Segeltörn

Essener (17) erlebt die Corona-Krise auf einem Segelschiff

Auf dem Atlantik kann es ganz schön stürmisch werden, weiß Jonas Westerteicher aus Essen-Bergerhausen. Im Mai wird er zurückerwartet.

Auf dem Atlantik kann es ganz schön stürmisch werden, weiß Jonas Westerteicher aus Essen-Bergerhausen. Im Mai wird er zurückerwartet.

Foto: Westerteicher

Essen-Bergerhausen.  Schüler (17) aus Bergerhausen ist nach Atlantiküberquerung auf dem Rückweg. Unterricht gibt es an Bord, aber Landgänge sind gestrichen.

Einer von wenigen Schülern in ganz Deutschland, die trotz Corona-Krise und Schulschließungen noch normal Unterricht haben, ist Jonas Westerteicher. Der 17-Jährige aus Essen-Bergerhausen befindet sich gerade auf einer Atlantik-Überquerung und lernt mit seinen Mitseglern auf dem Schiff. Doch wegen Corona darf die Crew das Schiff bis zur Rückkehr nach Deutschland nicht mehr verlassen.

Segeltörn der Jugendlichen soll im Mai enden

Seit Mitte Oktober 2019 ist der Essener Schüler unterwegs, absolviert die High Seas High School, die das Hermann-Lietz-Internat auf der Nordseeinsel Spiekeroog seit 26 Jahren anbietet. 30 Jugendliche aus ganz Deutschland sind mit vier Lehrern und 14 Crewmitgliedern sieben Monate auf dem Zweimaster Brigg Roald Amundsen unterwegs. Am 1. Mai sollen sie wieder zu Hause sein.

„Für die Jugendlichen ist das total unwirklich, die Nachrichten von zu Hause zu hören. An Bord haben sie kein Handy zur Verfügung, so dass wir den letzten Kontakt zu Jonas auf den Bermudas hatten, von wo aus sie vor eigenen Tagen die Rückfahrt angetreten haben“, sagt Stefanie Westerteicher, Mutter von Jonas und Kantorin an der evangelischen Auferstehungskirche im Südostviertel.

So weit weg von zu Hause sei es für ihren Sohn und die anderen offenbar nur schwer nachzuvollziehen, dass hier das soziale Leben quasi stillstehe, man sich nicht treffen dürfe und Schulen, Kirchen, Vereine sowie Geschäfte geschlossen seien. „Wir berichten natürlich davon, was hier los ist, aber so richtig kommt es auf dem Schiff nicht an, was ja auch verständlich ist“, sagt Stefanie Westerteicher.

Sorgen um ihren Sohn mache sie sich derzeit nicht. „Das ist ja eine geschlossene Gruppe, da kann eigentlich nichts passieren. Ich glaube, auf hoher See ist Jonas in Sachen Corona im Moment sicherer als an allen anderen Orten der Welt“, so die Bergerhauserin. Allzu viel Zeit, über die Lage daheim nachzudenken, hätten die Jugendlichen an Bord auch sicher nicht. „Der Alltag dort ist straff organisiert und sehr anstrengend“, weiß sie aus den Berichten von Jonas.

Jugendliche übernehmen Wachen an Bord und erhalten Unterricht

Die Jugendlichen müssten acht Stunden täglich Wachen übernehmen, auch nachts, tagsüber sei normaler Unterricht angesagt. Zudem müssten die jungen Leute das Schiff säubern und instandhalten und täglich selbst kochen. „Ein Küchenteam gibt es nicht, sie machen alles selbst.“ Apropos kochen: Beim letzten Landgang auf den Bermudas habe das Team extrem viele Lebensmittel eingekauft, denn die Überfahrt nach Hause werde jetzt in den nächsten fünf Wochen wohl an einem Stück erfolgen.

„Eigentlich waren noch Stopps auf den Azoren und in Frankreich geplant, bevor das Schiff am 1. Mai in Emden anlegen soll, doch die Häfen sind wegen Corona inzwischen geschlossen“, erzählt Stefanie Westerteicher. Jetzt würden es wohl 6000 Kilometer ohne Landgang. Ankern dürfe das Schiff wohl, aber niemand dürfe von Bord.

Aufenthalt in Gastfamilien in Costa Rica

In fünf Wochen erwartet Familie Westerteicher Jonas zurück, der unterwegs seinen 17. Geburtstag feierte. Gestartet war das Team im Oktober in Kiel, über den Ärmelkanal ging es nach Teneriffa und dann über den Atlantik in die Karibik. Längere Aufenthalte gab es in Panama und Costa Rica, wo die Jugendlichen vier Wochen in Gastfamilien wohnten. Weiter ging es nach Kuba und dann auf die Bermudas – wo angesichts der veränderten Situation Proviant für knapp zwei Monate eingelagert worden sei.

Mit an Bord ist auch der Werdener Philippe Gion (16). Auch Vater Dirk Gion berichtet von den eher spärlichen Nachrichten, die die Eltern in Essen per Telefon erreichen. Aber dafür gebe es ja den Blog im Internet, den täglich einer an Bord mit den neuesten Nachrichten bestücke. Für Familie Gion ist die Situation zudem nicht neu, da vor fünf Jahren bereits die Tochter eine Atlantiküberquerung absolviert hat.

Im Frühjahr ist es oft stürmisch

„Die Fahrt ist keine definitiv keine Vergnügungstour. Die Jugendlichen lernen vieles an Bord, aber vor allem auch schlafen“, weist er auf die oft widrigen Umstände hin, denen die Jugendlichen auf dem Traditionssegler ausgesetzt seien. Gerade im Frühjahr gebe es auf dem Atlantik oft schwere Stürme, es könne kalt und ungemütlich werden. „Das ist schon eine echte Herausforderung“, so Dirk Gion, der sich täglich über die Wetterlage auf dem Atlantik informiert.

In Sachen Corona macht auch er sich in Bezug auf die Jugendlichen keine großen Sorgen. Kurz nachdem das Schiff von den Bermudas abgelegt habe, seien dort die ersten Krankheitsfälle registriert worden. „Mit etwas Glück hatten sie dort keinen Kontakt mit Infizierten und danach gab es ja keine weiteren Kontakte mehr zu Außenstehenden. Sie sind ja auf dem Schiff quasi in Quarantäne.“

Teilnehmer bilden auf dem Schiff eine geschlossene Gruppe

„Für Jonas und die anderen ist das ein aufregende Zeit, die sie persönlich weiterbringt“, ist Stefanie Westerteicher überzeugt. Sie glaubt nicht, dass das Team bei der Ankunft in Emden erst einmal in Quarantäne müsse, da es ja eine geschlossene Gruppe sei, aber sie wisse das natürlich nicht. „Das müssen wir einfach abwarten.“

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