Stadtteil-Geschichte

Bürger sind noch immer stolz auf Einsatz für Straßennamen

Dieter Fassbender (l.) und Rudolf Söhnchen engagierten sich 1969 gegen die Umbenennung der Frankenstraße und wurde Freunde.

Foto: Klaus Micke

Dieter Fassbender (l.) und Rudolf Söhnchen engagierten sich 1969 gegen die Umbenennung der Frankenstraße und wurde Freunde.

Essen-Rellinghausen.   1969 sorgten engagierte Rellinghauser dafür, dass der Rat seine Entscheidung, die Frankenstraße umzubenennen, nach einigen Monaten zurücknahm.

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Als die Rellinghauser Rudolf Söhnchen (77) und Dieter Fassbender (81) kürzlich einen Artikel über die Frankenstraße in unserer Zeitung lasen, wurden Erinnerungen bei ihnen wach. Die Freunde lernten sich 1969 in der Bürgerinitiative kennen, die sich gegen die damals geplante Umbenennung der Frankenstraße engagierte. Mit ihren nächtlichen Plakat- und Überklebungsaktionen hatten die Bürger am Ende Erfolg.

„Der Rat hat im Frühsommer 1969 seine wenige Monate zuvor getroffene Entscheidung zur Umbenennung wieder zurückgenommen. Ein Freund von uns hatte auf der Sitzung einen Vortrag zur historischen Bedeutung der Frankenstraße gehalten“, sagt Rudolf Söhnchen und ist heute noch ein wenig stolz auf das damals Erreichte.

Die Frankenstraße wurde damals sogar abschnittweise für einige Monate umbenannt. Anlass sei der 20. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes gewesen. Dessen geistige Väter sollten mit der Umbenennung geehrt werden: Das Stück von der Meisenburg- bis zur Alfredstraße sollte an den ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer erinnern, das Stück bis zum Stadtwaldplatz an den ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, und der Bereich bis zur Ruhrallee an den ersten SPD-Vorsitzenden nach dem Krieg, Kurt Schumacher. Die Umbenennung 1969 war nicht von langer Dauer – und die Rellinghauser konnten das als Erfolg verbuchen.

Argumente der Umbenennungsgegner verhallten

Rudolf Söhnchen hat eine besondere Beziehung zu der Straße, an der er aufgewachsen ist. Bis heute lebt er in seinem Elternhaus. „Meine Großeltern hatten hier eine Bäckerei. Die hat mein Vater übernommen und ich habe sie geführt, bis ich 1999 aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste“, sagt Söhnchen. „Wir haben schon in der Schule gelernt, dass die Frankenstraße die Grenze zwischen dem Siedlungsgebiet der Franken und der Sachsen markierte. Wir haben damals nicht eingesehen, dass der historische Name wegfallen sollte“, so Söhnchen.

Laut einem Zeitungsartikel von damals stieß dieser Einwand der Rellinghauser im Rat auf wenig Verständnis. Dort hieß es, die Straße habe im Bereich der früher selbstständigen Gemeinde Rellinghausen bis 1910 den Namen Hauptstraße und im Bereich der Gemeinde Bredeney bis 1915 Bredeneyer Straße gehabt. Die Umbenennung in Frankenstraße sei erst nach der Eingemeindung erfolgt, argumentierten die Befürworter der Umbenennung.

Einmal sind die Mitglieder der Gruppe aufgefolgen

Die Gegner der Umbenennung haben sich dann im privaten Rahmen getroffen, um Unterschriftenaktionen, das nächtliche Plakatieren und Überkleben der neuen Straßenschilder zu organisieren. „Wir haben Bierchen getrunken und immer geschaut, dass keine Polizei unterwegs war“, sagt Söhnchen. Wenn sicher war, dass „die Polizei Feierabend machte“, zogen die Mitglieder der Bürgerinitiative los. Mindestens vier Wochen seien sie so unterwegs gewesen.

50-jährige Freundschaft verbindet die Männer

Einmal seien sie doch aufgeflogen, die Ordnungshüter seien in Zivil und mit Hunden unterwegs gewesen. Die streitbaren Bürger mussten ihre Personalien abgeben, sich beim „Dorfsheriff“ auf der Polizeistation im alten Rathaus Rellinghausen melden, wo sie eine Anzeige wegen Sachbeschädigung bekamen. „Bezahlen mussten wir am Ende nichts, die Sache wurde eingestellt“, erinnert sich Söhnchen.

Mit Dieter Fassbender, den er vor der Aktion gar nicht kannte, verbindet Söhnchen nun seit fast 50 Jahren eine echte Freundschaft. Fassbender ist in Heisingen aufgewachsen und durch seine Frau nach Rellinghausen gekommen, wo er seit 1961 lebt. Sein Berufsleben verbrachte der heute 81-Jährige bei Krupp, war zum Schluss Betriebs- und Fertigungsleiter. Dass die Frankenstraße nach nur wenigen Monaten wieder ihren alten Namen zurückbekam, war für die jungen Rellinghauser ein großer Erfolg. Fassbender: „Wir haben unseren Triumph damit gefeiert, dass wir einen Kegelclub gegründet haben, der rund 40 Jahren bestand.“

Initiative hatte nichts mit der Bürgerschaft zu tun

Die Bürgerinitiative gegen die Umbenennung der Frankenstraße hatte laut Dieter Fassbender und Rudolf Söhnchen nichts mit dem Verein Bürgerschaft Rellinghausen zu tun. Darin seien damals fast nur ältere Männer organisiert gewesen, die wohl auch gegen die Umbenennung waren, aber nicht dagegen unternahmen.

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