Imkerei als Hobby

Die Bienen beginnen an warmen Tagen mit der Futtersuche

Imker Andreas Becker aus Stadtwald kontrolliert die Bienenstöcke in seinem Garten in Stadtwald. Wenn es warm wird, schwärmen die Tiere aus.

Foto: Carsten Klein

Imker Andreas Becker aus Stadtwald kontrolliert die Bienenstöcke in seinem Garten in Stadtwald. Wenn es warm wird, schwärmen die Tiere aus. Foto: Carsten Klein

Essen-Stadtwald.   Hobbyimker Andreas Becker aus Stadtwald freut sich auf die ersten warmen Tage. Dann gehen seine 150 000 Insekten wieder auf Nahrungssuche.

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An den ersten warmen Tagen des Jahres nimmt die Aktivität im Garten von Hobbyimker Andreas Becker schlagartig zu. Dann gehen seine gut 150 000 Insekten auf Nahrungssuche. Solange es noch kalt ist, bleiben sie lieber im Stock und produzieren dort Wärme für die Brut. „Die ersten 3000 Bienen wachsen dort bereits heran“, sagt der 44-Jährige. In den letzten Wochen habe er schon nachgeschaut, ob die Bienen den Winter gut überstanden haben. Die Hälfte des Volkes überlebe die kalte Jahreszeit meist nicht.

Für Bienen habe er sich eigentlich schon immer interessiert, erinnert sich Andreas Becker. Ein Schnupperworkshop in der Gruga brachte ihn dann dazu, selbst Imker zu werden. Seit zwei Jahren ist der Familienvater aus Stadtwald nun dabei, hat inzwischen drei Völker und ein viertes, das den Winter nicht so gut überstanden hat und erst wieder aufgepäppelt werden muss. Vor sechs Jahren kaufte der Diplom-Volkswirt, der in Düsseldorf im Finanzministerium arbeitet, ein Haus aus den 1920er Jahren, direkt am Rande des Schellenberger Waldes. „Die Bedingungen hier sind für Bienen optimal“, freut er sich und meint nicht nur seinen großen Garten mit Obstbäumen.

Im Umfeld der Frankenstraße gebe es viele Linden und Kastanien, die den Insekten reichlich Nahrung böten. „Ich fand das geordnete Chaos, das in einem Bienenstock herrscht, immer sehr faszinierend“, sagt Andreas Becker, der sich nach dem Workshop des Kreisimkerverbandes in der Gruga selbst Völker kaufte. „Ich habe zum Glück einen sehr erfahrenen Imker als Ansprechpartner an meiner Seite“, sagt Becker. Im ersten halben Jahr habe er monatlich an Fortbildungen in Theorie und Praxis teilgenommen.

„Idealerweise startet man mit zwei kleineren Ableger-Völkern, denn für einen Anfänger ist es schon sehr beeindruckend, wenn 50 000 Bienen ausschwärmen. Es ist besser, wenn der Imker mit seinen Völkern, also an den Aufgaben, wächst.“ Er selbst habe allerdings mit einem Ableger-Volk und einem vollen Volk begonnen.

Der Imker sieht seine Bienen im Winter nicht

Der Volkswirt freut sich, dass seine Bienen in den nächsten Tagen wieder ausschwärmen werden. „Als Imker bekommt man sein Volk von Oktober bis zum Frühjahr ja nicht zu sehen. Wenn man bei kühlem und windigem Wetter den Deckel vom Stock abnimmt, kann es schon mal sein, dass die Tiere ein wenig missgelaunt reagieren“, sagt er. Eigentlich seien die Bienen friedlich und weder am Menschen selbst noch an dessen Kuchen oder Wurst interessiert. Wenn sich die Insekten bedroht fühlten, könnten sie trotzdem stechen. „Sie sterben dann zwar, aber das wissen sie ja nicht“, so Becker. Er selbst werde selten gestochen. „Vielleicht zehnmal pro Sommersaison“, schätzt er.

Seine Frau halte sich wegen einer Allergie aber von den Insekten fern, während seine 15-jährige Tochter schon mal mit nach den Bienen schaue. Seine Begeisterung für die Bienen und die Art ihres Zusammenlebens teile die Familie nicht so recht, wohl aber die für den Honig. „Bei zwei Völkern mit jeweils rund 50 000 Bienen kommt man auf rund 70 Kilogramm Honig, also 140 Gläser, in der Saison“, berichtet Becker,. „Ich selbst esse vielleicht ein Glas pro Jahr, aber bei Nachbarn, Arbeitskollegen und Verwandten kommt der Honig gut an. Der Verkauf deckt ungefähr die Kosten, die man durch das Hobby hat.“

Krankheiten können die Tiere im Winter töten

Dass jemand, der sich mit den Tieren nicht auskennt, sich einfach einen Bienenstock auf den Balkon stelle, hält er für keine gute Idee. „Da kann sich schon die eine oder andere Biene in die Wohnung verirren und auch die Nachbarn sind sicher nicht begeistert, wenn so ein Volk ausschwärmt“, vermutet Andreas Becker.

Hobbyimker Andreas Becker hat sich viel Wissen über Bienen angeeignet. Für Bienen seien im Winter nicht die niedrigen Temperaturen problematisch, sondern besonders die Varroa-Milbe. Die sei aus Asien eingeschleppt worden und schädige die Bienenlarven, so dass sich das Volk nicht vermehre. „Die Varroa-Milbe bekämpft man nach der zweiten Honigschleuder Ende Juli bis in den Winter mit Ameisen- und Oxalsäure“, sagt der Imker. Im Sommer sei das nicht sinnvoll – sonst riskiert man Schadstoffe im Honig.

Faulbrut führt zur Einrichtung von Sperrbezirken

Alle Imker beunruhige natürlich derzeit die amerikanische Faulbrut, eine bakterielle Erkrankung. Wenn die Krankheit auftauche, dürfe man innerhalb eines bestimmten Sperrbezirks zum Beispiel ohne vorherige Kontrolle durch das Veterinäramt keine Ableger von Bienenvölkern mehr verkaufen. Andreas Becker hofft, dass sein Umfeld von der Krankheit verschont bleibt. Stetige Kontrolle der Stöcke sei deshalb wichtig.

„Bienen sind sehr ordentliche und reinliche Tiere“, erzählt der Imker. Während des Winters würden sie nur sehr wenig fressen. Als Nahrung diene das Zucker-Wasser-Gemisch, das ihnen der Imker im Austausch für den Honig zur Verfügung stelle. Bienen ließen im Stock keinen Kot ab, entleerten den Darm erst bei den Frühjahrsflügen – was man an den Flecken im Garten und auf der Terrasse erkenne. Tote Bienen, immerhin rund 25 000 Tiere pro Volk und Winter, würden nach draußen entsorgt. Im Winter seien im Stock „die Mädels unter sich“, so der Imker.

Fleißig seien sowohl die Königin, die im Sommer bis zu 2000 Eier am Tag lege, als auch die Nektar-Sammlerinnen. Für ein 500-Gramm-Glas Honig müssten die Bienen 50 000 Mal fliegen.

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