Ehrenamt

Haarzopferin erfährt Mitgefühl und Hilfe in schwerer Zeit

Ulrike Odenthal-Breindl zeigt ein Foto ihres im Februar verstorbenen Mannes. Er engagierte sich viele Jahre für die Nachbarschaftshilfe „Rat und Tat“.

Ulrike Odenthal-Breindl zeigt ein Foto ihres im Februar verstorbenen Mannes. Er engagierte sich viele Jahre für die Nachbarschaftshilfe „Rat und Tat“.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Haarzopf.   Werner Breindl engagierte sich für die Haarzopfer Nachbarschaftshilfe „Rat und Tat“. Nach seinem Tod erfährt seine Witwe viel Unterstützung.

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Dass die Nachbarschaftshilfe „Rat und Tat“ der katholischen Gemeinde Christus König viel mehr beinhaltet als die defekte Glühbirne zu ersetzen oder den Computer zu reparieren, hat Ulrike Odenthal-Breindl jetzt erfahren. Als ihr Mann Werner Breindl Anfang Februar im Alter von 78 Jahren an Krebs verstarb, habe sie dringend Hilfe gebraucht — und bekommen. Ihr Mann war kurz nach der Gründung von „Rat und Tat“ vor sechs Jahren zu der Gruppe gestoßen und hatte sich selbst in Sachen Nachbarschaftshilfe engagiert. Zudem fuhr er bis November 2017 den Kirchenbus, der einmal in der Woche ältere Menschen zum Gottesdienst und anschließendem Kaffeetrinken bringt.

„Ich bin sehr dankbar für die Hilfe, die ich erfahren habe“, sagt Ulrike Odenthal-Breindl (73). Sie vergleicht die Unterstützung durch die Gruppe mit dem Halt, den eine Großfamilie oder Dorfgemeinschaft geben könne. Beides kenne sie aus eigener Erfahrung. Ihr Vater habe sieben Geschwister gehabt, sie selbst hat drei Brüder. „Da hat immer irgendjemand die gerade benötigten Kenntnisse“, weiß die Haarzopferin aus Erfahrung. Nach dem Tod ihres Mannes sei sie vor allem dankbar für die Unterstützung bei den notwendigen Formalitäten mit Stadt, Gericht und Beerdigungsinstitut gewesen.

Ein Mitglied von „Rat und Tat“, das nicht genannt werden will, habe engen Kontakt mit ihr gehalten und systematisch die Post mit ihr abgearbeitet. „Ich war komplett überfordert und wäre bestimmt krank geworden“, schildert sie die Situation. Ganz gleich, wie stark man sonst im Leben sei: „Gefühle der Trauer, das Verlassen-worden-sein, die Lücke im alltäglichen Miteinander, all diese Gefühle lassen einen zurückgebliebenen Menschen erst einmal stumm und fast handlungsunfähig werden“, so die Haarzopferin, die als Chefredakteurin im kirchlichen Bereich tätig war. Auch in der Zeit, als sie ihren schwer kranken Mann zu Hause und im Krankenhaus begleitete, habe ein Mitglied von „Rat und Tat“ sie stundenweise entlastet und geholfen, wichtige Dinge zu erledigen. Insgesamt sind bei der Nachbarschaftshilfe 20 Ehrenamtliche aktiv. Bisher konnten sie rund 350 Mal helfend tätig werden.

Kirchengemeinde kann eine Familie ersetzen

Für die 73-Jährige war es das erste Mal, dass sie sich mit den Themen auseinandersetzen musste, die nach dem Tod eines Angehörigen anfallen. „Meine Eltern lebten in einem kleinen Ort im Saarland. Nach ihrem Tod hat sich die Dorfgemeinschaft um alles Notwendige gekümmert“, erinnert sich Ulrike Odenthal-Breindl. „Auch eine Kirchengemeinde kann diese Funktion übernehmen und Menschen in solchen Lebensphasen auffangen.“ Um so dramatischer empfinde sie es, dass solche Strukturen im Zuge von Neuorganisation und Sparmaßnahmen im Bistum teilweise zerschlagen würden. „Es ist so wichtig, dass die Menschen wissen, dass sie nicht allein sind und Hilfe bekommen können“, weiß Ulrike Odenthal-Breindl jetzt aus eigener Erfahrung.

Die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe „Rat und Tat“ kümmert sich um Menschen in den Stadtteilen Haarzopf, Fulerum und auf der Margarethenhöhe. Die Bürozeiten im Bunten Haus, Tommesweg 30, sind montags, 10 bis 12 Uhr. Die Unterstützung ist unabhängig von Konfession, Herkunft und Alter. Kontakt: Telefon 800 54 757.

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