Stadtteil-Geschichte

Haus Haarzopf: Hobbyhistoriker bedauert Aus für Gaststätte

Das Lokal „Haus Haarzopf" ist seit Ende Juli geschlossen. Ob es im Zentrum Haarzopfs eine neue Gaststätte geben wird, ist fraglich.

Das Lokal „Haus Haarzopf" ist seit Ende Juli geschlossen. Ob es im Zentrum Haarzopfs eine neue Gaststätte geben wird, ist fraglich.

Foto: André Hirtz / Funke Foto Services

Essen-Haarzopf.  Der Heimatforscher Herbert Schmitz erinnert an die weit über 100-jährige Tradition von Gastronomie im Haarzopfer Zentrum. Ein Treffpunkt fehle.

Seit Ende Juli ist das Restaurant Haus Haarzopf an der Kreuzung Erbach geschlossen. Das bedauert Herbert Schmitz, gebürtiger Haarzopfer und Hobbyhistoriker. Ein solcher Treffpunkt, wie er über 100 Jahre im Stadtteilzentrum existierte, sei wichtig für das soziale Leben vor Ort, findet er. Gastronomie habe an dieser Stelle eine lange Tradition. „Als Haarzopfer denkt man natürlich an das alte Haus Erbach und seine Entwicklung als kulturelles Zentrum in Haarzopfs Mitte zurück“, so Schmitz, der sich in Haarzopf ein Lokal mit gutbürgerlicher Küche wünscht.

Die Ursprünge der Gastronomie an diesem Ort gehen laut Schmitz bis ins Jahr 1869 zurück. Damals habe der erste Wirt Carl Kampmann vom Haarzopfer Hof Eichholz das Ackergrundstück „Heidkamp“ erworben und darauf 1871 die Gebäude errichtet, in denen er eine einfache Wirtschaft an der Kreuzung Raadter Straße/Hatzper Straße eröffnete.

Die Gaststätte hieß anfangs „Zum scharfen Eck“

Seine Nachfolger wurden 1887 der Metzger Hermann Heistermann aus Essen und dann 1903 das Wirtsehepaar Erbach. Heinrich Erbach und seine Frau hätten die Gaststätte „Zum scharfen Eck“ stark geprägt, hat der Haarzopfer Heimatforscher herausgefunden. „Alten Haarzopfern ist die markante Gestalt des alten Erbach noch in Erinnerung“, vermutet Herbert Schmitz.

Die einfache Dorfschenke war Treffpunkt für die Bauern der umliegenden Höfe zu einer Zeit, als Haarzopf noch wenig besiedelt und sehr ländlich geprägt war. In der Gaststätte habe sich damals ein Großteil des bürgerlichen Lebens abgespielt.

Vereine und Verbände fanden in der Wirtschaft ein Zuhause

Später sei noch der „Victoria-Saal“ an die Gaststätte angebaut worden. Turnvereine und Sänger hätten dort ein Zuhause gefunden, so der Hobbyhistoriker. Auch die Mitglieder der Hühner-, Ziegen- und Taubenzuchtvereine hätten sich dort getroffen. Bürgerliche und kirchliche Vereine hätten damals ihre Jahresfeste und Jubiläen in den Räumen der Wirtschaft „Zum scharfen Eck“ gefeiert. Auch eine frühe Poststelle habe dort in einem so genannten Postzimmer eröffnet, hat Schmitz recherchiert.

Das Wirtsehepaar habe einen großen Biergarten unter Kastanienbäumen und einen Kinderspielplatz anlegen lassen. Laut Schmitz standen die Gebäude mit dem weitläufigen Biergarten über 100 Jahre an zentraler Stelle im Stadtteil. Im Krieg war das Ensemble mehrfach schwer beschädigt worden. Die Häuser mussten erst 1972/73 weichen, als der Kreuzungsbereich Raadter/Hatzper/Humboldtstraße umgestaltet wurde.

Alte Kneipe musste in den 1970er Jahren einem Hochhaus weichen

An der Stelle der alten Gaststätte entstand ein neues Hochhaus, das bis heute den Verkehrsknotenpunkt optisch prägt. Im Untergeschoss sei 1973 das Restaurant Haus Erbach eröffnet worden. Der letzte Wirt hatte im Herbst 2016 eröffnet. „Als gebürtiger Haarzopfer kann man die Entwicklung, die zur Schließung des traditionsreichen Hauses führte, nur bedauern“, so Herbert Schmitz. „Diese Gaststätte komplett zu schließen – das kann es doch nicht gewesen sein“, so der Haarzopfer.

Die Räumlichkeiten im Haus Haarzopf seien gemütlich und einladend gewesen. Dass der Betrieb nicht so lief, wie es sich der Gastronom vorgestellte habe, könne daran liegen, dass sich zuletzt in Haarzopf ausschließlich Restaurants mit mediterraner Küche angesiedelt hätten, „die nicht unbedingt im Sinne der älteren bodenständigen Bürger Haarzopfs sind“, so Schmitz. „Als Mittagstisch darf es auch mal ein Mettwurstpfannkuchen sein oder ,Himmel und Äd’ (Apfelmus und Kartoffelbrei mit Blutwurst) aus Omas Zeiten.“

Die Vorstellung, dass an der Kreuzung Erbach keine Gastronomie mehr entstehen werde, gefällt dem Heimatforscher gar nicht: „Jetzt sollen dort Büros entstehen – als neuer Ort des Gemeinsinns? Das wäre doch schade. Haarzopf braucht eine funktionierende bürgerliche Gaststätte im Zentrum.“

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