Jahresrückblick

Das war das Jahr 2016 im Essener Süden

Rund 1000 Bürger protestierten in Haarzopf gegen den Bau von Flüchtlingsunterkünften auf Grünflächen im Stadtteil.

Foto: Kerstin Kokoska

Rund 1000 Bürger protestierten in Haarzopf gegen den Bau von Flüchtlingsunterkünften auf Grünflächen im Stadtteil. Foto: Kerstin Kokoska

Baustellen haben die Bürger auf Trab gehalten. Das Rathaus Rellinghausen ist fertig saniert. Allbau stellte die Pläne für die Cranachhöfe vor.

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Januar

Für die Bewohner der Margarethenhöhe beginnt das Jahr mit einer Baustelle. Die Stadtwerke erneuern zunächst für neun Monate den fast 100 Jahre alten Abwasserkanal unter der Sommerburgstraße. Das bedeutet: Vollsperrung. Die Anwohner soll das Ganze noch ziemlich nerven. Die Baustelle wird sich verlängern.

„Bagger weg vom Acker“ ist eine der Parolen, mit denen insgesamt rund 1000 Menschen in Haarzopf gegen den Bau von Häusern für Flüchtlinge auf Grünflächen protestieren. Eingeladen zur großen Demo auf der Hatzper Straße hat die Bürgerinitiative „Haarzopf/Fulerum sagt Nein“. Die Stadt wird im Laufe des Jahres vom Bau der Häuser am Spielkampsweg absehen.

Auch in Bergerhausen regt sich Widerstand gegen die Unterbringung von weiteren Flüchtlingen. Rund 100 Bergerhauser protestieren während der Sitzung der Bezirksvertretung II gegen die Belegung eines alten Büro-Hauses an der Klinkestraße mit 400 Menschen.


Februar

Die Fortsetzungsgeschichte Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Berufskollegs Holsterhausen geht in die nächste Runde. Nachdem schon im vergangenen Jahr die Interessenten (Uni-Klinikum, Rotes Kreuz) für die Cranachhöfe abgesprungen waren, plant Entwickler Allbau um. Bis zu 50 geförderte Mietwohnungen und Büro-Einheiten sollen Lücken schließen.

An der Holsterhauser Gemarkenstraße stöhnen die Geschäftsleute auf. Während der Bereich um die Kreuzung Gemarken-/Rubensstraße wegen der Erneuerung von Wasserleitungen noch geschlossen ist, kündigen die Stadtwerke die nächste Baustelle an. Neue Abwasserleitungen ziehen erneut Maßnahmen und eine bis zu sechsmonatige Sperrung nach sich.

In ihrer Zentrale in Bergerhausen lassen die Azubis der Jugendhilfe Essen den historischen Schriftzug „Georg Melches Stadion“ in neuem Glanz erstrahlen. Heute bewundern ihn die Fans von Rot-Weiss Essen wieder am Stadion.

März

In Stadtwald greifen Bürger selbst zum Spaten und forsten bei mehreren Aktionen unter der Anleitung von Grün und Gruga den Schellenberger Wald hinter der Straße Kellermanns Busch mit 600 neuen Bäumen wieder auf. Dafür hatte die Initiative vorher 8200 Euro gesammelt.


April

Endlich geht die jahrelange Großbaustelle im Nachtigallental zu Ende. Die Emschergenossenschaft lässt zum Abschluss das Grün rund um den Halbachhammerteich aufforsten.

Die Umgestaltung des Bredeneyer Stadtteil-Zentrums nimmt konkrete Formen an. An der Bredeneyer und Zeunerstraße beginnt der Abriss eines großen Häuserblocks. Hintergrund der komplizierten Baumaßnahme im Bredeneyer Zentrum sind 48 Mietwohnungen und ein großer Supermarkt, die hier entstehen sollen. Zwischendurch verzögert sich der Baustart wegen Bodenproben. Bis der Komplex fertig ist, wird es noch bis ins Jahr 2018 dauern.

Die evangelische Gemeinde Bredeney will auf dem Gelände am Heierbusch eine neue Kita für 79 Kinder bauen und die Kita am Helmertweg darin aufgehen lassen. Das gefällt nicht allen Gemeindegliedern. Eine Gruppe von ihnen befürchtet Verkehrschaos in den Wohnstraßen.

In der Conradschen Villenkolonie in Bredeney beobachten Nachbarn den Abriss einer Jugendstilvilla von 1907 an der Straße Am Wiesental mit sehr gemischten Gefühlen. Sie fürchten, dass durch einen modernen Neubau das architektonische Ensemble zerstört wird.

Der Essener Sportbund (Espo) bezieht seine neue Heimat in der ehemaligen Holsterhauser Planckschule. Das Gebäude mit integrierter Turnhalle wurde für 500 000 Euro umgebaut und renoviert.


Mai

Gar nicht lustig finden die Ehrenamtlichen des Bürgervereins Bergerhausen das amtliche „Nein“ zu ihrer Idee, Straßenschilder selbst zu reinigen. Doch die Stadt merkt schnell, dass sie Gefahr läuft, sich mit dem Ausbremsen des Bürger-Engagements großen Unmut zuzuziehen und lenkt ein. Nun dürfen in ganz Essen Bürger Straßenschilder säubern.

Auf viel Kritik vor Ort stoßen die Essener Verkehrs-AG und die Stadt mit ihren Plänen, die Tram-Haltestelle Weserstraße in Bergerhausen umzubauen und die anliegende Kreuzung neu zu ordnen. Bürgerschaft, Nachbarn und Geschäftsleute fürchten wegfallende Parkplätze und Stau-Gefahr.


Juni

Eine der größten Kleingartenanlagen NRWs feiert seinen 100. Geburtstag: Der Haarzopfer Verein Hohe Birk ist stolz auf 383 Gärten auf über 150 000 Quadratmetern.

In ganz Essen entstehen feste Flüchtlingsunterkünfte, die die ungeliebten Dörfer ablösen sollen – so auch auf dem Gelände des ehemaligen Jugendzentrums Papestraße in Holsterhausen. Nun entbrennt die Debatte: Wohin mit der Drachenskulptur des Künstlers Adolf Wamper, der dem Nationalsozialismus nahe gestanden haben soll?

Juli

In Rellinghausen feiern die Freunde und Förderer des Annenfestes zusammen mit der Gemeinde St. Lambertus den 500. Jahrestag des legendären Hostienraubes und den Fund der Opfergaben im nahe gelegenen Annental. Rund 500 Besucher kommen.

Das endgültige Ende der ehemaligen katholischen Kirche St. Stephanus in Holsterhausen kündigt sich an. Die Heimstatt-Engelbert-Stiftung, Eigentümerin des Grundstücks, hat die Abrissgenehmigung für das alte Gotteshaus erwirkt. Aufgegeben wurde es bereits 2008. In 2016 werden die Arbeiten aber nicht beginnen. Die Stiftung will an Ort und Stelle eine soziale Nutzung etablieren.


August

Bei der öffentlichen Besichtigung kurz vor der Belegung des Flüchtlingsheims im alten Büro-Gebäude an der Bergerhauser Klinkestraße kommt es zu einem wahren Ansturm der Nachbarn und Interessierten. Mehr als 200 Besucher drängeln sich durch die Gänge.


September

Groß ist der Ärger auf der Margarethenhöhe, dass die Sparkasse hier ihre Filiale Hoher Weg aufgeben will. Aber auch die Sammlung von 1338 Protestunterschriften ändert nichts an den Plänen.

Auf dem Gelände der ehemaligen Kirche und des Pfarrhauses von St. Raphael in Bergerhausen erfolgt der Spatenstich für 15 Wohnungen mit dem Namen „Raphaelsgärten“. Bereits im Sommer hatte das Franz-Sales-Haus auf dem Grundstück an der Warthestraße ein Wohnheim für geistig behinderte Schüler eingeweiht. Die Gemeinde-Häuser wurden bereits 2012 abgerissen.

Wegen eines Brandes in einer türkischen Imbissbude müssen die Kinder der freien Kita Rübezahl am Stadtwaldplatz ihre Räumlichkeiten im selben Haus verlassen. Über diese Zeitung suchen die Eltern und Erzieherinnen einen neuen Unterschlupf für die Kleinen, bis die alten Räume vom Brandgeruch befreit sind. Sie haben Erfolg: Der Kita-Zweckverband im Bistum stellt Räume in der Zweigstelle Lelei der Kita St. Georg in Heisingen bereit.


Oktober

Endlich beginnen die Arbeiten an der abgebrannten Turmspitze der Bergerhauser Kirche St. Hubertus. 500 000 Euro bezahlt das Bistum, um zu verhindern, dass weiter Wasser in den Turm eindringt. Die Komplettsanierung der maroden Fassade ist vorerst verschoben. Sie soll frühestens 2018 folgen. Im Januar 2014 war der Blitz eingeschlagen.

Die Kaulbachstraße, Verbindung von Holsterhausen nach Frohnhausen, wird zur zweitgrößten Straßenbaustelle der Stadt. Für 2,2 Millionen Euro werden 17 000 Quadratmeter bis Mitte 2017 umgestaltet.

14 Menschen verlieren ihr Zuhause durch einen Dachstuhlbrand an der Rellinghauser Straße 267 in Bergerhausen. Die Feuerwehr ist stundenlang mit den Löscharbeiten beschäftigt. Es folgen Hilfsaktionen der Gruppe „Essen packt an“.

Einer der ältesten Sportvereine in Essen feiert seinen Geburtstag: Der Turnverein Rellinghausen 91/24 wird 125 Jahre alt.

Die Evangelische Kirchengemeinde Rellinghausen/Stadtwald plant die Zukunft. Gemeindehaus und Pfarrhaus an der Oberstraße sollen abgerissen werden. Dafür entsteht an der Bodelschwinghstraße ein neues Gemeindezentrum. Für einen Teil der Kosten von rund 850 000 Euro hofft man auf Spender.

November

Nach zweijähriger Umbauzeit freuen sich die Rellinghauser über ihr frisch renoviertes altes Rathaus. In den prägnanten roten Klinkerbau zieht die Gesellschaft für soziale Dienstleistungen Essen (GSE) mit ihrer Tagespflege.

Die Reform der verkaufsoffenen Sonntage fordert ihr Opfer im Süden. Weil in Zukunft noch strenger auf den Anlass geachtet wird, zieht sich die Werbegemeinschaft Rellinghausen von der Organisation der Veranstaltungen 2017 zurück.

Endlich kündigt die Stadt die Sanierung der Turnhalle der Stiftsschule in Stadtwald an. Seit Wochen ist die Sportstätte wegen des schimmelnden Bodens gesperrt.

Nach langem Schweigen stellt der Investor Allbau die Pläne für die Cranachhöfe auf dem ehemaligen Gelände des Berufskollegs Holsterhausen vor rund 180 Besuchern vor. Viel sei von ihren Gestaltungsideen nicht übrig geblieben, kritisieren Bürger.

Dezember

Die Gesamtschule Süd in Stadtwald wird nun doch nicht verschwinden. Ab dem Jahr 2018 soll es mit verändertem pädagogischen Konzept als neue Gesamtschule weiter gehen.

Traurige Tage stehen den Katholiken in Haarzopf bevor. Vor der im Jahr 2012 geschlossenen Kirche St. Maria Königin stapeln sich die Holzbalken und Bretter. Der Abriss steht Anfang 2017 bevor.

Nach vierjähriger Sanierung können die Gläubigen an Heiligabend wieder in der denkmalgeschützten evangelischen Kirche an der Raadter Straße in Haarzopf ihre Gottesdienste feiern.

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