Inklusion

Essen: Ausstellung zeigt verbotene Bilder von Otto Pankok

Philipp Nessling und Magdalene Merkel vom inklusivem Kulturforum Billebrinkhöhe in Bergerhausen bereiten eine neue Ausstellung mit Bildern des Malers und Grafikers Otto Pankok vor.

Philipp Nessling und Magdalene Merkel vom inklusivem Kulturforum Billebrinkhöhe in Bergerhausen bereiten eine neue Ausstellung mit Bildern des Malers und Grafikers Otto Pankok vor.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Bergerhausen.  „Verbotene Bilder – für das Leben“ lautet der Titel der Kunstausstellung, die ab dem 1. März im Essener Forum Billebrinkhöhe zu sehen ist.

Der Künstler Otto Pankok (1893-1966) wird in Bergerhausen gewürdigt. Im inklusiven Kulturforum Billebrinkhöhe lockt die nunmehr fünfte Ausstellung mit Werken des Malers, Grafikers und Bildhauers vom 1. März bis 18. April. Philipp Nessling, Pfarrer im Ruhestand und Gründer der Einrichtung, hat sie mit Forumsleiterin Magdalene Merkel in den vergangenen Wochen vorbereitet. Gezeigt werden „verbotene Bilder“.

75 Jahre nach Auschwitz soll die Schau an Verfolgung erinnern

„Verbotene Bilder – für das Leben“ lautet der Titel der Schau, die rund 25 Werke umfassen soll. Gezeigt werden großformatige Kohlezeichnungen aus den Jahren 1932 bis 1941 sowie eine Reihe Holzschnitte aus dem Nachlass. 75 Jahre nach der Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee habe sich das Thema geradezu aufgedrängt, erklärt Nessling.

Der 84-jährige Pfarrer im Ruhestand beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Kunst von Otto Pankok, der 1893 in Mülheim an der Ruhr zur Welt kam, wo sein Vater eine Arztpraxis hatte. Nach dem Abitur 1912 hatte Pankok sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf und der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für bildende Kunst in Weimar aufgenommen.

Als Soldat im Ersten Weltkrieg verschlug es Pankok nach Nordfrankreich, wo er bei einer Grabensprengung verschüttet und verletzt wurde. Nach dem Krieg engagierte er sich in einem links orientierten Künstlerkreis. 1931 knüpfte er Freundschaften mit den Sinti und Roma in der damaligen „wilden Siedlung“ in Düsseldorf. Die Sinti- und Roma-Minderheiten blieben ein künstlerisches Thema, das er immer wieder aufgriff. Aus dem Jahr 1937 etwa stammen die Kohlezeichnung „Junge Frau, Zigeunerin“ und der Holzschnitt mit dem damals noch politisch korrekten Titel „Zigeunerkind.“

Otto Pankok stand auf der Seite der Minderheiten

Pankok stellte sich im Nationalsozialismus auf die Seite der Verfolgten. „Und das waren neben den Juden die Sinti“, erklärt Nessling. Das hatte Folgen: 1935 nahmen die Nazis Ermittlungen gegen den Künstler auf, 1936 sprechen sie ein Arbeitsverbot aus. 1937 ist Pankok mit der Lithographie eines Sinti-Mädchens unfreiwillig in der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ vertreten. Doch Pankok ließ sich nicht einschüchtern, arbeitete im Exil weiter. „Als Vorlagen für seine Zeichnungen von jüdischen Menschen verwendete er Propagandazeitschriften der Nazis“, weiß Nessling.

Auf diese Weise sei zum Beispiel 1942 das Bild vom Geiger im Ghetto entstanden, zu sehen auf dem aktuellen Ausstellungsplakat. Ein paar Werke sind bereits vor Ort. „Die für die Schau ausgesuchten Bilder holen wir selbst im Pankok-Museum in Hünxe ab“, berichtet Magdalene Merkel. Sie sieht Parallelen zwischen der Arbeit des Künstlers und der im inklusiven Kulturforum. „Pankok würdigt in seiner Kunst Menschen, die gering geachtet sind. Im Forum finden behinderte Menschen einen gesellschaftlichen Ort, wo sie geachtet sind und sich auch selbst als Kunstschaffende erleben können.“

Forum Billebrinkhöhe steht allen Besuchern offen

In vieler Hinsicht seien Behinderte bis heute Opfer gesellschaftlicher Ausgrenzung. „Wir kümmern uns um die Würdigung der Behinderten“, formuliert Nessling das Anliegen der Billebrinkhöhe. Als Verfolgter widmete sich Pankok selbst den Verfolgten. „Die Starken müssen unten gehen, denn sie sind dazu da, die Welt zu tragen“, lautet ein berühmtes Zitat des Künstlers, an das Nessling gern erinnert. Der Geistliche aus Essen hat noch die Malerin Eva Pankok, die 2016 verstorbene Tochter des Künstlers, persönlich kennengelernt.

Das Forum im früheren Gemeindezentrum der evangelischen Kirche Bergerhausen steht allen Menschen offen. Jeder kann dabei sein und mitwirken. Merkel: „Wir pflegen eine Willkommenskultur, lieben die Vielfalt, fördern das Gemeinsame, respektieren das Persönliche und hüten die Würde der Einzelnen.“

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