Schafzucht

Essener züchtet in seiner Freizeit seltene Jacobschafe

Thomas Haffner und Hund Carrie mit seiner kleinen Herde Jacobschafe auf einer Wiese an der Eststraße in Haarzopf. Er ist bemüht, den Kotten seiner Familie zumindest in Teilen wieder ursprünglich zu nutzen. Dazu gehört auch die Schafzucht, die er seit 15 Jahren als Hobby betreibt.

Thomas Haffner und Hund Carrie mit seiner kleinen Herde Jacobschafe auf einer Wiese an der Eststraße in Haarzopf. Er ist bemüht, den Kotten seiner Familie zumindest in Teilen wieder ursprünglich zu nutzen. Dazu gehört auch die Schafzucht, die er seit 15 Jahren als Hobby betreibt.

Foto: Stefan Arend

Essen-Haarzopf.   Thomas Haffner hat vor Jahren seine Liebe zum Jacobschaf entdeckt. Mit der Hege der seltenen Rasse setzt er ein Zeichen für regionale Tierzucht.

Die Schafherde von Thomas Haffner ist eher klein: 18 Vierbeiner, darunter acht Lämmer trippeln derzeit über die Wiese an der Eststraße in Haarzopf. Nichts Außergewöhnliches, möchte man meinen, denn auch in Essen – in Schuir oder beispielsweise in Frohnhausen – finden sich hier und da immer mal wieder ein paar der zotteligen Woll-Lieferanten. Doch Haffners Hobby sind Jacobschafe – das macht sie besonders.

Wenn Thomas Haffners Hütehund Carrie über die Wiese flitzt, um die Schafe zusammen zu halten, dann muss er sich vor Darran in Acht nehmen. Darran ist der Bock der Herde, hat kräftige Hörner und ist stets um das Wohl seiner Weibchen, die Zibben, bedacht. Die haben übrigens auch Hörner, im Gegensatz zu herkömmlichen Wollschafen, allerdings längst nicht so imposante wie ihr Oberhaupt.

Der Schafbock ist ein echter Schotte

„Darran ist ein echter Schotte“, klärt Thomas Haffner auf. So steht es auch in seinen Papieren und Stammbuch. Für Züchter ist die Abstammung wichtig, um die rassetypischen Merkmale zu erhalten: Gesicht mit rein weißer Blesse, gleichmäßig schwarze Backen und möglichst dunkler Nase, gepaart mit kleinen Ohren. „Der deutsche Markt ist leer. Wenn überhaupt sollte man seine Tiere in Schottland oder in Holland kaufen.“

Bundesweit schätzt Haffner den Bestand auf 200 Stück – in NRW vielleicht auf 40. Jacobschafe genießen also, zumindest hierzulande, Seltenheitswert. Was sich auch im Preis niederschlägt. Für Darran berappte Haffner 1000 Euro, inklusive Transport. Ein Weibchen gibt es für rund 300 Euro, doch das ist immer noch dreimal teurer als die schneeweißen Verwandten.

Das Jakobschaf stammt vermutlich aus Kleinasien, ist heute aber vorrangig in Großbritannien beheimatet, wo es zur Landschaftspflege, also als lebender Rasenmäher, und zur Wollgewinnung eingesetzt wird. Letzteres verdankt es seiner besonderen Eigenart, mehrfarbig zu sein. Kenner, also Handspinner, Filzer und Weber, schätzen die melierte Wolle, weil sie wunderbar glänzt und eine gute Elastizität besitzt. Wegen der vielen braunen Farbtöne entstehen einzigartige Produkte. Auch deshalb, weil kein Jacobschaf so gefleckt ist, wie das andere. Individualisten, durch und durch.

Mit der Zucht begann Thomas Haffner vor rund 15 Jahren. „Vorher hatte ich Braunschafe, doch die waren einfach zu anfällig.“ Dagegen sind Jacobschafe, für deren Name übrigens der biblische Hirte Jacob Pate stand, hart im Nehmen, gelten als genügsam und robust. Die Zibben gebären in aller Regel Zwillinge, manchmal sogar drei Lämmer auf einen Schlag.

IG Jacobschafe trifft sich einmal pro Jahr

Nachzulesen ist dies und alles weitere Wissenswerte beispielsweise auf der Webseite der Interessengemeinschaft der Jakobschaftzüchter (jakobschafe-ig.de), der auch Thomas Haffner angehört. Dort wird er als einer von vier Züchtern in NRW geführt. Die IG versteht sich nicht als Verein, sondern als bundesweite Runde Gleichgesinnter, die keinen Vorstand besitzt, sich aber regelmäßig einmal pro Jahr zum Gedankenaustausch trifft.

Doch Thomas Haffner verfolgt noch eine weitere Intention: „Wir versuchen hier in Haarzopf den seit Generationen im Familienbesitz befindenden Kotten in Teilen seine ursprüngliche Funktion wiederzugeben.“ Dazu gehört neben einem Bauerngarten zur Selbstversorgung auch eine Streuobstwiese mit alten Obstsorten und eben die Schaf- und Hühnerzucht alter Landrassen. Neben den Weiden wurde ein erheblicher Teil des Grundstücks zudem in einen sehenswerten Staudengarten umgewandelt, der einen Schwerpunkt des Grundstücks darstellt und auch den größten Teil der Zeit beansprucht.

„Regionale Tierhaltung ist möglich. Man muss nur wollen“

„Ich möchte den Menschen zeigen, dass in unser schnelllebigen Zeit nicht nur Massentierhaltung, sondern auch regionale Tierhaltung durchaus möglich ist“, erklärt Haffner. „Man muss es eben auch wollen.“ Er selbst arbeitet bei der Stadt – als Verwaltungsprüfer im Rechnungsprüfungsamt. Mit Ackerbau und Viehzucht hat das also wenig gemein, dennoch hat sich Haffner gleich in die Jacobschafe verliebt: „Ich habe sie erstmals auf einer großen Landwirtschaftsmesse gesehen. Da war mir klar: „Die muss ich einfach haben.“

Nun wachsen seine Tiere natürlich im Familienverbund auf. „Wir finden, dass auch in einer Großstadt die Symbiose zwischen Natur, Lebensmittelgewinnung, Gartenkultur und dem fairen Umgang mit Nutztieren funktionieren kann. Das muss keineswegs im Widerspruch mit den Annehmlichkeiten der modernen Lebensweise stehen.“

>> ÖFFENTLICHES SCHAFSCHEREN

Die Jacobschafe werden einmal im Jahr geschoren. So verlangt es das Tierschutzgesetz.

„Geschoren wird zwischen Mitte Mai und Juli“, erklärt Thomas Haffner. Was allerdings gut ist, denn sonst würde es den Tieren zu warm. Außerdem setzt sich in die dichte Wolle gerne Ungeziefer, was für die Tiere unangenehm sein kann. „Die Schafe freuen sich aufs Scheren.“

Die Wolle abrasiert wird mit einer elektrischen Maschine. Früher wurde dies mit einer eigentümlich, wie eine Feder geformte Schere gemacht. „So ein Teil habe ich auch noch, aber das dauert dann eine halbe Stunde lang pro Schaf. Mit der Maschine braucht ich fünf Minuten“, sagt Haffner, der auch schon mal beim Nachbarn aushilft. „Ein Profischerer würde so wenige Tiere gar nicht machen wollen. Das lohnt sich für ihn nicht.“ Mit dem Bürgerverein Haarzopf kam Haffner auf die Idee, ein öffentliches Scheren zu starten. Am Samstag, 18. Mai, 14 bis 18 Uhr, findet dies auf der Wiese Eststraße 42 statt. Achtung: Es gibt vor Ort keine Parkplätze.

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