Fotografie

Gartenfotografie – wenn Bilder plötzlich duften

Eine Aufnahme aus dem aktuell erschienen Buch „Der Garten ist niemals fertig“. Es zeigt Akelei und Tulpen.

Eine Aufnahme aus dem aktuell erschienen Buch „Der Garten ist niemals fertig“. Es zeigt Akelei und Tulpen.

Foto: Marion Nickig

Essen-Rüttenscheid.   Die Rüttenscheiderin Marion Nickig ist professionelle Gartenfotografin. Für Zeitschriften und Bücher ist sie unterwegs, um grüne Idyllen im Bild festzuhalten. Ganz ohne botanisches Fachwissen geht das nicht.

Das Thema haut die junge Studentin Marion Nickig Anfang der 1980er-Jahre nicht unbedingt vom Hocker: „Pflanzen der Toskana“. Die Grafikdesign-Gruppe der Folkwang-Universität hat sich mit ihrem Professor, dem renommierten Grafiker Willy Fleckhaus, auf den Weg nach Carrara gemacht. „Andere Gruppen durften den Marmor fotografieren, wir die Blümchen. Da haben einige lange Gesichter gemacht“, erinnert sich die 58-Jährige heute. Seit 30 Jahren ist sie professionelle Gartenfotografin.

Denn ihre Ergebnisse aus der Toskana können sich sehen lassen. „Das Bild duftet“, bescheinigt ihr Professor ihr damals und schickt sie wenig später für das Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach England. „Als ich den ersten englischen Garten sah, hat mich das grüne Fieber gepackt“, sagt die Rüttenscheiderin, die von ihrer Wohnung aus direkt in einen dicht bewachsenen Hinterhof schaut. Für einen eigenen Garten habe sie einfach keine Zeit, „dafür stellt sich beim Fotografieren in den Gärten aber oft Entspannung ein“, sagt Marion Nickig.

Auf den Spuren von Goethes Gärten

Im Laufe der Zeit ist sie hinter der Linse zur Botanik-Expertin geworden. Nickig weiß, in welchem Stadium die Blüte der jeweiligen Pflanzen besonders fotogen ist, kennt in den meisten Fällen ihre spezifischen Sorten und lateinischen Namen und weiß vor allem, wie sie die bunte Pracht ins richtige Licht setzt.

„Frühmorgens und abends ist die beste Zeit. Dabei muss jeder Termin genau geplant werden. Auf gut Glück drauf los zu fotografieren, ist selten erfolgreich“, sagt Nickig, die in ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland unterwegs ist, um kleine und große grüne Idyllen festzuhalten. Einer ihrer jüngsten Aufträge führte sie nach Weimar, wo sie die Gärten Goethes fotografierte. „Mit Goethe im Garten“, heißt das beeindruckende Ergebnis auf 159 Seiten, das sie gemeinsam mit Autorin Renate Hückig im Callwey-Verlag herausbrachte. Darüber hinaus sind es vor allem Garten- und Wohnzeitschriften, in deren Auftrag Nickig fotografiert. Dabei profitiert auch sie vom wachsenden Trend zum eigenen Garten und der neuen „Lust auf draußen“. „In der Erde wühlen erdet tatsächlich“, hat Nickig beobachtet. Sei Gärtnern in England etwa längst Volkssport, erreiche dieser Trend auch Deutschland langsam – zumindest im privaten Bereich.

Dem Grugapark, der so etwas wie Marion Nickigs zweites Zuhause ist, fehlten hingegen immer mehr öffentliche Mittel, bedauert die Fotografin: „Wo ich früher blühende Teppiche fotografiert habe, ist heute nur noch Rasen eingesät. Das ist wirklich schade.“ Regelmäßig bietet sie im Grugapark Seminare in Gartenfotografie an. Der Termin am Samstag ist restlos ausgebucht, im Herbst möchte sie einen zweiten Termin anbieten. „Frühling und Herbst sind die perfekten Jahreszeiten. Dann ist das Licht warm und die Zahl der Motive endlos. Im Mai und Juni ist bei mir an Freizeit nicht zu denken“, blickt Nickig auf die nächsten Wochen. Dafür wird sie aber einen Großteil ihrer Zeit unter freiem Himmel verbringen – ein Grund, warum sie ihren Beruf so liebt. Und aus „Blümchen fotografieren“ heute Kunst geworden ist.

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