Casting

Casting bei „Ruhrpottpourie“ – Talentsuche im Girardethaus

Hier ist keiner fies: Jurorin Leona Rößing hört sich lächelnd an, was Jerome (re.) und Nico im Repertoire haben.

Foto: WAZ FotoPool

Hier ist keiner fies: Jurorin Leona Rößing hört sich lächelnd an, was Jerome (re.) und Nico im Repertoire haben. Foto: WAZ FotoPool

Essen-Rüttenscheid.   Das Ensemble „Ruhrpottpourie“ suchte in einem offenen Casting nach jungen Musicalsängern. Fröhlich, cool und extrovertiert sollten sie sein. Ein Besuch – weitab von protzigen Sprüchen und Fernsehkameras.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Diese eine Sendung, die kennen sie natürlich alle. Junge Leute wollen Musiker werden und gehen zu einem Casting, wo sie etwas vorsingen – das klingt sehr nach den RTL-„Superstars“. Die Talentsuche à la Rü geht indes ein bisschen anders.

Es ist später Nachmittag, im Girardethaus hat die Musikschule Rhein-Ruhr zum offenen Casting geladen: Sie sucht Nachwuchs für das Kinder- und Jugendensemble ihrer Musicalabteilung. Die Plätze sind rar und begehrt. Der Dieter Bohlen der Musikschule heißt Birgit Zacher – 54 Jahre, ausgebildete Sängerin und „schon immer“ in Essen. Mit Leona Rößing (21) und Verena Terbrüggen (22) bildet sie die Jury, die über die Aufnahme in den „Ruhrpottpourie“-Chor entscheidet. Zacher will nicht jeden, sondern: „Kinder, die extrovertiert sind. Ich liebe es, wenn sie gut drauf sind, wenn sie cool sind, wenn sie sich gut präsentieren.“ Klingt fast wie im Fernsehen, wenn sie dort fordern: „Das Gesamtpaket muss stimmen.“ Niedergemacht wird hier allerdings keiner.

„Ich habe drei Lieder vorbereitet“

Der erste Kandidat an diesem Tag ist Nico, ein Elfjähriger mit modischer Gelfrisur und offenem Hemd. Auch er kennt offenbar die einschlägigen Shows, denn sein erster Satz gehört zum Standardrepertoire der RTL-Bewerber: „Ich habe drei Lieder vorbereitet!“ Nico kommt aus Gladbeck-Zweckel und ist ein kleiner Profi – er hatte schon eine Kinderrolle am Gelsenkirchener Musiktheater. „Du weißt“, sagt Zacher, „wir suchen jemanden für unsere nächste Musicalnight in Oberhausen.“ Bei Nico macht’s „klick“: „Oberhausen, das ist da, wo das Centro ist, ne? Da war ich nämlich schon mal.“ Dann fängt er an zu singen. Musicalstücke. „Super“ findet Zacher die Darbietung. „Du bist dabei. Nächsten Mittwoch geht’s los.“ Nico nimmt’s gelassen hin: „Okay.“

Für die Musikschule ist es wichtig, regelmäßig neue Talente zu gewinnen. Für all die Auftritte in Altenheimen, bei Vereinsfeten oder Kirchengemeinde-Festen brauchen sie musikalisches Personal. Manchmal scheidet ein Mitglied aus, weil die Schulnoten zu schlecht sind und es sich besser auf die Mathehausaufgaben konzentrieren soll statt auf den „König der Löwen“. Oder weil eine 15-Jährige sich plötzlich lieber mit ihrem ersten Freund trifft, als zur Probe zu gehen. „Es gab aber auch schon Paare, die sich bei uns kennengelernt haben und heute verheiratet sind“, sagt Zacher, die das Ruhrpottpourie 2000 gründete.

Einige Kandidaten haben bereits Casting-Erfahrung. Maria (14) etwa: „Ich war mal bei ,The Voice Kids’. Leider kam ich nicht weiter.“ Nun singt sie Xavier Naidoos „Dieser Weg“. Zacher ist angetan: „Große Klasse.“ Auch Maria ist also dabei. Im Girardethaus geht’s eben höflicher zu als im TV-Studio.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik