Novemberkonzert

Der Essener Chor „Young People“ feiert 45-jähriges Bestehen

Etwa 300 Gospel- und Pop-Songs gehören zum Repertoire der „Young People“. Beim Konzert am Totensonntag, 24. November, bringen sie 15 davon in der Elisabethkirche an der Frohnhauser Straße 400 zu Gehör. Das Programm heißt „Knockin’ on Heaven’s Door“.

Etwa 300 Gospel- und Pop-Songs gehören zum Repertoire der „Young People“. Beim Konzert am Totensonntag, 24. November, bringen sie 15 davon in der Elisabethkirche an der Frohnhauser Straße 400 zu Gehör. Das Programm heißt „Knockin’ on Heaven’s Door“.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Margarethenhöhe.  Zu Zeiten von Abbas Waterloo und der Fußball-WM 1974 waren die Young People noch jung: Ihren 45. Geburtstag feiern sie mit Konzert und Publikum.

Ihre drei Konzerte im Bochumer Planetarium waren bis auf den letzten Platz ausverkauft. Sie kennen sich seit der Jugend und singen als „Young People“ mit einer Band mitreißende Gospel, Jazz- und Pop-Songs. Am Totensonntag kommen sie mit dem Programm „Knockin’ on Heaven’s Door“ in die Elisabeth-Kirche in Frohnhausen.

Als „Young People“ hat sich der Chor vor 45 Jahren in der katholischen Gemeinde St. Elisabeth in Frohnhausen gegründet. Und 1974, zur Zeit von Abbas „Waterloo“ und der Fußball-Weltmeisterschaft waren die 34 Sängerinnen und Sänger auch jung. „Inzwischen sind die meisten von uns Mitte 50 bis Ende 60“, sagt Andreas Rosner.

Er ist der stellvertretende Vorsitzende des Gesangvereins und eher eine Ausnahme mit gerade elf Jahren Chormitgliedschaft. Die meisten sind länger dabei. „Hier haben sich in der Jugend Pärchen gefunden“, weiß Rainer Stemmermann. Auch einige Ehen seien übers regelmäßige Singen zustande gekommen. Diese frühen Anfänge hat der 60-Jährige Sänger und Musikdozent persönlich nicht miterlebt. Denn unter seiner Leitung steht der Chor erst seit Ende der 90er, immerhin auch schon 20 Jahre.

Stefan Grafers schlägt die Kistentrommel

Im Saal des Gemeindezentrums der katholischen Kirche Heilige Familie ist ein Stuhlkreis aufgebaut. Vorn steht ein Flügel. Rosner ist Erster bei der Probe. „Unsere Mitglieder sind über die ganze Stadt verstreut und manche kommen sogar aus Bottrop, Duisburg oder Mülheim“, erzählt er. Auch seine Ehefrau Birgitta und die Schwägerin teilen das musikalische Hobby. Rosner ist einer von sechs Tenören. Hinzu kommen sieben Bässe bei den Herren. Kontinuität und Bodenständigkeit haben die „Young People“ zu dem gemacht, was sie heute sind: ein Chor, der das Publikum mitreißt und Jahr für Jahr begeistert.

Tradition ist das Konzert am Totensonntag in St. Elisabeth: Einmal im Jahr besinnen sich die Sängerinnen und Sänger auf ihre Frohnhauser Wurzeln und kommen mit einem jeweils neuen Programm in ihre alte Heimat. So auch diesmal, am Sonntag, 24. November. Da wollen sie ein klangliches Erlebnis zwischen Himmel und Erde abliefern.

Erst im Frühling 2020 singen sie „Knockin’ on Heaven’s Door“ dann auf der Margarethenhöhe. Stefan Grafers ist der „Mann der 1000 Lieder“ und schlägt bei der Probe auf die Cajón als Drum-Ersatz. Die kistenförmige Percussiontrommel betont den flotten Rhythmus des Gospels „Let`s praise the lord.“ Bei kirchlichen Liedern haben sich die „Young People“ auf Amerikanisches spezialisiert. Aber auch Rock und Pop gehören zu ihrem Riesen-Repertoire. Das ist im Laufe der 45 Jahre stetig gewachsen.

Vor dem Singen werden die Stimmbänder gelockert

Rund 300 Stücke hat der Chor parat. „Wer Geburtstag hatte, darf sich bei der nächsten Probe ein Lied wünschen. Und das wird auch gesungen“, berichtet Ulrich Estermann vom Vorstand. Stemmermann: „Ich bin immer erstaunt, wie gut das klappt, selbst wenn ein Titel schon ewig nicht mehr geübt wurde.“ Vielleicht liegt es am gründlichen Einsingen. Rosner jedenfalls schwört darauf. Vor dem eigentlichen Gesang werden die Stimmbänder gelockert. „Man kommt dadurch in ganz andere Tonhöhen“, schwärmt Rosner. Der Chorleiter erklärt die für Zuschauer ungewöhnlichen Vorübungen als „Mischung von Warm Up und Stimmbildung.“ Viele hetzen gleich nach der Arbeit zur Probe. So gehe es zunächst darum, alle körperlich und seelisch weg vom Alltag zu führen. „Wer mitsingt, soll sich ganz auf neue Klänge und Musik einlassen.“ Die Stimmbildung zahle sich eher langfristig aus.

Das Publikum im Bochumer Planetarium jedenfalls war begeistert von den „Young People“. Die bringen vier- bis siebenstimmig beim Novemberkonzert 15 Stücke zum Thema Sterben und Tod zu Gehör – ohne Pause. Keine Angst: Depressiv wird keiner dabei. Beweisen wollen die Chormitglieder dabei auch, dass sie ihrem Namen trotz vorgerücktem Alter noch alle Ehre machen: „Im Herzen sind wir alle jung geblieben“, scherzt Organisator Ulrich Estermann.

Einer der Höhepunkte des neuen Programms ist Stemmermanns Chor-Fassung des Rock-Klassikers „Knockin’ on Heaven’s Door“, von Bob Dylan geschaffen und immer wieder aufgegriffen. Das Stück hat Stemmermann selbst arrangiert. Der Song kommt gegen Ende. Und diesmal garantiert auch wieder dabei: „Oh happy day“, der Gospel-Song schlechthin. Darauf hatte das Stamm-Publikum im vergangenen Jahr zum ersten Mal verzichten müssen. Das soll nie wieder vorkommen.

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