Bürgerinitiative

Haarzopfer Bürgerinitiative kämpft gegen Freiflächenbebauung

Jörn Benzinger steht an der Freifläche am Harscheidweg, die als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist.

Jörn Benzinger steht an der Freifläche am Harscheidweg, die als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Haarzopf/Fulerum.  Haarzopfer vermissen Transparenz bei den Neubau-Plänen der Stadt und gründen deshalb eine Bürgerinitiative. Weitere Aktionen sind geplant.

Eine neu gegründete Bürgerinitiative kämpft gegen die Bebauung von Landschaftsschutzgebieten und Randflächen in Haarzopf und Fulerum. Bei einer ersten Versammlung am Montag, 30. September, wollen die Initiatoren prüfen, wie groß das Interesse der Bürger an diesem Thema ist. „Dabei wollen wir das weitere Vorgehen besprechen“, sagt Jörn Benzinger (38), Mitinitiator der Bürgerinitiative. Diese hat sich das Motto „Finger weg von Freiluftflächen! Für eine zukunftsorientierte und klimaschützende Wohnbauentwicklung in Haarzopf und Fulerum“ gegeben.

Ergebnisse von zwei Planungsworkshops sind in der Diskussion

Der Wunsch, sich gegen die Bebauung von weiteren zusammenhängenden Freiflächen in den Stadtteilen zu engagieren, sei bei der Bürgerversammlung im Rahmen des Haarzopfer Sommerfestes (Gesofe) entstanden. Dort waren die Ergebnisse des städtischen Bürgerworkshops „Wo wollen wir wohnen?“ vom November 2018 diskutiert worden. Die dort für eine Bebauung favorisierten Flächen waren im Januar 2018 von den Teilnehmern eines anderen Workshops, den der Bürgerverein Haarzopf-Fulerum organisiert hatte, abgelehnt worden.

„Bei der Gesofe-Versammlung im Bürgerpark ist mir und wohl auch einigen anderen aufgefallen, dass wir über das Thema gar nicht wirklich informiert sind, obwohl es uns direkt betrifft. Die von der Stadt immer wieder betonte Transparenz existiert nicht“, so Benzinger. Der promovierte Amerikanist und Vater eines anderthalbjährigen Sohnes sorgt sich um das Klima der Zukunft.

„Ich weiß nicht, wie man in Zeiten von Klima-Demos und Fridays for Future überhaupt auf die Idee kommen kann, die für das Klima so wichtigen Freiflächen bebauen zu wollen“, sagt der gebürtige Mülheimer, der mit seiner Familie seit viereinhalb Jahren in Haarzopf, der Heimat seiner Frau, lebt.

Baulücken könne man für den Wohnungsbau nutzen

„Wir sind gar nicht generell gegen Bebauung, wenn man auch anzweifeln kann, dass die Bevölkerung tatsächlich in dem Maß wächst, wie die Stadt uns glauben macht“, so der Haarzopfer, der nichts gegen Lückenbebauung einzuwenden hat. „Die Flächenvorschläge, die aus dem Workshop des Bürgervereins hervorgegangen sind, sind prinzipiell ja nicht verkehrt“, so Benzinger. Er führt als Beispiel das Erdbeerfeld an der Humboldtstraße in Fulerum an, wo man die Bebauung sinnvoll ergänzen könne. Das Verfahren der Stadt zur Ermittlung von Bauflächen entbehre nicht nur jeder wissenschaftlichen Grundlage, sondern führe auch nicht zu gerechten Ergebnissen.

Viele seiner Nachbarn seien ebenfalls nicht richtig über die Baupläne der Stadt informiert. „Deshalb haben wir mit sechs Leuten aus verschiedenen Teilen Haarzopfs und Fulerums ein erstes Treffen veranstaltet und beschlossen, mit Flyern zu der Versammlung einzuladen“, so Benzinger, der als Wissenschaftsmanager an der Ruhruniversität Bochum arbeitet. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Bürgeraktionen gegen die Bebauung von Freiflächen in Haarzopf gegeben, so auch 2015/2016, als Flächen für die Unterbringung von Flüchtlingen im Gespräch waren.

Die Politik will sich im November mit der Planung befassen

Die Zeit für mögliche Aktivitäten wie Unterschriftenaktionen, Info-Stände oder Demos dränge, denn schon Anfang November stehe das Thema bei der Politik auf der Agenda, so Benzinger. Er und seine Mitstreiter befürchten, dass man die Interessen von möglichen Investoren in den Mittelpunkt stelle und so mancher Landbesitzer nur seinen finanziellen Vorteil sehe, wenn aus Acker- dann Bauland werde. „Dabei sind die Freiflächen so wichtig für die Kühlung“, so der Haarzopfer, der auch auf die Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein setzt.

Der Bürgerinitiative gehe es vor allem darum, die Freiflächen am Harscheidweg, sowie Areale rechts und links der Raadter Straße zu erhalten. „Deshalb wollen wir die Bürger informieren und mobilisieren, ein Erkennungszeichen für unsere Gruppe finden und uns mit anderen Bürgerinitiativen mit ähnlichen Zielen, wie in Schönebeck, zu vernetzen.“ Im nächsten Schritt wolle man sich dann mit den Politikern in Verbindung setzen.

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