Aus der Kirche

Evangelische Gemeinden fusionieren aus eigener Initiative

Sie erarbeiten gemeinsam die Fusion: (v.l.) Harald Treptow, Henrike Kattein, Henny Dirks-Blatt, Jürgen Brosch und Joachim Lauterjung vor dem Gustav-Adolf-Haus auf der Margarethenhöhe.

Foto: Andre Hirtz

Sie erarbeiten gemeinsam die Fusion: (v.l.) Harald Treptow, Henrike Kattein, Henny Dirks-Blatt, Jürgen Brosch und Joachim Lauterjung vor dem Gustav-Adolf-Haus auf der Margarethenhöhe. Foto: Andre Hirtz

Essen-Bredeney/Margarethenhöhe.   Die evangelischen Gemeinden Bredeney und Margarethenhöhe schließen sich zum 1. Januar 2020 zusammen. Mitte März soll der neue Name feststehen.

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Während der aktuell laufende Pfarreientwicklungsprozess im Bistum Essen für viele Katholiken sehr schmerzhaft ist, gehen die evangelischen Christen auf der Margarethenhöhe und in Bredeney einen anderen Weg: Sie bereiten aus eigener Initiative derzeit ihre Fusion zum 1. Januar 2020 vor – und freuen sich auf die Gründung einer neuen Gemeinde unter neuem Namen. Der Name soll bereits auf einer Klausurtagung der beiden Presbyterien Mitte März gefunden werden. Die Gemeindeglieder haben über 100 Vorschläge gemacht.

Stefan Koppelmann, Sprecher der evangelischen Kirche in Essen: „Zurzeit wollen in Essen nur diese beiden evangelischen Gemeinden fusionieren.“ Früher habe es ähnliche Fälle bereits gegeben. „Der finanzielle Aspekt steht bei dem Zusammenschluss nicht im Vordergrund, auch wenn sich durch Synergieeffekte Einsparungen ergeben werden“, sagt Henny Dirks-Blatt, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde Margarethenhöhe.

Alle drei Standorte der beiden Gemeinden – das Gustav-Adolf-Haus auf der Margarethenhöhe und die Kirchen am Brandenbusch und am Heierbusch in Bredeney – sollen bis auf Weiteres erhalten bleiben. Dort wird es weiterhin Gottesdienste geben. „Die Diskussion um die Standorte verändert sich durch die Fusion nicht“, erklärt Harald Treptow, Presbyteriums-Vorsitzender der evangelischen Gemeinde Bredeney. Dort gibt es seit Jahren eine Diskussion über die beiden Standorte.

Die Idee zur Fusion hat sich über Jahre entwickelt

Die Idee, enger zusammenzuarbeiten, habe sich über Jahre entwickelt. Im Pfarrkonvent treffen sich die Pfarrer aus dem Umfeld regelmäßig, besprechen zum Beispiel den Sommer-Predigtplan und die Vertretungen für die Urlaubszeit. Schon jetzt vertreten sich die Pfarrerin von der Margarethenhöhe und der Bredeneyer Pfarrer in der Regel gegenseitig. „Die jeweils anderen Gemeindeglieder sollen uns schon mal kennenlernen“, sagt Henny Dirks-Blatt. Bei Pfarrer Lauterjung hat das offenbar schon funktioniert: „Ich wurde schon mal mit ,Da ist ja unser Pfarrer’ auf der Margarethenhöhe begrüßt.“

Im Laufe vieler Gespräche kamen die Gemeindevertreter überein, die Zusammenarbeit weiter zu bündeln und die Gemeinden letztlich zusammenzulegen. Grund dafür seien sinkende Mitgliederzahlen und der Mangel an Pfarrern, der sich in Zukunft noch stärker bemerkbar machen werde, wenn die geburtenstarken Jahrgänge pensioniert würden, wie Harald Treptow betont.

Landeskirchliche Beschlüsse sind erforderlich

Ganz bewusst soll nicht eine Gemeinde in der anderen aufgehen, sondern eine komplett neue entstehen. Der Entschluss zur Fusion komme nicht von irgendeinem übergeordneten Gremium, wenngleich bis zum Stichtag noch einige landeskirchliche Beschlüsse erfolgen müssten. „Die Gemeinden bestimmen selbst, wo es langgeht. Es ist eine Liebesheirat, keine Zwangsehe“, betont die Bredeneyer Presbyterin Henrike Kattein. Von den Mitgliedern habe man bisher eigentlich nur Zustimmung erfahren. „Wir wollen ja nichts wegnehmen, sondern Neues schaffen“, betont Joachim Lauterjung, Pfarrer der Gemeinde Bredeney.

Wenn die Gemeinden Bredeney mit 3200 und Margarethenhöhe mit 2200 Mitgliedern zusammengelegt werden, wird nur noch ein Presbyterium zuständig sein. „Die Presbyteriumswahlen im Rheinland 2020 haben deshalb sozusagen den Fusionstermin bestimmt. Es kann dann direkt ein Gremium gewählt werden, und wir müssen uns keine Gedanken über eine Übergangslösung machen“, so Pfarrerin Dirks-Blatt, die stolz darauf ist, dass ihre Gemeinde zuletzt zweimal sogar geringfügige Zuwächse verzeichnen konnte.

Suche nach neuem Namen und neuem Konzept

Die Suche nach einem neuen Namen, mit dem sich beide Gemeinden identifizieren können, geht einher mit der Erstellung eines gemeinsamen Konzepts. In die Arbeit sollen auch die engagierten Laien beider Gemeinden einbezogen werden. „Erst einmal werden die Gruppen der Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit getrennt weitergeführt. Gerade bei diesen Gruppen, die nicht so mobil sind, ist das wohl auch auf Dauer sinnvoll“, sagt Pfarrerin Dirks-Blatt. Bei Erwachsenenkreisen oder den Chören könne dagegen die Zusammenlegung Vorteile bringen.

Nach der Fusion soll es nur noch einen Gemeindebrief geben. Bereits jetzt tausche man Artikel aus. Arbeitsgruppen befassten sich angesichts der geplanten Fusion mit Themen wie Seelsorge, Öffentlichkeitsarbeit, Ehrenamt und Ökumene. „Gerade letzteres wird wichtig bleiben“, so Presbyter Harald Treptow. Man stehe in engem Kontakt mit den Katholiken von St. Markus in Bredeney und Zur Heiligen Familie auf der Margarethenhöhe und könne sich einen intensiveren Austausch vorstellen.

Die Zusammenarbeit wird weiter verstärkt

Er empfinde es als „sehr beglückend“, wie die Gremien den nicht alltäglichen Prozess begleiteten. Das reibungslose Zusammenwachsen hänge natürlich auch von den handelnden Personen ab. Man verstehe sich gut, arbeite konstruktiv zusammen. Schon jetzt stimme man Termine untereinander ab, um sich nicht gegenseitig die Besucher wegzunehmen. „Die Helfer des Eine-Welt-Standes bestellen schon länger gemeinsam Waren“, sagt Pfarrer Lauterjung. Auch wegen der räumlichen Nähe und der guten Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln komme es zu genau dieser Fusion. Die Zusammenarbeit mit den anderen evangelischen Gemeinden der Umgebung gehe natürlich weiter.

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