Nutzen des Cardio-Sports überzeugt.

Es kämen auch viele Patienten von Kollegen ins Bergerhauser Herzsport-Center. „Die Verordnungen werden von den Krankenkassen in der Regel problemlos genehmigt, weil auch die inzwischen gemerkt haben, dass 540 Euro pro Patient und Jahr für Cardio-Sport eine preiswerte Alternative sind, weil sie Krankenhaus-Behandlungen, Operationen und Medikamente sparen helfen“, so der Kardiologe.

Für jeden Patienten werde ein individuelles Sportprogramm zusammengestellt. „Die Teilnehmer führen selbst Buch über ihre Werte und können so auch Veränderungen wahrnehmen“, so der Vorsitzende. Man leiste Hilfe zur Selbsthilfe, die meisten der Teilnehmer könnten sich nach einer entsprechenden Einführung durch die Mitarbeiter zum Beispiel selbst auf dem Ergometer verkabeln, damit ihre Werte, wie die Herzfrequenz, gemessen werden könnten.

Der älteste Patient im Herz-Kreis sei 91, viele Herzsportler kämen über Jahre. „Die Gruppen wachsen oft zu richtigen Gemeinschaften zusammen“, erklärt Margitta Freund. Wer irgendwann keine Verordnung mehr erhalte, könne Mitglied beim „Herz-Kreis Zukunft“ werden, dort den normalen Vereinsbeitrag zahlen und und in gewohnter Umgebung weiter Sport treiben.

Sieben Mitarbeiter sind in der Bergerhauser Einrichtung tätig

Im Herzsport-Center arbeiten sieben Mitarbeiter, die meisten von ihnen sind Übungsleiter. Ohne ehrenamtliche Helfer sei die Vereinsarbeit allerdings schwer zu bewerkstelligen. „Und die zu finden, wird immer schwieriger. Als wir damals hierher gezogen sind, gab es noch über 50 Helfer“, erinnert sich Dr. Tekiyeh und hofft, dass sich weitere Helfer finden.

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