Schulprojekt

Gymnasium in Essen-Bredeney testet Bewegungsprojekt

Französischunterricht der besonderen Art: Schüler des neunten Jahrgangs der Goetheschule in Essen-Bredeney verbinden Sprache und Bewegung. Die Schüler und Lehrerin Claudia Kühl ( 4. v.r.) sind von dem Projekt begeistert.

Französischunterricht der besonderen Art: Schüler des neunten Jahrgangs der Goetheschule in Essen-Bredeney verbinden Sprache und Bewegung. Die Schüler und Lehrerin Claudia Kühl ( 4. v.r.) sind von dem Projekt begeistert.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Bredeney.  Ein vom Land gefördertes Bewegungsprojekt soll die Konzentrationsfähigkeit der Schüler verbessern. An der Goetheschule in Essen kommt es gut an.

Französischunterricht an der Goetheschule in Essen-Bredeney: Heute werden allerdings nicht einfach stumpf Grammatik und Vokabeln gepaukt, sondern es kommt Bewegung in die Sache. Jeder Schüler bekommt eine Vokabel zugeteilt, anschließend laufen die Mädchen und Jungen durch den Raum, klatschen sich ab, „tauschen“ die Wörter und müssen sich die Vokabel des jeweils anderen merken.

Bewegungsspiele wie dieses im Differenzierungskurs der neunten Jahrgangsstufe sind Bestandteil des Projekts „Schule mit Schwung“, das sich an der Goetheschule gerade in der Testphase befindet. Das Projekt wird vom Landesministerium für Schule und Bildung, der Unfallklasse NRW und den nordrhein-westfälischen Bezirksregierungen gefördert. Es soll spielerisch die Selbstregulation und Konzentrationsfähigkeit der Schüler verbessern.

Springen, drehen, in die Luft springen: Die Schüler müssen schnell reagieren

In der Praxis sieht das dann so aus: Nach einem eher trockenen Grammatikteil wird eine Bewegungsübung eingebaut. Da konjugiert Französischlehrerin Lehrerin Claudia Kühl beispielsweise ein Verb und und die Schüler müssen – je nach Zeitform – schnell reagieren: in die Hocke gehen bei der Gegenwartsform, sich im Halbkreis drehen beim Passé Composé oder in die Luft springen bei der Vergangenheitsform.

„Die Übungen dienen drei Zwecken“, erklärt Schulleiterin Nicola Haas das Konzept von „Schule mit Schwung“. Zunächst solle das sogenannte Arbeitsgedächtnis – ein besonderer Teil des Kurzzeitgedächtnisses – der Schüler trainiert werden. Dies geschieht bei allen Spielen, bei denen sie sich trotz parallel gestellter Anforderungen bestimmte Regeln oder Abfolgen merken müssen: zum Beispiel, wenn sie zusätzlich zu den Bewegungen für die Tempi der französischen Verben auch noch ein Handzeichen für die erste bis dritte Person Singular und Plural behalten müssen.

Kognitive Flexibilität ist währenddessen bei Übungen gefordert, deren wechselnde Anforderungen eine schnelle Anpassung verlangen. Im Unterrichtsalltag soll das bewirken, dass sich Schüler schnell auf neue Situationen einstellen und den Fokus ihrer Aufmerksamkeit wechseln können – aber auch, dass sie aus Fehlern lernen und offen für die Argumente anderer sind.

Bessere Impulskontrolle und Konzentration der Schüler sind erhoffte Resultate

Zu guter Letzt schulen Übungen, bei denen bestimmte Impulse unterdrückt werden müssen, die Reaktionshemmung der Kinder und Jugendlichen. „Das ist vielleicht der wichtigste Punkt für die Lehrer“, so Haas. Denn als Resultat erhofften sich die Pädagogen, dass sich Schüler beispielsweise meldeten, statt einfach reinzurufen, im Unterricht nicht mit ihren Gedanken abschweiften und Störreize – zum Beispiel durch eine laute Umgebung – ausblendeten.

Schon in der Testphase zieht Nicola Haas eine positive Bilanz. „Wir hatten befürchtet, dass das Projekt eher bei den jüngeren Schülern gut ankommt und die älteren zu passiv sein könnten. Aber sie machen alle begeistert mit.“ In der Tat: Die Abwechslung im Unterricht gefällt den Schülern. „Die Spiele machen Spaß und nachdem man sich bewegt hat, kann man sich besser konzentrieren“, sagt Max (14). Und Cosima (14) findet: „Die Spiele lockern alles auf. Das ist wie eine kleine Pause, nur dass man noch was dabei lernt.“ Ob die Schulstunden so mehr Spaß machen als normalerweise? - „Auf jeden Fall“, bestätigt Cosima.

Projekt kommt schon jetzt gut bei Lehrern und Schülern an

Auch Lehrerin Claudia Kühl stellt dem Projekt bereits jetzt ein gutes Zeugnis aus, die Bewegungsspiele wirkten sich sehr positiv auf die Konzentrationsfähigkeit ihrer Schützlinge aus: „Ich merke, dass ich nicht mehr um die Aufmerksamkeit der Schüler kämpfen muss. Sie sind viel fokussierter.“ Normalerweise sei es zum Beispiel eher schwierig, eine reine Grammatikstunde zu unterrichten. „Inzwischen fragen mich die Schüler manchmal, ob wir Verben konjugieren können.“

Aktuell wird „Schule mit Schwung“ in einem lockeren Rahmen getestet: Alle Lehrer der Fachschaft Sport machen mit, darüber hinaus diejenigen, die sich speziell dafür interessieren. Nach der Testphase steht dann eine Bewertung an. Sollte das Projekt die gewünschten Effekte erzielen, soll bis zum nächsten Schuljahr ein Konzept erarbeitet werden, wie die Bewegungsspiele systematisch in den Unterricht integriert werden können.

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