Kampf um Freiflächen

Erhalt der Grünflächen: Verstärkung für Essener Initiative

Jörn Benzinger von der Bürgerinitiative Essen-Haarzopf/Fulerum an der Grünfläche am Harscheidweg. Auf der anderen Straßenseite beginnt der Mülheimer Grünzug.

Jörn Benzinger von der Bürgerinitiative Essen-Haarzopf/Fulerum an der Grünfläche am Harscheidweg. Auf der anderen Straßenseite beginnt der Mülheimer Grünzug.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Haarzopf/Fulerum.  Die Haarzopfer Bürgerinitiative gegen die Bebauung von Freiflächen kooperiert mit der neuen Initiative „Fulerumer Feld“ auf Mülheimer Seite.

Verstärkung aus der Nachbarstadt Mülheim erhält die Bürgerinitiative „Finger weg von Freiluftflächen“ aus Essen-Haarzopf/Fulerum. Im Dezember 2019 hat sich dort die Bürgerinitiative „Fulerumer Feld“ gegründet, die sich gegen die Bebauung des Feldes zwischen Velauer Straße und Rumbachtal wendet. „Wir freuen uns natürlich über die Initiative in Mülheim, die sich ja für die dieselbe Frischluftschneise engagiert wie wir“, sagt Jörn Benzinger, Sprecher aus Haarzopf.

Die Felder in Essen-Haarzopf und Mülheim bilden einen Grünzug

Er selbst lebe zwar heute in Haarzopf, sei aber in Mülheim-Heimaterde geboren und kenne die Situation dort gut. Die Fläche, um die es den Bürgern aus Mülheim gehe, liege genau gegenüber der Fläche am Harscheidweg, für die sich die Haarzopfer unter anderem einsetzen. „Die Felder dort hängen ja quasi zusammen, das ist der gleiche regionale Grünzug“, sagt Jörn Benzinger.

„Die Haarzopfer Bürgerinitiative war sozusagen der Impulsgeber für uns“, sagt Sabine Gründges, Sprecherin der Bürgerinitiative „Fulerumer Feld“. Die Idee zur Gründung sei bei der Versammlung im November vergangenen Jahres in Haarzopf entstanden. Bis heute arbeite man eng mit den Haarzopfern und Fulerumern zusammen.

„Den Mülheimern geht es genauso wie den Bürgern in Haarzopf und Fulerum. Sie sind von den Plänen, die ihnen da präsentiert wurden, überrascht worden und niemand wusste so recht Bescheid“, so Benzinger. Die Haarzopfer hätten ja schon einige Monate Vorsprung und würden die neue Bürgerinitiative „Fulerumer Feld“ mit ihrem bereits erworbenen Wissen und ihrer Logistik unterstützen. „Man muss ja nicht alles neu erfinden“, sagt der Haarzopfer.

Die Ziele der beiden Bürgerinitiativen sind ähnlich

„Es ist schon sinnvoll, dass die Mülheimer ihre eigene Initiative gegründet haben, auch wenn die Flächen, um die es geht, ineinander übergehen und unsere Ziele dieselben sind“, erklärt Jörn Benzinger, der auch schon zu etlichen Sitzungen der Mülheimer Initiative eingeladen war, mit Blick auf die unterschiedlichen Ansprechpartner in beiden Städten. „Die 24 Hektar große Fläche Fulerumer Feld liegt wie die Flächen auf Haarzopfer Seite im Landschaftsschutzgebiet, gehört zum regionalen Grünzug und ist als Kaltluftschneise wichtig“, erklärt Benzinger.

Die Bürgerinitiative „Fulerumer Feld“ wendet sich gegen jegliche Bebauung, sei es Wohnbebauung oder Gewerbeansiedlung. In nur wenigen Wochen habe sie über 6000 Unterschriften gegen die Bebauung des Feldes gesammelt, ähnlich wie die Haarzopfer Initiative im vergangenen Jahr.

Die Initiative „Fulerumer Feld“ besteht aus 13 Bürgern aus Fulerum sowie aus den Mülheimer Stadtteilen Heimaterde und Heißen. Die Mitglieder wollen eine Bebauung des Feldes unbedingt verhindern, weil die Fläche einen hohen Naherholungswert für Menschen habe, die dort spazieren, joggen oder mit ihren Hunden Gassi gehen. Das Areal sei ein Puffer zwischen Straße und dem Naturschutzgebiet Rumbachtal, wo es Rehe, Falken und Feldhasen gebe.

Ein Thema ist die Gewerbesteuer

Das „Fulerumer Feld“ findet sich im Wirtschaftsflächenkonzept für die Stadt Mülheim wieder, das die „Mülheim und Business GmbH“ vorgelegt hat. In den Augen der Bürgerinitiative geht es der Stadt Mülheim vorrangig um den finanziellen Ertrag. 40 Beschäftigte pro Hektar und 2000 Euro Gewerbesteuer pro Beschäftigtem rechnete die „Mülheim und Business GmbH“ in ihrem Wirtschaftsflächenkonzept vor. Allein für das 24 Hektar große „Fulerumer Feld“ ergäben sich daraus 960 Beschäftigte und jährlich rund 1,9 Millionen Euro Gewerbesteuer zusätzlich. Zahlen, die die Initiative bezweifelt. „Viele Hektar sind nicht gleichzusetzen mit hohen Gewerbesteuereinnahmen“, so BI-Sprecherin Sabine Gründges.

Während die Mülheimer also vor allem Gewerbe auf dem Feld verhindern wollen, geht es bei den Haarzopfern um Wohnbebauung. In der Liste der Stadt ist dabei allerdings inzwischen nur noch eine Fläche im Stadtteil übrig geblieben: an der Raadter/Eststraße, wo sich früher ein Gartenbaubetrieb und eine Tennisanlage befanden.

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