Sammler von Büromaschinen

Haarzopfer ist der Herr der alten Schreibmaschinen

Wolfgang Mock hat einen eigenen kleinen Ausstellungsraum in seinem Haarzopfer Haus.

Foto: Klaus Micke

Wolfgang Mock hat einen eigenen kleinen Ausstellungsraum in seinem Haarzopfer Haus. Foto: Klaus Micke

Essen-Haarzopf/Bredeney.  Wolfgang Mock aus Haarzopf sammelt historische Büromaschinen. Der Verein, den er seit 30 Jahren führt, lädt am 14. April zur Ausstellung ein.

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Der Verein Internationales Forum Historische Bürowelt lädt für Samstag, 14. April, Mitglieder und interessierte Bürger zu einer Ausstellung alter Büromaschinen ins Hotel Bredeney ein. Im Nachklang zur Grünen Hauptstadt steht die Präsentation unter dem Motto „Es grünt so grün im Büro“. Die 320 Mitglieder des deutschlandweit aktiven Vereins sammeln und restaurieren alte Büromaschinen und forschen zum Thema. Seit fast 30 Jahren ist der Haarzopfer Wolfgang Mock Präsident des Vereins und selbst leidenschaftlicher Sammler.

Der 69-Jährige hat in seinem Haus selbst ein Mini-Museum eingerichtet. Die schönsten Stücke stehen sogar als Deko-Objekte im Wohnzimmer. Ehefrau Monika Mock hat sich an den Anblick gewöhnt. „Mein Mann hat den Schrott ja schon mit in die Ehe gebracht“, sagt sie und lacht.

Das erste Objekt des Sammlers kostete 50 Mark

Wolfgang Mock kam über seinen erlernten Beruf zu seinem ungewöhnlichen Hobby. „Ich habe Büromaschinenmechaniker gelernt“, sagt er. Diese Berufsbezeichnung gebe es heute gar nicht mehr. Er absolvierte danach ein Ingenieurstudium im Metallbereich, war dann aber über 30 Jahre als Lehrer am Berufskolleg Essen-West tätig.

Sein erstes Sammlerstück sei eine Mignon AEG-Schreibmaschine mit Typenzylinder aus den 1920er Jahren gewesen, die er noch als Lehrling erwarb. „Die hat mich 50 Mark gekostet, das war damals sehr viel Geld“, erinnert sich Mock. Heute besitzt der Haarzopfer über 70 alte Schätzchen aus den Jahren 1890 bis in die 1970er. Etwa zehn Prozent seiner Sammlung machen Rechenmaschinen aus, dazu kommen historische Büroartikel wie Heftzangen, Locher, Anspitzer oder Farbbanddosen. Einige Kollegen sammelten teils auch alte Telefone oder Registrierkassen. „Mich interessieren aber vor allem Schreibmaschinen und dabei besonders die verschiedenen Anschlagsysteme“, sagt der Technikfan. Aber man könne natürlich auch nach Epochen, Firmen oder Farben sammeln. Im Keller lagere er die Maschinen nicht: „Die sind größtenteils aus Metall und würden bei Feuchtigkeit rosten.“

Infiziert mit dem Sammlervirus wurde Mock, als er während des Studiums auf ein Standardwerk zu historischen Schreibmaschinen stieß. „Da habe ich gesehen, was es alles auf dem Markt gibt, wie die Dinge funktionieren und welche Objekte besonders spannend sind“, erklärt der 69-Jährige. Gewerblich angefertigte Schreibmaschinen gebe es bereits seit etwa 1860, die Vorläufer schon seit 300 Jahren. „Natürlich restauriere ich die Maschinen auch gern selbst, habe da ja als Büromaschinenmechaniker ja gewisse Vorkenntnisse“, sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Der Verein wurde im Jahr 1981 gegründet

Über einen anderen Sammler sei er vor über 30 Jahren mit dem 1981 gegründeten Verein in Kontakt gekommen. Die Jahreshauptversammlungen mit Sammlertreffen und Börse dienten dem Austausch, aber auch dazu, doppelte Objekte der eigenen Sammlung zu verkaufen oder Ersatzteile zu erstehen. Im Internet können sich die Sammler vorher informieren, welche Maschinen bei der Ausstellung zu sehen sein werden.

Auch Ehefrau Monika Mock hat im Laufe der Jahre Interesse an den Maschinen entwickelt. Am Wochenende organisiert sie nun das Partnerprogramm, denn die Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands und dem benachbarten Ausland bringen meist ihre Partner mit. Und die wollen zum Beispiel während der Jahreshauptversammlung beschäftigt sein, in diesem Fall mit dem Besuch des Schaustellermuseums.

Eine Stadtrundfahrt gehört zum Programm

Eine Stadtrundfahrt gehöre üblicherweise zum Programm, denn man wolle ja nicht nur fachsimpeln, Maschinen kaufen und verkaufen, sondern auch den jeweiligen Ort des Treffens ein wenig kennenlernen. „Zu den Jahrestreffen fahre ich mit, da ist inzwischen ein richtiger Freundeskreis entstanden“, teilt Monika Mock das Hobby ihres Mannes. Eigentlich wollte der sein Amt als Präsident aufgeben, wird jetzt aber wohl doch noch zwei Jahre weitermachen.

Nicht nur private Sammler interessieren sich für historische Büromaschinen. „Die großen deutschen Museen sind in unserem Verein Mitglied, um durch den Internetauftritt und unsere Zeitschrift auf dem Laufenden zu bleiben, aber auch, um ihre Sammlungen zu ergänzen“, erklärt Wolfgang Mock. Anfragen von Filmproduktionen habe es schon gegeben. „Die suchen dann Schreibmaschinen, die zeitlich in ihre Handlung passen. Gegen ein kleines Entgelt können sie die Geräte nutzen“, sagt Mock. Vorher müssten Versicherungsfragen geklärt werden.

Einige Maschinen sind kompliziert zu bedienen

Einige der Schreibmaschinen aus der Sammlung des Haarzopfers sehen nicht nur kompliziert aus. „Oft ist auch die Bedienung ganz schön kniffelig. Jedenfalls brauchte man bei vielen der Geräte sehr lange, bis der Text fertig war. Aber die Leute hatten damals ja Zeit“, erläutert er. Den Herstellerfirmen sei die komplizierte Bedienung wohl durchaus bewusst gewesen. „Beim Kauf der Maschinen konnte man das Personal, das in der Handhabung geschult war, gleich dazu bekommen“, weiß der Haarzopfer. Er freue sich jedenfalls darauf, wenn am Samstag, 14. April, viele Bürger kommen, die ihre eigenen – in diesem Fall grünen – Schätzchen mitbringen, die dann auf Wunsch auch von den Experten bewertet werden.

Die Ausstellung findet am Samstag, 14. April, ab 14 Uhr, im Hotel Bredeney, Theodor-Althoff-Straße 5, statt. Oberbürgermeister Thomas Kufen eröffnet die Präsentation, zu der rund 50 Sammlererwartet werden. Interessierte können – falls vorhanden – ihre eigenen grünen, historischen Büromaschinen mitbringen. Die drei schönsten Exemplare werden prämiert.

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