Bürgerverein

Haarzopfer Gruppe entdeckt das Boulespiel für sich

Die Boule-Gruppe des Bürgervereins Haarzopf/Fulerum spielt jeden Sonntag ab 11 Uhr Boule im Bürgerpark Auf`m Bögel. Punkte bekommt das Team, dessen Kugeln dem Zielschwein (hier gelb) am nächsten kommen.

Die Boule-Gruppe des Bürgervereins Haarzopf/Fulerum spielt jeden Sonntag ab 11 Uhr Boule im Bürgerpark Auf`m Bögel. Punkte bekommt das Team, dessen Kugeln dem Zielschwein (hier gelb) am nächsten kommen.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen-Haarzopf.  Französisches Flair in Haarzopf: Jeden Sonntag treffen sich rund 20 Frauen und Männer vormittags im Bürgerpark Auf `m Bögel zum Boulespielen.

Die Wiese im Bürgerpark ist überfroren, beim Ausatmen bilden sich kleine Nebelschwaden. Immerhin strahlt die Sonntags-Sonne vom postkartenblauen Spätherbsthimmel. Eine Farbe fast wie in Südfrankreich. In dicken Jacken, Schals und Mützen stehen etwa 20 Frauen und Männer um kurz nach 11 Uhr in der Grünanlage Auf’m Bögel an zwei Bänken. Matthias Krebsbach öffnet eine rechteckige Holzkiste. Darin liegen acht glänzende Kugeln, je zwei mit derselben Riffelung. Krebsbach nimmt eines der Paare für sich heraus, die anderen leiht er den Mitspielern. Nicht alle haben eigene Kugeln. Zunächst in einer, später in zwei Gruppen werden einige Runden gespielt. „Boule“, meint Günter Feltes, „ist ein richtig schönes Glücksspiel.“ Jetzt hoffen sie auf eine zweite Bahn und weitere Mitspieler.

Mit einem „Klack“ stößt seine silberne Metallkugel eine andere weg, rollt ein paar Meter weiter und bleibt am Ende dicht neben der kleinen, gelben liegen. „Oooh“, staunen die Mitspieler. Doris Martin, Kassiererin im Bürgerverein, schaut konzentriert auf das scheinbare Durcheinander der vielen Kugeln vor ihr auf der Schotterbahn. In der rechten Hand ihre erste Kugel, peilt sie mit dem Arm das Zielschwein an. Langsam pendelt sie mit dem rechten Arm nach hinten. Dann streckt sie ihn schwungvoll nach vorn, wobei sich ihre Finger von der Kugel lösen. Die Hand zeigt in Zielrichtung. Die anderen beobachten den Wurf vom Bahnende aus und schauen, wo die Kugel liegenbleibt. Erika Ley misst kurz nach und jubelt: „Jetzt liegen die Frauen vorn“, ruft sie. Feltes stichelt: „Freut euch bloß nicht zu früh.“

Schon in der Antike gab es die ersten Kugelspiele

Boule, das Hobby der Haarzopfer aus dem Bürgerverein im Stadtteil, hat eine lange Tradition. Bereits 460 vor Christus sollen griechische Ärzte – unter anderem der berühmte Hippokrates – ein Spiel mit Steinkugeln empfohlen haben. Im zweiten Jahrhundert nach Christus warf man Bälle auf einen Ziegel. Der Verlierer musste den Sieger auf Schultern ins Ziel tragen. „Aber das wollen wir hier lieber nicht einführen!“, sagt Hermann Lange (78) und lacht. Selbst wenn die Wurzeln des italienischen Boccia (Plastikkugeln) und des französischen Boule – beides heißt übersetzt „Kugel“ - nach Ansicht von Historikern im antiken Vorläufer stecken.

Mit einer Harke schiebt Siggi Hay das Laub auf dem Spazierweg zur Seite und präpariert so gut es geht eine zweite Bahn. Provisorisch. Die Gruppe teilt sich nun in vier Teams, die jeweils zu fünft gegeneinander antreten. Arno Leibold (68) gehört seit 2017 mit Ehefrau Evelyn Lange zum festen Kreis. Nein, französischen Rotwein als Zielwasser brauche man nicht, auch wenn das im Nachbarland so üblich sei. Mit dem Fuß zieht Hay noch die Startlinie in den Sand, dann wirft er das Schweinchen. Die nächste Partie kann beginnen.

In Tunesien lernte Hermann Lange Boule kennen

Die Zeit vergeht wie im Flug. Geboult wird abwechselnd, immer solange, bis ein Team eine Kugel hat, die dem Ziel am nächsten kommt. Für jede Kugel, die am dichtesten beim Schweinchen liegt, gibt es einen Punkt. Bei 13 ist Schluss. Der Rüttenscheider Hermann Lange, Initiator der Gruppe, ist jeden Sonntag dabei. Bei einem Langzeiturlaub 2014 in Tunesien hat er das Hobby lieb gewonnen. Zuhause wollte er weitermachen und entdeckte vor rund zwei Jahren die Haarzopfer Boule-Anlage. Über den Bürgerverein fanden sich bald genug Mitstreiter. Und immer wieder stoßen weitere hinzu.

Lange ist groß und schlank und mehr der „Leger-Typ“, erläutert er. Das Ziel visiert er an und wirft mit Feingefühl. Gerade mal ein Finger bleibt zwischen seiner Kugel und dem Schwein. Ein Punkt fürs Team. Dann versuchen die anderen ihr Glück. Erika Ley, sportlich auch im SuS Haarzopf aktiv, katapultiert Langes Treffer gekonnt ins Abseits: „Klack“, so schnell kann sich das Blatt wenden. In der Terminliste des Bürgervereins ist das Angebot als „Boccia“ ausgeschrieben. „Da nimmt man es nicht so genau“, sagt Ingrid Hay gelassen und reibt mit einem Lappen über ihre Kugeln. „Ich putze, bis sie in der Sonne spiegeln und die anderen blenden“, blufft sie. Auch sie ist eine gefürchtete „Schießerin“, schwört aufs kraftvolle Verdrängen anderen Kugeln, um die eigene möglichst nah am Ziel zu platzieren.

Die Haarzopfer schieben sonntags die ruhige Kugel

Die Metallbälle ähneln sich nicht nur äußerlich, sondern auch vom Gewicht. Eine wiegt zwischen 680 und 750 Gramm. „Die für Damen sind leichter“, weiß Lange. Er spielt als Einziger mit Kugeln aus schwarzem Carbonstahl, hergestellt vom Marktführer Obut, der Mercedes beim Boule. Davon lassen sich die Mitspieler nicht irritieren. Sie schieben weiter die ruhige Kugel und sehen das Ganze gelassen.

An externen Wettbewerben ist keiner interessiert, und man gehört auch nicht zum Boule-Verband. Im Vordergrund steht Spaß und Miteinander. Klaus Kukulies hat früher Sport unterrichtet. Übers Spiel im Bürgerpark hat er neue Kontakte gefunden. „Man unterhält sich und lacht viel“, erklärt er.

Solange es trocken ist, rollen die Kugeln auch im Winter. Lange zeigt die Handschuhe mit den halben Fingern. „13 Punkte, Ende“, ruft Erika Ley. „Die Damen haben gewonnen.“ Auch Siegfried Hay (81) ist ein Sieger: Er hat bei den Damen mitgemacht. Mit einem speziellen Magneten an einer Schnur hebt Krebsbach ohne Bücken geschickt seine Kugeln auf und packt sie zurück in die Holzkiste. „Eine zweite Bahn im Park wäre prima“, sagt er. Die steht auch beim Bürgerverein auf der Wunschliste. „Wir würden die Sache privat unterstützen.“ Wie 2017, als einige Mitglieder den verwilderten Platz in Eigenregie herrichteten.

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