Kampf um die Kunstwerkerschule

Bürger bilden Lichterkette für Erhalt der Kunstwerkerschule

Mit Kerzen und Windlichtern setzten sich die Bürger für den Erhalt der alten Schule an der Kunstwerkerstraße

Mit Kerzen und Windlichtern setzten sich die Bürger für den Erhalt der alten Schule an der Kunstwerkerstraße

Foto: Erwin Wiemer

Essen-Bergerhausen.   Viele Bürger setzen sich weiter für den Erhalt der Kunstwerkerschule in Bergerhausen ein. Am 6. Dezember ist das Gelände Thema im Ausschuss.

Mit einer Lichterkette forderten Bürger und Politiker jetzt den Erhalt der ehemaligen Schule an der Kunstwerkerstraße. Die Stadtverwaltung will auf dem Areal Wohnungsbaurecht schaffen. Die zuständige Bezirksvertretung hatte das abgelehnt. Am Donnerstag, 6. Dezember, entscheidet der Ausschuss für Stadtentwicklung und Stadtplanung über die Aufstellung eines Bebauungsplans. Die Initiative zum Erhalt der Kunstwerkschule will sich nicht geschlagen geben.

0,35 Hektar groß ist das Areal, für das die Stadt im beschleunigten Verfahren Baurecht schaffen will. Eigenheime, auch Mehrfamilienhäuser sollen möglich werden. 30 Prozent der Wohnungen sollen öffentlich gefördert sein.

Im Vorfeld der Ausschusssitzung versammelten sich rund 80 Bürger, darunter auch Politiker aus Bezirksvertretung und Rat, um ihrer Sorge Ausdruck zu verleihen, dass ein Stück Schulgeschichte aus dem Stadtteil verschwindet. Der alte Backsteinbau von 1922, in dem seit 25 Jahren der Künstler Jürgen Paas sein Atelier unterhält, liegt vielen Bergerhausern am Herzen. Die Unterstützer zeigten ihren Unmut darüber, dass der Abriss der alten Schule von der Verwaltung billigend in Kauf genommen werde.

Anwohner befürchten Verkehrs- und Parkprobleme

Angela Klaus vom Bürgeraktionsbündnis brachte dabei noch einmal die Geschichte in Erinnerung. Der Stadt sei das Grundstück Anfang des 20. Jahrhunderts ausdrücklich zum Zweck verkauft worden, dort eine Schule zu unterhalten. Die hat es dort auch schon 1907 gegeben. Eine weitere Bebauung am Entree zum schützenswerten Siepental sei abzulehnen. Schulgebäude und Schulhof seien prägend für den Standort. Anwohner sehen auch Verkehrs- und Parkprobleme auf sich zukommen.

Gegen Künstler Jürgen Paas (60) hat die Stadt bereits Räumungsklage eingereicht und ihm die Heizung in der alten Schule abgebaut. „Das ist nicht nur für meine Gesundheit ein Risiko, sondern auch für die Werke. Besonders die aus Papier und Holz vertragen keine Feuchtigkeit“, sagt der zeitgenössische Maler und Bildhauer. Auch das Gebäude könne Schaden nehmen, befürchtet er Schimmel und Frostschäden.

Künstler nutzt die Räume seit 25 Jahren als Atelier

„Ich gehe davon aus, dass das Gericht im Januar über die Räumungsklage entscheidet. Sollte das gegen mich ausgehen, werde ich auf jeden Fall in die nächste Instanz gehen“, so Paas. Nach so vielen Jahren könne er nicht kurzfristig umziehen, er habe zudem vertragliche Verpflichtungen, müsse pünktlich liefern. Die Suche nach einem geeigneten neuen, ebenerdigen Atelier mit einer Zufahrt sei schwierig. Der Künstler bewohnt mit seiner Frau ein eigenes Haus in Steele. „Wir sind Essener und wollen das auch bleiben.“

Ob CDU, SPD, Grüne oder Linke – auch Vertreter von Parteien beklagen die Pläne zur Bebauung des Schulgeländes, das umsäumt ist von altem Baumbestand. Bezirksbürgermeister Gerhard Barnscheidt (SPD) bedauerte, dass aus seiner Sicht ein Bebauungsplan nicht mehr verhindert werden könne, da sich wohl eine große Koalition aus SPD und CDU über die Bedenken der Bezirksvertretung hinwegsetzen werde.

Ein aktueller Steeler Fall macht der Initiative Hoffnung

Ratsherr Christoph Kerscht, planungspolitischer Sprecher für die Grünen im Stadtrat, will das so noch nicht akzeptieren. Er stellte in Aussicht, im Ausschuss zu beantragen, dass die Stadt den bebauten Teil des Areal nur in Erbpacht veräußert. Kerscht verspricht sich dadurch bessere Chancen für Investoren, die einen Erhalt des Schulgebäudes im Blick hätten.

Bei dem Treffen gab es auch einige Ideen zur Folgenutzung. Die reichten von einer Kita-Nutzung über den Wunsch, am Standort eine freie Schule zu etablieren. Johannes von Geymüller vom städtischen Kulturbeirat könnte sich die Unterbringung von Folkwang-Stipendiaten vorstellen.

Aufgeben will die Bergerhauser Initiative nicht. Hoffnung schöpfen die Mitglieder aus der Nachricht, dass es in Steele dem Verein „Kunstraum Alte Schule“ quasi auf den letzten Drücker gelungen ist, das dem Abriss geweihte historische Atelierhaus am Äbtissinnensteig zu retten, in dem nun eine Kita und Wohnen Platz finden sollen.

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